Monika Reißmann
HU-FIS-Profil ↗Durch den wachsenden Einsatz der künstlichen Besamung in der modernen Tierproduktion wird eine immer schärfere Auswahl der Vatertiere möglich und notwendig. In diesem Zusammenhang gilt es, Methoden zu entwickeln, die eine solche Selektion sicher, frühzeitig, schnell und kostengünstig unterstützen. In diesem Teilprojekt sollen dazu bei hinsichtlich ihrer Befruchtungsleistung extrem unterschiedlichen Besamungsebern verschiedene Gene, die eng mit dem Fruchtbarkeitsgeschehen verbunden sind, auf Mutationen untersucht werden. Die daraus abgeleiteten Gentests bilden in einer umfangreicheren Population die Grundlage für eine Analyse der Beziehungen zwischen differenzierten Reproduktionsleistungen und Haplotypen. Die Resultate aller Teilprojekte sollen letztendlich in die Erarbeitung eines biotechnologischen Verfahrens zur Charakterisierung der Reproduktionsleistung von Besamungsebern münden.
Trotz der großen Bedeutung des Pferdes in unserer Gesellschaft existieren noch viele Fragen zu seiner Abstammung und Domestikation. Mit Hilfe von DNA-Analysen bei Wildpferden des Holozäns/Pleistozäns und rezenten, domestizierten Pferden soll daher versucht werden, neue Erkenntnisse zu den möglichen Stammformen des Pferdes, dem Zeitpunkt und Ort seiner Domestikation sowie Markern zur Trennung von Wild- und Hauspferden zu finden. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes ist die enge Verknüpfung mit den Kompetenzen der Archäozoologie und Evolutionsbiologie (Prof. Benecke, Deutsches Archäologisches Institut; Prof. Hofreiter, MPI für Evolutionäre Anthropologie; Dr. Ludwig, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung).
Der Kabardiner stellt eine alte Pferderasse dar, die in der Tradition und nach den Erfordernissen des Nordkaukasus gezüchtet wurde. Er ist für seine Robustheit und Ausdauer sowie für sein Durchhaltevermögen bei Distanzritten bekannt. Nach den politischen Veränderungen in der Sowjetunion, erlebte diese Rasse einen drastischen Einbruch. Nun erlebt diese Rasse jedoch eine Wiedergeburt sowohl als unkompliziertes, charaktervolles Pferd für Arbeit und Freizeit als auch als kulturelles Erbe. Moderne Zuchtstrategien und molekulargenetische Analysen können helfen, den Untergang des Kabardiners zu verhindern, ihn zu konsolidieren und letztendlich zu verbessern. Das Projekt umfasst drei Teile:- Mikrosatellitenanalyse und mtDNA-Sequenzierung für die Vaterschaftsbestimmung, die Untergliederung in Linien, die Erfassung der genetischen Diversität und den genetischen Vergleich mit anderen Rassen,- genomweites Screening mit einem Equine SNP Chip und Sequenzierung verschiedener Kandidatengene bei Pferden mit unterschiedlichen genetischen Veranlagungen für das Auffinden von QTL bzw. leistungsassoziierten Mutationen,- Entwicklung eines modernen Zuchtkonzeptes einschließlich Vaterschafts- und Leistungstests, einer optimalen Selektionsstrategie mit dem Ziel der Konservierung als besondere Rasse und dem Erhalt ihrer genetischen Vielfalt sowie die Schaffung einer elektronischen Datenbank für die Sammlung der phänotypischen Daten und genetischen Marker.Die Staatliche Universität von Kabardino-Balkarien soll mit diesem Projekt in ihren Anstrengungen unterstützt werden, ein offizielles Institut für genetische Forschung zu etablieren, und die Zuchtarbeit des Kabardiners in der Zukunft wissenschaftlich zu begleiten.
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