PD Dr. Darja Šterbenc Erker
HU-FIS-Profil ↗Das Geschlecht ist keine anthropologische Konstante, welche immer gleich bleibt, sondern wird in jeder Gesellschaft und Kultur neu definiert und mit unterschiedlichen Bedeutungen besetzt. Nicht nur in verschiedenen Kulturen und historischen Epochen weisen die Frauen- und Männerrollen verschiedene Merkmale auf, insbesondere in antiken literarischen Texten zeigt sich das Geschlecht als eine fluide Kategorie. Die internationale Tagung und der Tagungsband widmen sich dem Wandel der Frauenbilder in der Antike und ihrer Rezeption im letzten Jahrhundert. Die Autorinnen arbeiten heraus, mit welchen Bedeutungen die Frauen- oder Männerbilder in verschiedenen Texten besetzt werden und wie antike und moderne Autoren (darunter Filmregisseure) sie umformen. Dabei zeigt sich nicht das biologische Geschlecht als maßgebend für die geschlechtliche Identität literarischer Figuren, sondern ihr Handeln und Reflektieren, welche mit ihrer sozialen Rolle korrespondieren oder sie kontrakarieren. Die Inversionen von Rollen und das Überschreiten der sozialen, politischen und religiösen Grenzen weisen stets geschlechtsspezifische Komponenten auf, welche die Aufsätze in diesem Band untersuchen. Einige Beiträge zeigen, dass die Geschlechtsidentität weder eindeutig noch aus der binären Opposition Mann/Frau abzulesen ist, sondern im Spannungsfeld zwischen diesen bei- den Polen angesiedelt ist und stetem Wandel unterliegt.
Im Projekt werden literarische Bilder augusteischer Religion in Ovids Fasti vor dem Hintergrund des historischen Wandels der Religion analysiert. Die augusteische Erneuerung der Rituale wird untersucht, um herauszuarbeiten, ob Augustus' Restauration aufgrund des tatsächlichen Religionsverfalls stattfand oder ob der Prinzeps durch die religiöse Restauration seine politische Macht und Sonderstellung durch Verweis auf seine Priorität in der Kommunikation mit den Göttern legitimierte. Ein wichtiges Medium der religiösen Selbstdarstellung des Augustus waren öffentlich inszenierte Rituale; in dieser symbolischen Kommunikation mit den Göttern und den römischen Bürgern war der Prinzeps stets bemüht, positiven Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen und seine Person als von den Göttern für seine politisch herausragende Rolle auserwählt darzustellen. Augustus' Performanz der neuen oder erweiterten traditionellen Rituale und Feste wirkte sich auf die Literatur aus und regte die literarischen Ritualschilderungen und die aitiologischen Erläuterungen durch Rekurs auf die mythisch-historische Vergangenheit in der augusteischen Literatur an. Im Mittelpunkt des Projektes werden die literarischen Darstellungen von den Ritualaufführungen des Augustus stehen. Somit wird eine Neubewertung der augusteischen Religion angestrebt, in der die theatralisch inszenierten Rituale zusammen mit ihren Aitiologien als zwei bedeutende Medien der religiösen Herrscherlegitimierung fungieren. Darüber hinaus werden die religiös konnotierten Zeichen (prodigia, mirabilia) und Legenden (Gottesnähe und Gottesbeistand) als eine weitere Dimension der religiösen Legitimierung der Sonderposition des Prinzeps untersucht. Es wird herausgearbeitet, wie Ovid in den Fasti die verschiedenen Strategien von Augustus' religiöser Herrschaftslegitimierung poetisch beschreibt, indem er über die augusteischen Diskurse über Gottesnähe, göttlichen Beistand, göttliche Vorzeichen, religiöse Tradition, Religionskritik, neue Feste, Rituale, Tempel und Gottheiten reflektiert. Ziel ist es, durch eine Verbindung von religions- und literaturwissen¬schaftlicher Methodik die religiöse Machtsicherung des Augustus im Spiegelbild von Ovids Fasti zu analysieren. Es werden systematisch die religiösen Leitmotive in den Fasti herausgearbeitet und ihre Bezüge zu den traditionellen und augusteischen Festen beleuchtet. Dabei werden sowohl die Prätexte von Ovids Fasti als auch spätere Texte verschiedener literarischer Gattungen (Historiographie, antiquarische Literatur, Biographie), in denen Augustus' religiöse Selbstdarstellung thematisiert wird, herangezogen, um herauszuarbeiten, wie die individuellen Perspektiven einzelner antiker Autoren, die Gattungskonventionen und narratologischen Zusammenhänge das Bild von Augustus' Religion prägen und modifizieren.
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