Prof. Dr. phil. Oliver Wilhelm
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt untersucht in drei Fragekomplexen individuelle Unterschiede in der Personenerkennung als Teilaspekt der Intelligenz und als Korrelat neurophysiologischer Parameter. Im ersten Komplex geht es um die Spezifität des Personengedächtnisses im Zusammenhang mit multivariat operationalisierten Intelligenzleistungen, indem diese Leistungen mit sich selbst, weiteren Gedächtnisleistungen, emotionalen Intelligenztests, perzeptuellen Denkleistungen und fluider und kristalliner Intelligenz in Zusammenhang gebracht werden. Der zweite Komplex befasst sich mit der neurophysiologischen Fundierung von Leistungen der Personenerkennung, indem gut untersuchte Parameter in ereigniskorrelierten hirnelektrischen Potentialen als Kennwerte für die Enkodierung und den Abruf von Gesichtern und Namen verwendet werden. Der dritte Komplex zielt auf die Überprüfung eines Strukturmodells des Personengedächtnisses unter Einbeziehung neurophysiologischer Parameter.
Drei Formen von Verlangsamung lassen sich in klassischen Konfliktparadigmen unterscheiden: erstens, Konfliktverlangsamung, eine Verlangsamung, die eintritt, wenn exekutive Aufmerksamkeit Denkabläufe kontrollieren muss, ist für eine Reihe von Anforderungen nachgewiesen. Zweitens, Kontextverlangsamung, der zusätzliche Zeitbedarf, der in konfliktträchtigen Durchgängen nachweisbar ist, wenn vorangegangene Durchgänge keine Konflikte im kognitiven System verursachten und drittens die Postfehlerverlangsamung, die Anpassung der Informationsverarbeitung nach Fehlern. Alle drei Phänomene sind denkpsychologisch intensiv erforscht. Differentiell ist über diese Formen der Verlangsamung nur sehr wenig bekannt. In diesem Projekt sollen interindividuelle Unterschiede in den Anpassungen des kognitiven Systems an die Verarbeitungsanforderungen bei den drei Formen von Verlangsamung untersucht werden. Neben der Kohärenz verschiedener Indikatoren einer Verlangsamung interessieren uns besonders die Korrelate solcher Kosten. Die Analysen sollen bei der kritischen Bewertung prominenter Theorien helfen, insbesondere der Theorie exekutiver Aufmerksamkeit und der Konfliktmonitoring-Hypothese. Zusätzlich sollen die Untersuchungen auch Hinweise über die Messung sowie die Antezedenzen und Konsequenzen konfliktentdeckender und konfliktlösender Denkleistungen liefern.
In diesem Forschungsprogramm soll untersucht werden, inwieweit sich die theoretischen Möglichkeiten von kognitiven Diagnosemodellen zur Modellierung von Daten aus kompetenzdiagnostischen Tests praktisch realisieren lassen. Dies soll auf der Basis von bereits bestehenden Testaufgaben für formative Evaluation geschehen, welche für das Fach Mathematik im Primärbereich im Sinne der länderübergreifenden Bildungsstandards entwickelt worden sind. Insbesondere sollen (a) detaillierte Klassifikationsanweisungen für diejenigen Kompetenzen, die von einer Testaufgabe aktiviert werden, mit großer Detailtiefe von Experten entwickelt werden, (b) diese Anweisungen auf standardisierte Testaufgaben angewandt werden, (c) mit Hilfe verschiedener kognitiver Diagnosemodelle komplexe Kompetenzprofile für Schülerinnen und Schüler anhand ihrer Antwortmuster für diese Aufgaben zugewiesen werden, (d) der Zusammenhang dieser Profile mit anderen diagnostischen Leistungsdaten in Bezug gesetzt werden, und (e) verschiedene computergestützte Rückmeldeformate für die Leistungsprofile entwickelt werden. Durch die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen insbesondere die Bedingungen verdeutlicht werden, unter denen kompetenzdiagnostische Rückmeldungen mit kognitiven Diagnosemodellen statistisch abgesichert werden können, so dass sie für standardisierte Testverfahren operativ eingesetzt werden können.
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