Prof. Dr. phil. Lutz Danneberg
HU-FIS-Profil ↗<p>Untersucht werden die narratologischen (erzähltheoretischen) Theorie-Diskussionen seit den 1960er Jahren - zum einen in den deutschsprachigen Ländern und in Frankreich, zum anderen in Israel und in den Niederlanden. Die Untersuchung ist heuristisch motiviert durch die Annahme unterschiedlicher Bedingungen der Theorie-'Produktion' und internationalen Orientierung zwischen sog. 'großen' und 'kleinen Ländern' ('big countries' / 'small countries').</p> <p>Berücksichtigt wird insbesondere das Verhältnis von Internationalität von Wissenschaft und den nationalkulturellen Besonderheiten der jeweiligen Wissenschaftssysteme hinsichtlich der personellen, strukturellen und kommunikativen Bedingungen der Wissensproduktion.</p> <p>Ziel des Projektes ist es, Einsichten in Prozesse der Wissenschaftsentwicklung und der narrotologischen Theorie- und Begriffsbildung zu gewinnen. Im Rahmen dieser Zielsetzung werden die einschlägigen Debatten und Entwicklungen in den genannten Wissenschaftskulturen rekonstruiert und miteinander verglichen.</p>
Die Untersuchung nimmt ihren Ausgangspunkt von einer Innovation, die sich in der Hermeneutik und der Logik um 1600 ereignet und die im 17. Jh. weitgehend Bestand haben wird. Es ist das erste Mal, daß hermeneutische Auslegungsregeln Aufnahme in ein logisches Lehrwerk finden. Auf den ersten Blick erscheint das ebenso überraschend wie es zu diesem Zeitpunkt vollkommen singulär ist. Anhand der Nachzeichnung der Veränderungen, die sich in der Logik im 16. Jh. vollziehen ebenso wie die Wandlungen der hermeneutica sacra, nicht zuletzt in der Folge der Reformation, verliert sich bei dieser Innovation der überraschende Eindruck. Die Rekonstruktion der verschiedenen Aspekte der epistemischen Situation, in der die Integration in die Logik erfolgt, macht das Ereignis nachvollziehbar. Voraussetzung freilich ist, daß mehr als es gemeinhin geschieht, die Komplexität der Problembezüge anhand der Fülle des Materials analysiert, in denen die hermeneutica sacra als Beweislehre für die theologische Wissensansprüche steht, die besonderen Umstände und Themen der sich ausbildenden kontroverstheologischen Auseinandersetzungen nicht zuletzt innerhalb des Protestantismus beachtet, sowie Veränderungen bei anhaltenden Konflikten einbezieht etwa der hinsichtlich der Rolle, welche von der Philosophie, insbesondere Logik und Metaphysik, bei der Gewinnung wie der Verteidigung theologischer Wissensansprüche erwartet wird. Die zunächst als unvermittelt erscheinende Aufnahme von Auslegungsregeln in Lehrwerke der Logik, die zudem im Rahmen der Logikauffassung selbst begründet wird, lässt sich dann verstehen als die Antwort auf ein komplexes Problem in einer bestimmten epistemischen Situation.
Die internationale und disziplinenübergreifende Fachtagung Unsicheres Wissen in der Frühen Neuzeit soll für die frühneuzeitlichen Zeichen und Zeugnisse interpretierenden Wissenschaften die epistemologischen und methodologischen Dimensionen des Umgangs mit Gewissheitsverlusten und -mängeln untersuchen. Die Untersuchung von Formen des Skeptizismus und Theorien der Wahrscheinlichkeit im Zeitraum von 1500 bis 1800 soll die Erschließung von Konzeptualisierungen unsicheren oder schwachen Wissens erlauben. Das Vorhaben nimmt Impulse aus zwei unterschiedlichen Forschungsrichtungen (Probabilismus-Forschung, Skeptizismus-Forschung) auf. Durch gründliche Arbeit mit historischem Quellenmaterial will sie unter dem Aspekt unsicheren Wissens bislang unerforschte Gebiete erschließen und die Forschung über unsicheres Wissen auf eine breite Basis stellen. Dabei sollen die 'großen Thesen' angloamerikanischer Provenienz am historischen Material überprüft werden.
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