Dr. Annekie Joubert
HU-FIS-Profil ↗Das Ziel dieses Projektes ist es, die umfangreiche Sammlung Hoffmann über 'Northern Sotho indigenous Knowledge Systems' als nationales Kulturerbe zu erschließen und aufzubereiten. In den Jahren zwischen 1897 und 1943 hat der Berliner Missionar Carl Hoffmann gemeinsam mit seinen Missionshelfern eine einzigartige und umfassende Dokumentensammlung über das Nord-Sotho-Kulturerbe zusammengetragen, die heute verstreut in verschiedenen Institutionen in Deutschland und Südafrika lagert. Das Projekt verfolgt neben seinen wissenschaftlichen Zielen vor allem eines, die Sicherung der einst oralen (und heute vor Ort bereits vielfach verloren gegangenen) Tradition für das Volk der Nord-Sotho selbst. Es geht dabei ferner nicht nur um die Repatriierung eines bedrohten kulturellen Erbes von Deutschland nach Südafrika mit Hilfe neuer Technologien wie Scans, Digitalisierung und elektronische Medien, sondern vor allem um die Zusammenführung und Aufbereitung allen vorhandenen Materials, gestützt durch einen gegenseitigen Austausch unter den jeweiligen Archiven und Bibliotheken. Das Projekt überschreitet nicht nur internationale Grenzen, insofern es ein gemeinsames Unternehmen von Forschern des Seminars für Afrika-Studien (Sektion Nördliches Sotho) an der Humboldt Universität Berlin, der Universität von Südafrika (UNISA) und der Universität Pretoria (UP) in Südafrika darstellt; es überschreitet auch institutionelle Grenzen, insofern es engstens mit dem Evangelischen Landeskirchlichen Archiv in Berlin und dem Bibliotheksarchiv der Universität von Südafrika kooperiert. Das Forscherteam verfolgt einen interdisziplinären Ansatz mit dem Ziel, die vielfältigen in der Sammlung Hoffmann enthaltenen Aspekte so ganzheitlich wie adäquat aufzubereiten: sie betreffen die Linguistik, die orale Literatur, sowie die weiteren kulturellen Aspekte wie sie sich in Anthropologie, Religion und Geschichte manifestieren. Das Projekt selbst ist ferner als eine Art 'Arbeitsbühne für Intermedialität' insofern anzusehen als das Forscherteam bei der Aufbereitung des Materials die äußerst vielfältigen Ausdrucks- und Kommunikationsmittel Hoffmanns (Transkriptionen der oralen Tradition in einer überholten Orthographie, populäre und wissenschaftliche Artikel, handgeschriebene Tagebücher und Notizen, schwarz-weiß und Farb-Zeichnungen, analoge Photographien) mit modernen Medien in der Form digitaler Datenbanken, digitaler Photographie und Film verbindet. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes sollen zudem in Form einer annotierten Textedition zusammen mit einer DVD im Steiner-Verlag veröffentlicht werden. Sie eröffnen einen neuen Blick auf die Linguistik des nördlichen Sotho, seine orale Literatur, sowie insgesamt auf sein kulturelles Erbe wie es historiografisch in der Sammlung Hoffmann bewahrt worden ist.
Ein südafrikanisch-deutsches Forschungsteam hat in den vergangenen zwei Jahren in einem DFG-geförderten Forschungsprojekt unter dem Titel "Hoffmann-Kollektion des Nord-Sotho-Kulturerbes" an der Zusammenführung, digitalen Erschließung und Sicherung einer umfangreichen Sammlung des Nord-Sotho-Kulturerbes zusammengearbeitet, das der Berliner Missionar Carl Hoffmann in seinen zahlreichen Aufzeichnungen und Unterlagen als nationalen Kulturschatz hinterlassen hat. Um die Ergebnisse dieser akademischen Kooperation der interessierten Öffentlichkeit und Fachwissenschaftlern bekannt zu machen, plant das Team im Rahmen des "Deutsch-Südafrikanischen Jahres der Wissenschaft 2012/13" die zwei folgenden Veranstaltungen in Südafrika und Deutschland: Für Oktober 2012 ist ein 2-tägiger Workshop zur Hoffmann-Kollektion mit Öffentlichkeitsbeteiligung an der University of South Africa (UNISA) und an der University of Pretoria vorgesehen. Im März 2013 soll ein Kulturabend an der Südafrikanischen Botschaft in Berlin folgen, bei dem ein Dokumentarfilm über das Leben Hoffmanns nebst einer Fotoausstellung präsentiert wird, eine Podiumsdiskussion stattfindet und das gescannte und digitalisierte Archivmaterial mit einem erläuternden Katalog offiziell ausgetauscht werden soll.
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