Prof. Dr. phil. habil. Jens B. Asendorpf
HU-FIS-Profil ↗Der verbale Selbstbericht wird in vielen Forschungsfeldern der Sozial-, Persönlichkeits-, Motivations- und Emotionspsychologie beinahe ausschliesslich zur Datenerhebung genutzt. Ein chronisches Problem dieses Zugangs ist die Verfälschbarkeit expliziter Beurteilungen. Ein weiteres Problem besteht in der Begrenzung auf eher kognitiv elaborierte Urteile. Eine Alternative besteht darin, mit Hilfe kognitionspsychologischer Methoden Kognitionen und Bewertungen zu erfassen. Innerhalb des Forschungsverbundes "Implizite Diagnostik" werden entsprechende Projekte von 5 verschiedenen Arbeitsgruppen koordiniert und die Ergebnisse auf Workshops diskutiert.
Das Vorhaben verknüpft zwei neue Ansätze der empirischen Persönlichkeitsforschung: das evolutionspsychologische Paradigma, das Persönlichkeitsunterschiede als Resultat der biologischen Evolution auffasst, und den Versuch, interindividuelle Differenzen in impliziten Repräsentationen durch chronometrische Methoden wie z.B. Implizite Assoziationstests zu erfassen. Die zentrale Annahme ist, dass evolutionspsychologisch fundierte Persönlichkeitsunterschiede mit längerer phylogenetischer Geschichte besonders gut auf der Ebene der impulsiven Informationsverarbeitung nachweisbar sein sollten, insbesondere in Form interindividueller Differenzen in impliziten Repräsentationen und automatischen Verhaltenstendenzen. Diese Annahme wird genutzt, um Hypothesen zu impliziten versus expliziten Repräsentationen und spontanem versus kontrolliertem Verhalten in bezug auf zwei evolutionspsychologische Konstrukte zu testen, die bislang getrennt untersucht wurden: Soziosexualität und Eifersucht.
In diesem Projekt wird die Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und sozialen Beziehungen im jungen Erwachsenenalter über einen Zeitraum von 8 Jahren untersucht (Durchschnittsalter zu den jeweiligen Messzeitpunkten 24, 28 und 32 Jahre). Dafür wurde eine repräsentative Teilstichprobe aus dem Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts dreimal im Abstand von je 4 Jahren befragt. Die 1. Erhebung fand 1995 mit Mitteln des DJI und des Max-Planck-Instituts für psychologische Forschung statt, die 2. und 3. Erhebung wurden 1999 bzw. 2003 jeweils durch die DFG gefördert (NE 633-1,2, NE 633-2). Im Querschnitt wurde zum 1. Erhebungszeitpunkt beobachtet, dass Lebensformen und soziale Beziehungen stark persönlichkeitsabhängig waren (Neyer, 1999). Mit den Längsschnittdaten lassen sich langfristig die Persönlichkeits- und Beziehungsentwicklung im jungen Erwachsenenalter überblicken. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Persönlichkeitsunterschiede das Eingehen einer Partnerschaft innerhalb der nachfolgenden 8 Jahre vorhersagen, eine Transition, durch die selbst wiederum Persönlichkeitsveränderungen ausgelöst werden (Neyer & Asendorpf, 2001, Neyer & Lehnart, in Vorb.). Das Projekt leistet einen empirisch fundierten Beitrag zur transaktionalen Sichtweise der Persönlichkeitsentwicklung im Erwachsenenalter.
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