Prof. Dr. phil. Werner Röcke
HU-FIS-Profil ↗Die Kategorie des Performativen bietet die Möglichkeit, die Inszenierung und Funktion von Lachen und Gelächter in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten vergleichend zu untersuchen. Das betrifft einerseits die Möglichkeit, gesellschaftliche, politische oder ideologische Interessen im exklusiven oder inklusiven Gelächter durchzusetzen; andererseits die Inszenierung von Narrenperformances, Narrengesellschaften oder Narrenfesten der Frühen Neuzeit, mit denen unterschiedliche Formen sozialer Selbstverständigung oder Positionierung erprobt werden konnten. In der nunmehr dritten Phase des Sfb 447 widmet sich das Projekt den sozialen Prozessen, die im gemeinsamen Gelächter angestoßen und entwickelt bzw. in Performances oder literarischen Texten inszeniert werden. CharivariLachkulturLaughterNarrenPerformanzperformativPerformativitätPerformanceSottieStaged LaughterTheatreWitzWitzkulturLachenKatja GvozdevaCultural PerformancesEarly Modern CommunitiesFacetiaeFacetienFarceFastnachtFastnachtspielJokeInszenierungHans VeltenGewaltGelächterMedieval LiteratureFrühe NeuzeitWerner RöckeMittelalter
Der 'Ring' des Heinrich Wittenwiler gilt als ein "Haupt- und Schlüsselwerk des Spätmittelalters" (U. Wehrli), der die Krise in Gesellschaft, Politik und Mentalität des spätmittelalterlichen Europas in groteske Bilder der Gewalt, des Krieges und der Destruktion vorgegebener Überzeugungen und Orientierungen übersetzt und für die Rekonstruktion der Brüche und Selbstverständigungskrisen im 15. Jahrhundert außerordentlich wichtig ist. Dieses Infragestellen überkommener "Weltbilder" und Mentalitäten äußert sich im 'Ring' in einer Sprachkunst, die zeitgenössisch - und wohl auch über das Spätmittelalter hinaus - ihresgleichen sucht. Die Übersetzung versucht Wittenwilers Lust an Sprachbildern, Katachresen, Sinndeformationen und grotesken Sprachbildern in ein modernes Deutsch zu übertragen, das die sprachlichen Paradoxien seiner Vorlage noch zu erkennen gibt. Ein ausführlicher Anmerkungsteil soll dazu verhelfen, die widersprüchlichen Sinndimensionen des Textes zu erschließen. Der frühneuhochdeutsche Text wird als diplomatischer Abdruck der Münchener Handschrift vorgelegt, ergänzt durch einen Paralleldruck von Wießners Ausgabe.
<p>Das Teilprojekt untersucht Konstruktion und Wandel kultureller Deutungsmuster, die in den Adaptionen des antiken Liebes- und Reiseromans entworfen werden. Dieser Romantyp ist dafür besonders geeignet, da er sich in Erzählstruktur und Figurengestaltung durch eine Dialogisierung und Entgrenzung der Überzeugungen und Weltbilder auszeichnet. Dies prägt auch seine Transformationen in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit, denn die Adaption des Erzähltyps bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Sinnorientierungen aufeinander zu beziehen und zu reflektieren. Dieser experimentelle Charakter der Adaption beruht auf dem besonderen Erzählmuster des antiken Liebes- und Reiseromans, das in der Aneignung weitgehend gleich geblieben ist. Es besteht aus einem fortwährenden Wechsel von Trennungen und Wiedervereinigungen eines Liebespaares oder einer Familie, dem erst mit einer letzten Anagnorisis (Wiedererkennung) ein Ende gesetzt wird. Verbunden ist dies mit je neuen Prüfungen ihrer Treue und der Bewährung ihrer Keuschheit angesichts zahlreicher Widerstände.</p><p>In den Adaptionen des Liebes- und Reiseromans in Spätantike, Mittelalter und Früher Neuzeit bleibt dieses Strukturmuster erhalten, wird zugleich aber mit anderen Problemstellungen und literarischen Formen verbunden. Das betrifft bereits die apokryphen Apostelakten und führt über hagiographische Literatur und Legendenromane des Mittelalters hin zur Renaissance des antiken Liebes- und Reiseromans im 16. Jahrhundert. Dabei werden etwa Fragen der religiösen Orientierung, der Legitimation von Herrschaft, des Konflikts zwischen subjektivem Liebesbegehren und gesellschaftlichen Verpflichtungen u.ä. verhandelt.</p><p>In der langen Dauer der Wirkungsgeschichte des Romantyps kann also eine Reihe von Transformationsstufen unterschieden werden, innerhalb derer das dynamische Erzählmodell des Romans jeweils unterschiedlich funktionalisiert wird. Dabei dient es schließlich auch zu unterschiedlichen Konstruktionen der Antike, die Rückschlüsse auf die jeweilige kulturelle Selbstdeutung geben. Dies betrifft insbesondere die Wiederentdeckung des antiken Romans ab dem 16. Jahrhundert: die Antike wird als fremde Epoche betrachtet, der antike Roman als wiederentdeckte Gattung für innovative Erzählweisen aufgegriffen.</p> IdentitätTransformationEarly Modern CommunityMedieval LiteratureExperimentSebastian MöckelJulia WeitbrechtWeltbildEntgrenzungAntiker RomanIdentityLiebesromanReiseromanMittelalterFrühe NeuzeitAnagnorisisLegendenWerner RöckeantiquityAntike
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