Dr. phil. Birgit Stürmer
HU-FIS-Profil ↗Konflikte in der Informationsverarbeitung treten auf, wenn mehrere Reizeigenschaften unterschiedliche Reaktionstendenzen auslösen. Solche Interferenzeffekte sind kontextabhängig und nach einem vorangehenden Konflikt deutlich reduziert. Diese kontextabhängigen Modulationen der Interferenz werden wahrscheinlich von exekutiven Kontrollprozessen geleistet. In Experimentalserie A soll untersucht werden, inwieweit solche Modulationen intentional gesteuert werden können. Experimentalserie B widmet sich der Frage, inwieweit Modulationen nach unterschiedlichen Konflikten auf vergleichbaren Anpassungsprozessen beruhen.Neuere neurowissenschaftliche Studien verweisen auf Kontrollnetzwerke, die unabhängig voneinander Orientierungsprozesse und exekutive Kontrolle leisten und mit parietalen bzw. präfrontalen Strukturen in Zusammenhang stehen. Inwieweit Anpassungen nach verschiedenen Interferenzen in unterschiedlichen Kontrollnetzwerken zu verorten sind, soll mit einer Kombination aus experimenteller Psychologie und neurowissenschaftlichen Techniken wie ereigniskorrelierten Hirnpotenzialen, funktioneller Magnetresonanztomographie und transkranieller Magnetstimulation - aufgeklärt werden.
Die Befunde der ersten Förderphase haben gezeigt, dass Anpassungsprozesse nach Konflikten nicht mit intentionaler Vorbereitung auf einen Konflikt gleichzusetzen sind. Darüber hinaus ziehen verschiedene Interferenztypen unterschiedliche Anpassungsprozesse nach sich. Die Annahme, dass Konfliktverarbeitung und -anpassung durch ein einheitliches exekutives Kontrollnetzwerk geleistet wird, kann demnach nicht mehr aufrechterhalten werden. In der zweiten Förderphase sollen daher die konstituierenden Faktoren von Konfliktverarbeitung und -anpassung anhand dreier Leitfragen näher spezifiziert werden.(1) Es soll geklärt werden, inwieweit Vorbereitung auf einen Konflikt als exekutiver Kontrollprozess von der Arbeitsgedächtnisbelastung abhängt, sequenzabhängige Anpassungsleistungen hingegen unabhängig von der Belastung exekutiver Kontrolle stattfinden und auf episodische Gedächtniseinflüsse zurückzuführen sind.(2) Da Konfliktverarbeitung auch vom Aufgabenkontext abhängt, soll der Einfluss von strategischen und motivationalen Faktoren betrachtet werden.(3) Unspezifisches Arousal führt zu größeren Interferenzeffekten. Wir werden untersuchen, ob dies auf Verstärkung der konfliktauslösenden Prozesse oder verminderter Konfliktkontrolle beruht.
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