Prof. Keil erforscht gegenwärtig grundlegende Fragen der praktischen Philosophie: Wie entstehen tiefe Meinungsverschiedenheiten in der Gesellschaft, und wie können Institutionen wie Universitäten verantwortungsvoll damit umgehen? Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Frage, welche Kriterien für die Einladung von Sprechern an Hochschulen gelten sollten — ein Problem, das Fragen von Redefreiheit, Expertise und sozialer Verantwortung verbindet. Daneben arbeitet er an einer philosophischen Anthropologie, die untersucht, was den Menschen auszeichnet und wie sich diese Frage wissenschaftlich und philosophisch klären lässt. Seine Arbeiten adressieren öffentliche Debatten zu Fake News, künstlicher Intelligenz, Vertrauen und Freiheit — Themen, die für Organisationen relevant sind, die mit Fragen von Governance, Wissensmanagement und institutioneller Glaubwürdigkeit befasst sind.
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Prof. Dr. Geert Keil
HU-FIS-Profil ↗Förderer: Volkswagen Stiftung Zeitraum: 05/2010 - 05/2013 Projektleitung: Prof. Dr. Geert Keil
Förderer: Volkswagen Stiftung Zeitraum: 04/2014 - 11/2017 Projektleitung: Prof. Dr. Geert Keil
Förderer: Fritz Thyssen Stiftung Zeitraum: 12/2014 - 03/2015 Projektleitung: Prof. Dr. Geert Keil
J.B. Metzler eBooks · DOI
Das Werk A.s steht im Zeichen der entschiedenen Abwehr skeptischer und relativistischer Angriffe auf die universalen Ansprüche vernünftigen Argumentierens. Seine »transzendentale Sprachpragmatik« versteht A. als eine Erneuerung der Kantischen Transzendentalphilosophie. Im Zuge der sprachkritischen Wende der Gegenwartsphilosophie — Kant habe durch die Sprachvermittlung des Erkennens noch »wie durch Glas hindurchgesehen« — soll der »höchste Punkt« der transzendentalen Reflexion Kants ersetzt werden: An die Stelle des »›Ich denke‹, das alle meine Vorstellungen muß begleiten können«, tritt die Situation des vernünftig Argumentierenden, der als Angehöriger einer unbegrenzten Kommunikationsgemeinschaft für das von ihm Behauptete allgemeine Geltung beansprucht. Die »letztbegründeten« Regeln des Argumentierens sollen als unhintergehbare Voraussetzung aller unserer kognitiven Tätigkeit erwiesen werden.
Thema der Arbeit ist die Frage, ob eine naturalistische Revolutionierung unseres Selbstverständnisses sprachlich möglich ist. Nach der sprachlichen Möglichkeit wird gefragt, weil nach dem linguistic turn kein Naturalisierungsprogramm ohne den Anspruch auskommt, dass eine Reduktion, Elimination oder Uminterpretation bestimmter Diskurse über den Menschen möglich sei: Die Diskurse über den Menschen sollen an den naturalistischen Diskurs assimiliert werden. Wodurch dieser sich auszeichnet, ist nicht einfach zu bestimmen, doch ist die Intuition nicht von der Hand zu weisen, dass wir über Erfahrungen, die unser Selbstverständnis als denkende und handelnde Subjekte betreffen, in einer ‚anderen Sprache‘, zumindest in anderen Begriffen reden als über Naturdinge. Bei dieser Dualisierung spielt unser intentionalistisches Idiom, also unsere Rede von Wünschen, Überzeugungen, Absichten etc. die entscheidende Rolle. Der naturalistische Diskurs über den Menschen lässt sich in erster Linie negativ bestimmen: durch die Abwesenheit intentionaler Begriffe. In der Auseinandersetzung mit dem Naturalismus werden drei Diskussionsstränge zusammengeführt, die bisher nicht systematisch aufeinander bezogen worden sind. Ausgebend von einer kritischen Darstellung einflussreicher naturalistischer Positionen der Gegenwart und ihrer begrifflichen Konflikte wird die sprachendualistische Gegenstrategie vorgestellt, die dem Naturalismus eine kategorienfehlerhafte Verletzung von Diskursgrenzen vorwirft. Diese Auseinandersetzung mündet in eine Diskussion über die kognitive Funktion von Metaphern, die die vom Sprachendualismus aufgestellten Diskursgrenzen überschreiten. Der sprachendualistischen Intuition steht bei näherer Betrachtung eine zweifache Komplizierung entgegen, die man das „anthropomorph-physiomorphe Paradox“ nennen kann, das Paradox von anthropomorphem Naturverständnis und physiomorphem (oder naturalistischem) Selbstverständnis des Menschen. Es ist vielfach aufgewiesen worden, dass wir einerseits oft in anthropomorpher Weise über Naturdinge reden, andererseits in physiomorpher Weise über uns selbst und unsere mentalen Prozesse. Dieses Wechselspiel von Projektionen ist in unser Selbst- und Naturverständnis zu tief eingelassen, als dass man einen der beiden Züge einfach sprach-, metaphysik- oder ideologiekritisch verbieten könnte. In der Arbeit wird die Überzeugung vertreten, dass sich dieses Syndrom von Anthropomorphismus und Physiomorphismus nur aufklären lässt, wenn man das Naturalismusthema mit dem Sprachendualismusthema und dem Metaphernthema systematisch zusammenführt und sie ineinander verschränkt. Das Hauptergebnis der Arbeit besteht in dem Nachweis, dass die verschiedenen Naturalisierungsprojekte, ob reduktiv oder eliminativ, jeweils in einem angebbaren Punkt ihre Grenze finden. Dieser Punkt ist das intentionale Idiom, in dem sich unser Verständnis menschlicher Handlungen ausdrückt. Dieses Idiom scheint so universal in die Diskurse der Humanwissenschaften auszustrahlen, dass Naturalisten immer wieder auf das Konzept der Handlungsintentionalität zurückgreifen, meist in metaphorischer Form.
Vittorio Klostermann eBooks · DOI
Wenn wir handeln, greifen wir in den Lauf der Welt ein und führen Veränderungen herbei, von denen wir zu Recht denken, daß sie nicht eingetreten wären, hätten wir nicht eingegriffen. Durch menschliche Eingriffe herbeigeführte Veränderungen machen aber nur einen kleinen Teil dessen aus, was in der Welt geschieht. Der größere Teil geschieht ohne unser Zutun. Beide Arten von Geschehnissen werden sowohl alltagssprachlich wie philosophisch in kausalem Vokabular beschrieben. Handelnde werden als kausale Urheber eines Geschehens verstanden; zugleich sind die mit Handlungen einhergehenden Körperbewegungen kausal in natürliche Verläufe eingebettet: sie haben Ursachen und Wirkungen. -/- Die Studie versteht sich als Beitrag zu einer deskriptiven Metaphysik des Kausal- und des Handlungsbegriffes anhand einer Gegenüberstellung von kausaler Handlungstheorie und Handlungstheorie der Kausalität. Der Neuansatz besteht darin, das Verhältnis von Kausalitäts- und Handlungsbegriff konsequent als eine Gleichung mit zwei Unbekannten zu behandeln. -/- Die Untersuchung besteht aus drei Teilen. Der erste Teil dient einer Darstellung und Kritik der kausalen Handlungstheorie, welche den Kausalbegriff zur Analyse des Handlungsbegriffs verwendet. Ihr zufolge sind Handlungen Körperbewegungen, die sich durch eine besondere kausale Genese auszeichnen. Es zeigt sich, daß eine sachgerechte Lösung der internen Probleme dieser Theorie schlecht mit dem weithin akzeptierten Prinzip vom nomologischen Charakter der Kausalität vereinbar ist. Die Auseinandersetzung mit diesem Prinzip steht im Zentrum des zweiten, kausalitätstheoretischen Teils des Buches. Nancy Cartwright vertritt die These, daß es die strikten empirischen Sukzessionsgesetze, die die nomologische Kausalitätsauffassung erfordert, nicht gibt. Diese These wird ausführlich gegen Einwände aus der Wissenschaftstheorie verteidigt. Es entsteht ein kausalitätstheoretisches Vakuum, dessen Auffüllung der dritte Teil dient. Hier wird der kausalen Handlungstheorie eine Theorie der Kausalität gegenübergestellt, die das Explikationsverhältnis von „handeln“ und „verursachen“ umkehrt: die interventionistische Theorie der Kausalität, derzufolge der gewöhnliche Kausalitätsbegriff nicht erläutert werden kann, ohne den Begriff des absichtlichen Eingreifens in natürliche Verläufe ins Spiel zu bringen. Vorliegende Versionen dieser Theorie sind allerdings von schwerwiegenden Einwänden betroffen (Zirkularität, Anthropomorphismus). Um sie zu entkräften, muß die interventionistische Theorie in der richtigen Weise mit der kontrafaktischen Theorie der Kausalität kombiniert werden. Nur so läßt sich ein begrifflicher Rahmen aufspannen, in dem die durch menschliches Zutun und die ohne menschliches Zutun geschehenden Veränderungen in der Körperwelt gleichermaßen Platz finden, ohne daß neben der gewöhnlichen Ereigniskausalität eine zweite Art von Verursachung („Akteurskausalität“, „Kausalität aus Freiheit“) angenommen werden muß.