Prof. Dr. Sylvia Sasse
HU-FIS-Profil ↗Das Ziel des Projekts ist es, die unterschiedlichen Konstruktionen und Funktionen einer Rede über die Mitte in der bosnischen Literatur zu analysieren. So produzieren literarische Texte aus Bosnien eine Mitte, indem sie eine ästhetische Ambi- und Polyvalenz mit dem gespaltenen Raum Bosniens verbinden. Diese poetische Mitte ist zugleich Kommentar und Antwort auf alle imaginären politischen und religiösen Konstruktionen des Balkans als Brücke und Mitte zwischen Okzident und Orient. Literarisch erscheint Bosnien als die Mitte verschiedener Welten aufgrund der Koppelung von intertextuellen Verweisen zur Literatur des Ostens und des Westens zugleich so wenn beispielsweise Goethe, Shakespeare, al-Mukaffa und Hafis aufgerufen werden, als Koppelung von orientalischen und westlichen Textformen (von Kasiden- und Divan-Dichtungsanleihen bis zu Elementen aus dem griechischen Drama) und von postmodernen Schreibweisen und arabischer Schachtelstruktur mit Lokalitäten, die diese Geteiltheit verdeutlichen (Dervisch-Klöster in Bosnien, Städte an zwei Ufern eines reißenden Flusses, Sarajevo mit seinen Kirchen, Moscheen und Synagogen).
Gegenstand des Projektes sind Theorien und Experimente in der russischen und sowjetischen Moderne, die die unmittelbare Wirkung von (künstlerischer) Sprache und die Möglichkeit einer Übertragung von Gedanken erforscht und behauptet haben.Ausgerichtet ist das Projekt explizit auf jene Theorien und Experimente, die im Schnittpunkt von künstlerischer Theorie und Praxis und physikalischer, biologischer, physiologischer und psychologischer Forschung entwickelt worden sind. Die Perspektive ist somit eine doppelte: Einerseits soll untersucht werden, wie Erkenntnisse aus den Naturwissenschaften die künstlerische Praxis und Forschung bestimmt haben, insbesondere das Wissen über ästhetische Reize und Reaktionen (u.a. bei Tolstoj, Gorkij, Mejerchold, Evreinov, Belyj, Florenskij, Luna arskij, Vygotskij, jzen tejn). Andererseits soll analysiert werden, welche Rolle Sprache und Gedanken in Experimenten der naturwissenschaftlichen Forscher, in der Physik, Psychologie und Physiologie gespielt haben (u.a. bei Kotik, Bechterev, Pavlov, Vygotskij, Kainskij, Guljaev). Die Untersuchung verfolgt dabei zwei miteinander verknüpfte Ziele: Sie soll erstens einen Beitrag leisten zur Erforschung der Wissensgeschichte von Wirkungs- und Rezeptionsprozessen. Zweitens soll analysiert werden, wie die entwickelten Wirkungs- und Rezeptionskonzepte nach der russischen Revolution Teil eines entweder politisch ideologischen oder subversiven Programms geworden sind.
Noch keine Publikationen aus OpenAlex zugeordnet.