Prof. Ritter erforscht derzeit die räumliche Marktintegration und Preisbildung auf landwirtschaftlichen Bodenmärkten — konkret, wie sich Bodenpreise räumlich ausbreiten und ob traditionelle ökonomische Konzepte wie das Gesetz des einheitlichen Preises die Effizienz dieser Märkte erklären. Parallel untersucht er das Potenzial dezentraler Windenergieerzeugung in urbanen Dichtgebieten (Fallstudie Gaza-Stadt), um Energieversorgung zu stabilisieren und Netzausfälle zu reduzieren. Für die Industrie und öffentliche Hand relevant sind daraus Erkenntnisse zur Bodenmarkt-Transparenz und Preisvorhersage sowie zur Machbarkeit von Kleinwindanlagen auf städtischen Gebäuden als dezentrale Energiequelle.
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Prof. Dr. Matthias Ritter
HU-FIS-Profil ↗In diesem Transferprojekt geht es um eine Modellanwendung der Risikomanagement-Instrumente, die im SFB 649 „Ökonomisches Risiko“ entwickelt wurden, im Bereich der Windenergie. Zuerst soll der Windenergie-Index weiterentwickelt und für aktuelle Fragestellungen wie lokale Einspeisevergütungen oder die Bewertung von Windparks verwendet werden. Des Weiteren planen wir, die Realisierung der Netzstabilität mit einem Modell für die Vorhersage der Windenergie-Volatilität zu unterstützen und wetterbedingte Produktionseinbußen mit Windderivaten abzusichern. Schließlich wollen wir die Effizienz von Windkraftanlagen genauer untersuchen, um gezielte technische Verbesserungen zu ermöglichen.
Das Projekt soll einen Beitrag zu einer stabileren, dezentralen Energieerzeugung in Gaza-Stadt liefern, um die starke Nachfrage nach Energie zu bedienen, die Zahl der Netzausfälle zu senken und die Konsequenzen von Blackouts abzumildern. Hierfür soll anhand von Windsensoren ermittelt werden, inwieweit die Flachdächer von Gaza-Stadt als Standort für Kleinwindanlagen geeignet sind. Das wissenschaftliche Hauptziel des Forschungsprojektes ist die Analyse der Windenergienutzung in dicht besiedelten Stadtgebieten anhand einer messungsbasierten Studie. Des Weiteren sollen Handlungsempfehlungen für die Windenergienutzung in Stadtgebieten entwickelt werden, die aus den realen Messungen in verschiedenen Höhen in Gaza-Stadt abgeleitet werden. Schließlich soll der Einsatz einer kleinen Windkraftanlage in relativ hoher Höhe über einem Wohngebäude evaluiert werden.
Renewable and Sustainable Energy Reviews · DOI
Applied Energy · DOI
Energies · DOI
In this paper, we conduct a feasibility study of the wind energy potential in Gaza, which suffers from a severe shortage of energy supplies. Our calculated energy harvested from the wind is based on data for a typical meteorological year, which are fed into a small wind turbine of 5 kW power rating installable on the roof of residential buildings. The expected annual energy output at a height of 10 m amounts to 2695 kWh, but it can be increased by 35–125% at higher altitudes between 20 m and 70 m. The results also depict the great potential of wind energy to complement other renewable resources such as solar energy: the harvested energy of a wind system constitutes to up to 84% of the annual output of an equivalent power rating photovoltaic system and even outperforms the solar energy in the winter months. We also show that one wind turbine and one comparable photovoltaic system together could provide enough energy for 3.7 households. Hence, a combination of wind and solar energy could stabilize the decentralized energy production in Gaza. This is very important in a region where people seek to reach energy self-sufficient buildings due to the severe electricity shortage in the local grid.
Dieses Teilprojekt der Forschergruppe untersucht empirisch die räumliche Ausbreitung von Preisen auf landwirtschaftlichen Bodenmärkten. Dabei übernehmen wir die Idee der räumlichen Marktintegration von Rohstoffpreisen und hinterfragen, ob traditionelle Konzepte wie das „Gesetz des einheitlichen Preises“ hilfreich sind, die ökonomische Effizienz von Bodenmärkten zu untersuchen. Außerdem zielen wir auf ein besseres Verständnis der räumlichen Unterschiede auf Bodenmärkten ab, indem wir Modelle der ökonomischen Geografie übertragen und nutzen. Somit liefern unsere Ergebnisse Einblicke in bestehende Marktrigiditäten und einen möglichen Regulierungsbedarf auf Bodenmärkten. Insbesondere beschäftigen wir uns mit den folgenden Fragen und Zielen:a) Kann das Konzept der räumlichen Marktintegration auf landwirtschaftliche Bodenmärkte übertragen werden? Wir untersuchen die theoretischen Voraussetzungen für das Gesetz des einheitlichen Preises und untersuchen die Auswirkungen im Hinblick auf landwirtschaftliche Bodenmärkte. Zusammen mit Teilprojekt 7 übertragen wir Konzepte der ökonomischen Geografie, um das Auftreten mehrerer räumlicher Gleichgewichte zu erklären.b) Wie können Konvergenzclubs für Bodenpreise identifiziert werden? Unter Verwendung verschiedener räumlich-zeitlicher Preisdiffusionsmodelle identifizieren wir Regionen mit ähnlicher Preisdynamik und untersuchen, in welchem Maße diese regionalen Märkte räumlich integriert sind. Die empirische Analyse wird für Deutschland und Tschechien durchgeführt.c) Wie kann die Existenz von Konvergenzclubs auf landwirtschaftlichen Bodenmärkten erklärt werden? Mögliche Gründe sind die regional unterschiedlichen Rollen von außerlandwirtschaftlichen Investoren und Betriebsgrößen oder Produktionsstrukturen. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir den Auswirkungen von Grenzen auf die Konvergenz von Bodenpreisen. Wir erwarten, dass Preise in der Nähe von Grenzen aufgrund von direkten Spill-Over-Effekten schneller konvergieren, was wir für die ehemalige innerdeutsche sowie für die deutsch-tschechische Grenze untersuchen. Die erwarteten Ergebnisse sind nicht nur aus historischer Sicht interessant, sondern tragen auch zu einem besseren Verständnis der Funktionsweise von Bodenmärkten bei. Ein besseres Verständnis der bestimmenden Faktoren wiederum kann zur Vorhersage der zukünftigen Entwicklung von regionalen Bodenpreisen genutzt werden.d) Welches Modell ist aus methodischer Sicht am besten zur Analyse und Vorhersage der räumlichen Preisentwicklung geeignet? Verschiedene Preisdiffusions-Modelle werden verglichen, die ein breites Spektrum der aktuellen Literatur abdecken: Ein Multi-Faktoren-Fehlerstruktur-Modell mit gemeinsamen Faktoren, die die Preisentwicklung beeinflussen; ein nichtlineares, zeitlich veränderliches Faktor-modell, das zeitabhängige und zufällige Effekte eines gemeinsamen Faktors betrachtet; und ein räumlich-zeitliches Preisdiffusions-Modell unter Berücksichtigung von dominanten Regionen und Grenzen.