Prof. Dr. Katharina Spalek
HU-FIS-Profil ↗Wie Sprecher auf Wörter in ihrem mentalen Lexikon zugreifen, ist von zentraler Bedeutung in der Psycholinguistik. Laut lange vorherrschender Meinung ist lexikalischer Zugriff ein Wettbewerb: Möchte ein Sprecher „Apfel“ sagen, so werden auch Repräsentationen von „Banane“ und „Kirsche“ aktiv und wetteifern um die Selektion. Die Evidenz hierfür stammt vor allem aus Bild-Wort-Interferenz-Experimenten, in denen Sprecher Bilder benennen, während sie versuchen, überlagerte Wörter zu ignorieren. Semantische Verwandtschaft zwischen Bild und Wort verlangsamt die Antwortzeiten. In den letzten Jahren wurde die Hypothese lexikalischen Wettbewerbs durch eine Reihe experimenteller Befunde in Frage gestellt. Der alternative, in der sogenannten Antwort-Ausschluss-Hypothese formulierte Vorschlag besagt, dass lexikalischer Zugriff konfliktfrei sei, aber dass in einem präartikulatorischen Antwortspeicher Konflikte auftreten könne. Das hier vorgestellte Projekt soll diese zwei theoretischen Positionen systematisch evaluieren. Sowohl Bild-Wort-Interferenz- als auch klassische Stroop-Aufgaben sind geplant. Damit bringen wir zwei Bereiche kognitiver Forschung zusammen, die sonst getrennt betrachtet werden. Ein weiteres Experiment wird fMRT verwenden, um Hirnaktivität während der Sprachplanung zu untersuchen.
An Wortspielen scheiden sich die Geister, manche lieben sie, während andere sie albern finden. Im Rahmen der Anschubfinanzierung teste ich eine Hypothese darüber, woher diese individuellen Unterschiede stammen. Wortspiele beruhen auf Homonymie: Sie verwenden Wörter, die zwei Bedeutungen haben, und deren zweite Bedeutung eine Neuinterpretation des sprachlichen Materials erzwingt. Wir wissen, dass es auch große individuelle Unterschiede gibt, wie gut man von einer Bedeutung eines Homonyms auf die andere umschalten kann. Es gibt Menschen, die große Probleme haben, zu erkennen, dass Ton ein Material sein kann, wenn sie gerade an den Ton in der Musik denken. Ich werde ein psycholinguistisches Primingexperiment durchführen, in dem genau diese Fähigkeit getestet wird. Die Daten aus diesem Experiment werde ich mit den Ergebnissen eines Fragebogens korrelieren, in dem die subjektive Wertschätzung einer Menge von Witzen (Wortspielen und anderen) erhoben wird. Darüber hinaus werde ich die Fragebogendaten mit anderen Variablen korrelieren, die ebenfalls Einfluss auf den Witzgenuss haben könnten. Ich verwende behaviorale psycholinguistische Experimente und psychologische Testverfahren, deren Ergebnisse im Rahmen einer Regressionsstudie analysiert werden sollen. Witze sind eine äußerst geeignete sprachliche Form zur Untersuchung von Kognition und Emotion, da zum Verstehen von Witzen kognitive Fähigkeiten nötig sind, während der Spaß am Witz positive Emotionen hervorruft.
Komische Sprach- und Darstellungskunst zielt auf Lachen und Erheiterung des Publikums. Gleiches gilt für die kleine Form des Witzes. Das Lachen und die einhergehenden Körper- und Hirnreaktionen nach dem Verstehen einer Pointe lassen sich empirisch beobachten und messen. Neben der aus der Aufklärung eines semantischen Widerspruchs resultierenden Pointe, die gleichermaßen Alltagswitze wie literarische Formen der Komik vom Gedicht bis zu abendfüllenden Komödien kennzeichnet, gibt es weitere Faktoren, die zur Heiterkeit beitragen. Wir vermuten einen Zusammenhang zwischen der Stärke der ausgelösten Lach- und Heiterkeitsreaktion mit (mindestens) zwei emotionalen und sprachlichen Rahmenbedingungen: Erstens der Vorbereitung der Pointe durch (positive oder negative) Emotionen; zweitens der sprachlichen Formung des Witzes bzw. des komischen Gedichts oder der komischen Szene.Die Wirkungsweise dieser Einbettungen von sprachlich erzeugtem Lachen und Heiterkeit möchten wir in zwei Experimenten untersuchen. In den experimentellen Situationen werden wir uns an hämodynamischen Maßen orientieren, vor allem an der Stärke der Aktivierung im Belohnungszentrum des Gehirns (mesolimbische Areale, vor allem Hypothalamus, Amygdala, Nucleus accumbens, Nucleus caudatus und Putamen).Das Projekt möchte durch die Kooperation eines Literaturwissenschaftlers und einer Psycholinguistin die kaum erforschte Produktion positiver Emotionen durch komische Textformen und variierende Emotionsverläufe experimentell untersuchen. Verfügt ästhetisch geformte Sprache über ein nachhaltigeres Erheiterungspotential als simple Witze? Bewirkt die Einbettung komischer Sprachereignisse in einen traurigen Kontext größere oder geringere Erheiterung im Vergleich mit einer Einbettung in weitere komische Ereignisse? Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden dem Verständnis literarischer Gattungen, ästhetischer Rezeptionsprozesse und neuropsychologischer Emotionsabläufe dienen.
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