Dr. Holger Straßheim
HU-FIS-Profil ↗Derzeit fehlen politikfeldvergleichende Untersuchungen darüber, was aus Sicht von Regierungs- und Verwaltungsorganisationen die Kriterien der erfolgreichen „Übersetzung“ von Politikberatung in Entscheidungen sind. Unklar ist zudem, mit welchen Wissenskonflikten politisch-administrative Akteure angesichts komplexer Problemlagen konfrontiert sind und wie sie damit umgehen. Ziel des Projektes ist es daher, erstmalig auf der Grundlage einer Umfrage und in Experteninterviews zu untersuchen, ob Standards der Übersetzung von Expertise in politisch relevantes Entscheidungs- und Regulierungswissen identifiziert werden können. Des Weiteren sollen Akteurskonstellationen und Wissenskonflikte in der Politikberatung rekonstruiert sowie Verfahren der öffentlichen Legitimation im Spannungsfeld von Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft erschlossen werden. Die Untersuchung konzentriert sich auf ausgewählte Organisationen der Exekutive in zwei durch „wicked problems“ gekennzeichneten Politikfeldern (Klima- und Energiepolitik, Verbraucherschutz). Im Projekt sollen Praktiken und ggfs. Standards erfolgreicher Expertise identifiziert werden. Zudem sollen in der Kooperation zwischen HU und WZB Infrastrukturen für spätere Untersuchungen aufgebaut werden, die den Fokus dann auf weitere Politikfelder ausdehnen könnten.
Zwischen der Klima-, Energie-, Verkehrs- und Verbraucherpolitik bestehen zunehmend Wechselwirkungen. Seit dem Weltwirtschaftsforum 2011 wird der Nexus zwischen Politikfeldern als zentrale gesellschaftliche Herausforderung begriffen. Im Nexus sind Akteure mit komplexen Wissens- und Koordinierungsproblemen konfrontiert. Seit einigen Jahren beobachten wir jedoch auch neuartige Formen der Abstimmung zwischen wissenschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, etwa durch Trialoge oder interaktive Assessments. Dort geht es darum, den Herausforderungen des Nexus durch wissenschaftlich valides und zugleich politisch anwendbares Wissen zu begegnen. Im Zentrum des Projekts steht die vergleichende Analyse solcher Formen von Expertise im Nexus. Auf der Grundlage von Netzwerkanalysen und Interviews werden im Projekt zwei Ziele verfolgt: Erstens soll die in Deutschland bestehende Nexus-Expertise mit ihren jeweiligen Organisationsprinzipien, Zielen und Beziehungsstrukturen in Form einer Nexuskartographie erfasst werden. Zweitens sollen auf dieser Grundlage und anhand ausgewählter Fallstudien Erkenntnisse über die für unterschiedliche Expertiseformen jeweils spezifischen Ausprägungen von Nexusfähigkeiten („nexus capabilities“) gewonnen werden. Die Ergebnisse sind für die Expertiseforschung wie auch für die Policy- und Governanceforschung von Bedeutung. Zugleich dient das Projekt der Entwicklung einer praxistauglichen Nexusmethodologie, die für Expertise im Nexus unterschiedliche Organisations- und Entwicklungsmöglichkeiten ausweist und systematisch mit den jeweils zu erwartenden Nexusfähigkeiten, aber auch Nexusproblemen und Nichtwissensbereichen verbindet.
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