Dr. Müller forscht an der Humboldt-Universität zu Berlin im Bereich Obstbau, mit aktuellem Schwerpunkt auf die Bestäubungsleistung von Wildbienen — insbesondere der Roten Mauerbiene — in Kulturheidelbeerkulturen. Sie untersucht, wie gezielt eingesetzte Wildbienen den Blütenansatz, Fruchtgewicht, Ertrag und Reifung optimieren können, um die Ertragsausfälle durch Bienensterben und mangelnde Bestäubung auszugleichen. Ihre Ergebnisse adressieren ein zentrales Problem des modernen Beerenanbaus: die Sicherung stabiler Erträge durch alternative, nachhaltige Bestäubungslösungen statt ausschließlicher Abhängigkeit von Honigbienen. Die Forschung ist relevant für Beerenproduzenten, Saatgut- und Pflanzenzüchter sowie für Unternehmen im Bereich Bestäubungsmanagement und Wildbienenschutz.
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Dr. agr. Susann Müller
HU-FIS-Profil ↗Zeitraum: 11/1996 - 12/2026 Projektleitung: Dr. agr. Susann Müller
Erwerbs-Obstbau · DOI
53. DGG & BHGL Jahrestagung
Eine wichtige Voraussetzung fur Hochstertrage im Kulturheidelbeeranbau ist eine optimale Blutenbestaubung, die den gezielten Einsatz von Bienen oder Hummeln erforderlich macht. Die derzeit auftretenden Probleme – insbesondere in Verbindung mit dem Bienensterben – lenken die Aufmerksamkeit auf Wildbienen als Bestauber. Das Ziel der mehrjahrigen Untersuchungen bestand darin, die Bestaubungsleistung der Roten Mauerbiene bei der neuseelandischen Kulturheidelbeer-Sorte 'Nui' zu untersuchen (Einfluss auf Bluhverlauf, Fruchtansatz, -gewicht, -grose, Reifezeitpunkt, Samen/Frucht, Ertrag). Es sollten Vor- und Nachteile dieser Wildbienenart und Empfehlungen fur den gezielten Einsatz bzw. fur die dauerhafte Ansiedlung erarbeitet werden. Die zu untersuchenden Parameter wurden 2016 in 3 Varianten uberpruft (Freie Abblute; Gazezelt mit Mauerbienen, Gazezelt ohne Bestauber). Die Mauerbienen wurden vor Bluhbeginn im Freiland-Insektenhotel (150 Kokons) und in einer Zeltvariante (50 Kokons) ausgesetzt. 2017 wurden 4 Varianten (Freie Abblute, Gazezelt ohne Bestauber; eingetutete Blutenstande; freie Blutenstande) gepruft. Die Flugbeobachtungen 2016 und 2017 ergaben, das die Rote Mauerbiene zahlenmasig eine untergeordnete Rolle spielte. Mit >85% Anteil war Apis mellifera der aktivste Blutenbesucher, gefolgt von Bombus terrestris. Unter Freiland-Bedingungen zeigten Mauerbienen wenig Interesse an den Bluten der neuseelandischen Sorte 'Nui', wahrend andere Sorten haufiger angeflogen wurden. Sie fuhlten sich sichtbar wohl in der Anlage und nahmen das Insektenhotel rege an, wahrend die Bedingungen im isolierten Gazezelt ihre Aktivitat erheblich einschrankte. In beiden Untersuchungsjahren reagierten die isolierten Straucher auf fehlende Bestauberinsekten mit einer langeren Bluhphase, Verzogerungen im Erntebeginn um 1 Woche, mit einer geringeren Samenanzahl/Frucht, geringerem EFG und niedrigerer Fruchtungstendenz. Allerdings fiel die Fruchtungstendenz bei der Variante „Gazezelt ohne Bestauber“ unerwartet hoch aus. Die Ertrage der isolierten Straucher waren ca. 50% niedriger als der Strauchertrag unter Freilandbedingungen; bei allen Varianten gab es grose Abweichungen innerhalb der Straucher. Die beobachteten differenzierten Verhaltensmuster von Apis mellifera, Bombus terrestris und Osmia bicornis hinsichtlich Sammelverhalten, Bestaubungstechnik und Flugbereitschaft unterstreichen das Bestreben, die Bestaubervielfalt in Obstanlagen zu erhohen. Es konnten konkrete Empfehlungen zur Forderung des Wildbienenbestandes in Obstanlagen erarbeitet werden.