Die Forschung von Dr. agr. Susann Müller konzentriert sich auf den Obstbau, insbesondere auf die Bestäubungsleistung von Wild- und Honigbienen in Kulturheidelbeer-Anlagen. Durch empirische Feldversuche werden Ertragsparameter und die Effizienz verschiedener Bestäuber analysiert, um Lösungen für das Bienensterben zu finden. Die Arbeit verbindet pflanzenphysiologische Erkenntnisse mit agrarökonomischen Fragestellungen zur Sicherung der Ernte. Ziel ist die Optimierung der landwirtschaftlichen Praxis durch den gezielten Einsatz von Wildbienen als Alternative zu Honigbienen.
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Dr. agr. Susann Müller
HU-FIS-Profil ↗Zeitraum: 11/1996 - 12/2026 Projektleitung: Dr. agr. Susann Müller
Erwerbs-Obstbau · DOI
53. DGG & BHGL Jahrestagung
Eine wichtige Voraussetzung fur Hochstertrage im Kulturheidelbeeranbau ist eine optimale Blutenbestaubung, die den gezielten Einsatz von Bienen oder Hummeln erforderlich macht. Die derzeit auftretenden Probleme – insbesondere in Verbindung mit dem Bienensterben – lenken die Aufmerksamkeit auf Wildbienen als Bestauber. Das Ziel der mehrjahrigen Untersuchungen bestand darin, die Bestaubungsleistung der Roten Mauerbiene bei der neuseelandischen Kulturheidelbeer-Sorte 'Nui' zu untersuchen (Einfluss auf Bluhverlauf, Fruchtansatz, -gewicht, -grose, Reifezeitpunkt, Samen/Frucht, Ertrag). Es sollten Vor- und Nachteile dieser Wildbienenart und Empfehlungen fur den gezielten Einsatz bzw. fur die dauerhafte Ansiedlung erarbeitet werden. Die zu untersuchenden Parameter wurden 2016 in 3 Varianten uberpruft (Freie Abblute; Gazezelt mit Mauerbienen, Gazezelt ohne Bestauber). Die Mauerbienen wurden vor Bluhbeginn im Freiland-Insektenhotel (150 Kokons) und in einer Zeltvariante (50 Kokons) ausgesetzt. 2017 wurden 4 Varianten (Freie Abblute, Gazezelt ohne Bestauber; eingetutete Blutenstande; freie Blutenstande) gepruft. Die Flugbeobachtungen 2016 und 2017 ergaben, das die Rote Mauerbiene zahlenmasig eine untergeordnete Rolle spielte. Mit >85% Anteil war Apis mellifera der aktivste Blutenbesucher, gefolgt von Bombus terrestris. Unter Freiland-Bedingungen zeigten Mauerbienen wenig Interesse an den Bluten der neuseelandischen Sorte 'Nui', wahrend andere Sorten haufiger angeflogen wurden. Sie fuhlten sich sichtbar wohl in der Anlage und nahmen das Insektenhotel rege an, wahrend die Bedingungen im isolierten Gazezelt ihre Aktivitat erheblich einschrankte. In beiden Untersuchungsjahren reagierten die isolierten Straucher auf fehlende Bestauberinsekten mit einer langeren Bluhphase, Verzogerungen im Erntebeginn um 1 Woche, mit einer geringeren Samenanzahl/Frucht, geringerem EFG und niedrigerer Fruchtungstendenz. Allerdings fiel die Fruchtungstendenz bei der Variante „Gazezelt ohne Bestauber“ unerwartet hoch aus. Die Ertrage der isolierten Straucher waren ca. 50% niedriger als der Strauchertrag unter Freilandbedingungen; bei allen Varianten gab es grose Abweichungen innerhalb der Straucher. Die beobachteten differenzierten Verhaltensmuster von Apis mellifera, Bombus terrestris und Osmia bicornis hinsichtlich Sammelverhalten, Bestaubungstechnik und Flugbereitschaft unterstreichen das Bestreben, die Bestaubervielfalt in Obstanlagen zu erhohen. Es konnten konkrete Empfehlungen zur Forderung des Wildbienenbestandes in Obstanlagen erarbeitet werden.