PD Dr. phil. Franz Josef Neyer
HU-FIS-Profil ↗In diesem Projekt wird die Wechselwirkung zwischen Persönlichkeit und sozialen Beziehungen im jungen Erwachsenenalter über einen Zeitraum von 8 Jahren untersucht (Durchschnittsalter zu den jeweiligen Messzeitpunkten 24, 28 und 32 Jahre). Dafür wurde eine repräsentative Teilstichprobe aus dem Familiensurvey des Deutschen Jugendinstituts dreimal im Abstand von je 4 Jahren befragt. Die 1. Erhebung fand 1995 mit Mitteln des DJI und des Max-Planck-Instituts für psychologische Forschung statt, die 2. und 3. Erhebung wurden 1999 bzw. 2003 jeweils durch die DFG gefördert (NE 633-1,2, NE 633-2). Im Querschnitt wurde zum 1. Erhebungszeitpunkt beobachtet, dass Lebensformen und soziale Beziehungen stark persönlichkeitsabhängig waren (Neyer, 1999). Mit den Längsschnittdaten lassen sich langfristig die Persönlichkeits- und Beziehungsentwicklung im jungen Erwachsenenalter überblicken. Ein zentrales Ergebnis ist, dass Persönlichkeitsunterschiede das Eingehen einer Partnerschaft innerhalb der nachfolgenden 8 Jahre vorhersagen, eine Transition, durch die selbst wiederum Persönlichkeitsveränderungen ausgelöst werden (Neyer & Asendorpf, 2001, Neyer & Lehnart, in Vorb.). Das Projekt leistet einen empirisch fundierten Beitrag zur transaktionalen Sichtweise der Persönlichkeitsentwicklung im Erwachsenenalter.
Die Differenzierung von Beziehungsqualitäten und strukturen im Lebenslauf wird durch zwei Wirkmechanismen beeinflusst: der Regulation von Nähe bzw. Distanz und der Aushandlung von Reziprozität. Das DFG-Projekt wird an den Projektorten Berlin (Leitung F. J. Neyer, NE 633-3) und Halle (Leitung F. R. Lang, LA 1002-2) durchgeführt und untersucht die Aktivierung, Wirkung und das Zusammenspiel beider Mechanismen in Abhängigkeit von situativen Anforderungen und Belastungen in der Familiengründungsphase (d.h. in Abhängigkeit von Kinderwunschoptionen und -chancen) und unterschiedlicher familialer Lebensformen (d.h. in Normal- und sog. Patchwork-Familien). Ausgehend von evolutionspsychologischen Überlegungen nehmen wir an, dass die Regulation von Nähe zur Differenzierung von Verwandtschaft beiträgt, während die Aushandlung von Reziprozität der Differenzierung von Kooperationsbeziehungen dient. Beide Mechanismen verweisen auf Anpassungsprozesse, die zur Stabilisierung sozialer Umwelten im Lebenslauf beitragen. Das Projekt setzt mit einer multimethodalen Replikation der Befunde zur Näheregulation nach Neyer und Lang (2003) an und erweitert diese um den Aspekt der Aushandlung von Reziprozität (vgl. auch Neyer & Lang, 2004; Lang & Neyer, 2004). Das Forschungsprojekt ist Kooperationspartner des DFG-Schwerpunktprogramms 1161 " Beziehungs- und Familienentwicklung".
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