PD Dr. phil. Gabriele Dietze
HU-FIS-Profil ↗In Debatten um 'Parallelgesellschaften', Integrationspolitiken und die 'Demokratietauglichkeit' von ImmigrantInnen aktualisieren sich nicht nur Ängste vor 'Überfremdung', sondern die Beschreibungen des 'Fremden' dienen auch einer Absicherung und Neukonstruktion des (unausgesprochenen) 'Eigenen'. Das legt theoretisch eine Bezugnahme auf den Begriff 'Orientalismus' (Edward Said) nahe, der Konzepte eines orientalischen 'Anderen' als Konstruktionen kolonialer Überlegenheit analysiert hat. Angesichts von gegenwärtigen 'Cultural Wars' gegenüber muslimischen und anderen als 'fremd' identifizierten ImmigrantInnen in europäischen Einwanderungsländern kann von einem Neo-Orientalismus gesprochen werden. Dieser steht im Zusammenhang mit Euro- und Ethnozentrismus, der in postkolonialen Theorien auch 'Okzidentalismus' (Fernando Coronil) genannt wird. Die Tagung will sich mit einer Neukonstruktion von 'Abendländischkeit' im Sinne eines 'kritischen Okzidentalismus' befassen. Diese neue Okzidentalität wird über angeblich unüberbrückbare kulturelle 'Differenz' argumentiert, die sich vorwiegend in geschlechts- und sexualpolitischen Feldern (Patriarchat, Kopftuch, Zwangsheirat) manifestieren soll. Die Konferenz wird sich dementsprechend um einen Transfer genderkritischer postkolonialer Theorie auf deutsche/europäische Verhältnisse bemühen. Ziel des Unternehmens ist es, anhand dreier thematischer Schwerpunkte (Wissen - Glaube - Geschlecht, Hegemoniekritische Theorien im Dialog sowie Kritischer Okzidentalismus) über eine hegemonie(selbst)kritische Dezentrierung von Okzidentalität Wege zu einer Unterbrechung der Konstruktion des 'Eigenen' am 'Anderen' zu diskutieren.
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