Prof. Dr. Cornelia Kristen
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt "Kompetenzerwerb und Lernvoraussetzungen" (KuL) setzte sich (...) mit der Interaktion zwischen Klassenlehrkräften und frisch eingeschulten Kindern im Grundschulkontext auseinander. (…) Dazu sollen schulische wie außerschulische Bedingungen berücksichtigt werden. Zu den außerschulischen Bedingungen zählen vielfältige individuelle Voraussetzungen, etwa die mit der sozialen Herkunft oder einem Zuwanderungshintergrund verbundene typische Ressourcenausstattung der Familien. Im schulischen Bereich richtet sich das Interesse auf die Interaktionen zwischen Kindern und Lehrkräften. Hier sind Aspekte wie Unterrichtsgestaltung, Aufgabenanleitung, Feedback, Beziehungsgestaltung zwischen Kind und Lehrkraft sowie Einschätzungen und Erwartungen der Lehrerschaft bedeutsam. Zur Untersuchung der ablaufenden Prozesse wurde das Unterrichtsgeschehen über eine Abfolge von verschiedenen Erhebungen an 39 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen nachgezeichnet. In Bezug auf die Erhebungen lassen sich drei Phasen unterscheiden. In der ersten Phase wurden mit Beginn des ersten Schuljahres telefonische Interviews mit den Eltern durchgeführt. Hierüber ließen sich die familiären Lernvoraussetzungen erfassen. Außerdem wurden fachspezifische Kompetenzen, motivationale Merkmale sowie kognitive Fähigkeiten der Kinder erhoben. Im Zuge dessen wurden auch die Lehrkräfte schriftlich befragt. Sie konnten an dieser Stelle ihre Erwartungen und Einschätzungen äußern. Im Rahmen der zweiten Phase (Mitte des Schuljahres) wurden ausgewählte Unterrichtsstunden gefilmt. In diesen konnte das Verhalten der Schulkinder und ihre Interaktion mit der Lehrkraft festgehalten werden. Ergänzend kamen in persönlichen Befragungen auch die Kinder zu Wort. Erhoben wurden die Motivation zum schulischen Lernen, das Fähigkeitsselbstkonzept und Wahrnehmungen der Interaktion mit der Lehrkraft. Schließlich wurden in der dritten Phase zum Ende des ersten Schuljahres die Fähigkeiten der Kinder sowie die Einschätzungen und Erwartungen der Lehrkräfte erneut erfasst. Auf diese Weise lassen sich Veränderungen im Zeitverlauf abbilden.
Das interdisziplinäre Projekt untersucht die Rolle sprachlicher Kompetenzen von Personen mit Zuwanderungshintergrund für ihre Sozialintegration im Aufnahmeland. Ausgehend von einer ressourcenorientierten Perspektive werden Sprachkenntnisse als eine wichtige Ressource für die Sozialintegration angesehen, insbesondere für die strukturelle Integration in das Bildungssystem. Während weitgehend Einigkeit darüber besteht, dass die Sprache des Aufnahmelandes (L2) für die Integration zentral ist, sind die Effekte der Sprache des Herkunftslandes (L1) umstritten. Im Mittelpunkt des Projekts steht die Analyse der Rolle der L1 und der L2 für den Bildungserfolg anhand von Daten des Nationalen Bildungspanels (NEPS). Im Kern geht es darum, Einflüsse der sprachlichen Kenntnisse von Personen mit Zuwanderungshintergrund auf verschiedene Aspekte ihrer Kompetenzentwicklung ebenso wie auf ihre Bildungsentscheidungen und die schließlich erreichten Bildungsabschlüsse zu untersuchen. Zudem werden die Folgen der sprachlichen Kompetenzen für andere Aspekte der Sozialintegration betrachtet: den Arbeitsmarkterfolg, das psychische Wohlbefinden und die soziale Anpassung sowie die kulturelle Identität. Im Rahmen von Analysen zu Determinanten der sprachlichen Kompetenzentwicklung in L1 und L2 auf unterschiedlichen Ebenen sollen im Projekt weiterhin die Prävalenz und die Effekte von Maßnahmen der Sprachförderung in L1 und L2 untersucht werden. Ein methodisches Anliegen, das für die Forschung zu Fragen der Integration von Zugewanderten allgemein relevant ist, besteht schließlich darin, alternative Messinstrumente zur Erfassung der L1 und L2 zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit sich selbstberichtete Einschätzungen mit objektiven Kompetenzmessungen decken.
Im Mittelpunkt der geplanten Fortführung unseres interdisziplinären Projekts steht die Auseinandersetzung mit der Rolle von Sprachkompetenzen und Sprachgebrauch in der Erst- (L1) und Zweitsprache (L2) für die Sozialintegration von Zuwanderer*innen und ihren Nachkommen im Aufnahmeland. Das fortgeschrittene Analysepotential der zukünftig verfügbaren Wellen der NEPS-Daten bildet hierfür die Grundlage. Ausgehend von einem allgemeinen Kapitalansatz lassen sich Sprachkompetenzen als zentrale Ressource für die Sozialintegration, insbesondere für die strukturelle Integration in das Bildungssystem auffassen. Während weitgehende Einigkeit darüber besteht, dass die Sprache des Aufnahmelandes (L2) eine Kernvoraussetzung der Integration bildet, ist die Bedeutung der Sprache des Herkunftslandes (L1) umstritten. Das Projekt widmet sich dieser Kontroverse und geht der Frage nach der Bedeutung der L1 und der L2 für den Bildungserfolg nach. In der ersten Förderphase konnten anhand der zur Verfügung stehenden Scientific Use Files die Zusammenhänge zwischen Sprachkompetenzen, Sprachgebrauch und einer Reihe von Indikatoren des schulischen Kompetenzerwerbs im Querschnitt analysiert werden. Im Laufe der zweiten Förderphase wird erstmals die Möglichkeit bestehen, den Forschungsfragen im Längsschnitt nachzugehen und dabei die zugrunde liegenden Prozesse genauer zu untersuchen. Für alle Startkohorten werden Daten von jeweils drei bis zu sieben Erhebungswellen verfügbar sein. Im Zentrum des Vorhabens steht auch in der zweiten Förderphase die Rolle der Sprache für die strukturelle Integration, wobei unter anderem der Transfer zwischen Kompetenzen in der L1 und in der L2 genauer untersucht werden soll. Dabei wird Fragen nach dem Einfluss der L1-Kenntnisse sowie des L1-Sprachgebrauchs auf die Kompetenzentwicklung, auf Bildungsentscheidungen und auf den Arbeitsmarkterfolg nachgegangen. Außerdem werden zusätzliche Dimensionen der Sozialintegration untersucht, insbesondere das Zusammenspiel von kultureller Identität und Sprachkompetenzen bzw. Sprachgebrauch für den Bildungserfolg, wobei gemeinsame und eigenständige Einflüsse betrachtet werden. Ein weiteres Anliegen besteht darin, Muster und Determinanten des Spracherwerbs und des Sprachgebrauchs insbesondere in wichtigen Phasen im Kindes- und Jugendalter zu analysieren. Es geht vor allem um die Frage, wie sich die sprachlichen Muster zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen, Generationen und Kohorten unterscheiden und mit welchen Bedingungen diese Disparitäten in Verbindung stehen. Zudem ist geplant, auf der Grundlage bisheriger Befunde zur eingeschränkten Validität selbstberichteter Sprachkompetenzen statistische Verfahren zur Korrektur der Verzerrung von Selbsteinschätzungen zu entwickeln.
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