Prof. i. R. Dr. phil. Wolfgang Scholl
HU-FIS-Profil ↗<p>Ziele unseres Projekts sind:</p><p>(1) die Untersuchung unterschiedlicher Konflikte und Konflikthandhabungsformen und ihre Bedeutung für Innovationsprozesse;</p> <p>(2) entsprechende Analysen in unterschiedlichen Organisationen des Innovationsprozesses, d. h. in wissenschaftlichen Forschungsinstituten, in Spin-off bzw. Wissenschaftler/Unternehmer-Firmen und in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in etablierteren Unternehmen, zwischen denen aufgrund unterschiedlicher Systemlogiken verstärkte Konflikte erwartet werden;</p> <p>(3) die vergleichende Analyse von Innovationsprozessen in zwei unterschiedlichen Hochtechnologien, nämlich der Gen- und Nanotechnologie, bei denen aufgrund ihrer großen Neuheit und ihrer breiten Anwendungsgebiete radikale Innovationen erwartet werden; in der Gentechnologie ist aufgrund der kontroverseren öffentlichen Debatte mit mehr Konfliktdruck zu rechnen;</p> <p>(4) Konflikte sollen dabei auch auf den verschiedenen Systemebenen analysiert werden, d. h. bei Individuen, Gruppen, Organisationen, Gesellschaften bzw. Nationen und ggf. globalen Marktkräften;</p> <p>(5) die oberen Systemebenen werden dabei besonders durch einen Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland untersucht, deren nationale Ausbildungs-, Forschungs- und Managementsysteme sich deutlich unterscheiden;</p> <p>(6) schließlich haben wir differenzierte Konfliktformen konzeptualisiert, um soziologische und psychologische Analysen integrieren zu können, und dazu allgemeine Hypothesen zu ihrer kausalen Verbindung und den Konsequenzen für Wissenzuwachs und Innovationserfolg aufgestellt, die über alle Variationen hinweg geprüft und ggf. modifiziert und ergänzt werden sollen.</p> <p>Innovationen wurden bisher vor allem mit retrospektiven Methoden untersucht. Die Besonderheit dieses Projektes besteht darin, dass wir gegenwärtig ablaufende Innovationsprozesse untersuchen wollen. Wir bevorzugen eine Kombination (Triangulierung) von Methoden der Beobachtung, strukturierter Interviews und standardisierter Befragungen. Die geplante Untersuchung verspricht generalisierbare und differenzierende Aussagen über die Wirksamkeit von Konflikten und Konflikthandhabungsformen in Innovationsprozessen, mit denen Innovationsprozesse sehr viel besser als bisher verstanden werden können.</p>
Die Innovationsfähigkeit von Organisationen hängt davon ab, ob es gelingt, die Fähigkeiten und Kenntnisse aller Beschäftigten, von der untersten bis zur obersten Ebene zu nutzen und sie durch den Austausch und die Anwendung dieses Wissens sowie durch geeignete Maßnahmen der Organisations- und Personalentwicklung ständig weiter aufzubauen. Diese Hinwendung zur Partizipation aller Kundigen, und das sind vorrangig die von der jeweiligen Innovation Betroffenen, stützt sich zum einen auf die Anerkennung der begrenzten Rationalität des Einzelnen. Sie verlangt des Weiteren die Einführung mitarbeiterorientierter Organisationsformen, die Anerkennung der Interessenvielfalt der Beschäftigten und die Eindämmung des Machtstrebens, vor allem des Machtstrebens an der Spitze hierarchisierter Organisationen. Damit entsteht eine produktive Innovations- und Organisationskultur, bei der die Chancen erfolgreicher Innovationen und effektiver Arbeit am höchsten sind. Der Erfolg von Innovationen wird dabei in einem umfassenden Sinne verstanden, der wirtschaftliche, arbeitnehmerbezogene, gesellschaftliche und ökologische Folgen mit einschließt. Arbeitnehmervertreter können auf die Schaffung einer solchen Innovationskultur oder eines lokalen innovativen Milieus am besten bei anfallenden Prozessinnovationen hinwirken, besonders im Zusammenhang mit den Paragraphen 111-113 BetrVG (betriebliche Änderungen), weil sie dort die größten persönlichen und rechtlichen Kompetenzen und damit die besten Einwirkungsmöglichkeiten auf der Basis der Betriebs- und Unternehmensverfassung haben. Ob und wie stark solche innovativen Milieus in Wechselwirkung mit Prozessinnovationen zusammenhängen und sich positiv auf Produktinnovationen auswirken, soll dabei explorativ mit untersucht werden. Die Einwirkungschancen der Arbeitnehmervertreter sind neben den erwähnten Kompetenzen und der Übernahme einer Promotorenrolle natürlich abhängig von ihrer Stärke und Akzeptanz im Betrieb, von ihrer gewerkschaftlichen Unterstützung von außen sowie von den angewandten Managementstrategien, so dass diese Aspekte systematisch in die Untersuchung einbezogen werden müssen. Insgesamt geht es darum, die Partizipation der einzelnen Beteiligten und Betroffenen mit den Möglichkeiten der gesetzlichen Arbeitnehmervertretung in wechselseitiger Stärkung zu verbinden, da dies die größten Aussichten auf arbeitnehmerfreundliche und nachhaltige Innovationen hat. Arbeitnehmerfreundlich soll dabei beinhalten, dass die zentralen Arbeitnehmerinteressen gefördert oder wenigstens gewahrt werden wie Arbeitsplatzsicherheit durch Wirtschaftlichkeit, gute, ggf. höhere Eingruppierung, befriedigende, nicht-entfremdete Arbeit und entsprechende Handlungsspielräume, Selbstbewusstsein und berufliche Anerkennung, Qualifizierung für und durch die Arbeit, Sicherung von sozialen Kontakten und nicht zuletzt die Solidarität mit anderen Arbeitnehmern. Kritisch zu prüfen ist, ob und inwieweit auch Organisationspraktiken in Prozessinnovationen impliziert sind, die verdeckte Managementkontrolle mit partizipativer Selbstausbeutung verbinden. Nachhaltig sollen die Innovationen durch Sensibilisierung für die gesellschaftlichen und ökologischen Folgen sein. Zur Untersuchung der Realität und der Möglichkeiten von Innovation und Mitbestimmung werden Fallstudien zu gelungenen und misslungenen Innovationen (1) mit früher, intensiver, ggf. proaktiver versus geringer, später, rein reaktiver Beteiligung des Betriebsrats (2) in je einem sehr innovativen und einem wenig innovativen Unternehmen bzw. Betrieb (3) aus je 2 Industrie- und je 2 Dienstleistungsbranchen (4) durchgeführt. Damit stehen dann insgesamt 32 Innovationsfallstudien für differenzierte Analysen und Interpretationen zur Verfügung. Zu jedem Fall werden 3, ggf. auch mal 4 Interviews mit den wichtigsten Beteiligten durchgeführt, die anschließend noch einen Fragebogen zu wichtigen Prozessaspekten und zur Innovationskultur ausfüllen. Die beteiligten Betriebsräte und Unternehmensvertreter bekommen jeweils ein differenzierte Rückmeldung über Verbesserungsmöglichkeiten in einer Weise, die die Anonymität der Befragten und ihre Ausünfte sichert. Durch die Fallstudien werden ganz konkrete Umsetzungsprobleme und möglichkeiten zunehmend deutlicher und zugleich erlaubt die vorgeschlagene Anzahl der Fallstudien als Minimalzahl differenzierte quantitative Auswertungen, die solide wissenschaftliche Grundlagen für gewerkschaftliche, gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Diskussionen und Handlungsstrategien liefern.</p> <p>Um eine solche Untersuchung durchführen zu können, wird eine Projektgruppe aus einem/r diplomierten Mitarbeiter/in, einem/r erfahreneren promovierten Mitarbeiter/in und mir selbst gebildet. Jede/r Mitarbeiter/in ist dann für 16 Fallstudien aus den Unternehmen einer Industrie- und einer Dienstleistungsbranche zuständig. Eine Anschlussuntersuchung könnte die erreichten Veränderungen bei den beteiligten Unternehmen und Betriebsräten evaluieren; sie ist jedoch nicht Teil diese Projekts.</p>
<p>Interaktion und Kommunikation sind vermutlich die wichtigsten menschlichen Aktivitäten, aber die Forschung dazu ist quantitativ zu gering und qualitativ zersplittert innerhalb und zwischen den relevanten Disziplinen, der psychologischen und der soziologischen Sozialpsychologie, der Soziologie, der experimenellen Ökonomik, der empirischen Managementforschung, der biologischen und der kulturellen Anthropologie. Da der interdisziplinäre Austausch nach aller Erfahrung so schwer ist und nur in wenigen Teilbereichen gelingt, wird ein ganz neuer Ansatz vorgeschlagen und der entscheidende Auftakt dazu mit dem Workshop angestrebt.</p> <p>Aus den genannten Disziplinen und aus verschiedenen Teilgebieten innerhalb dieser Disziplinen kommen hervorragende, interdisziplinär orientierte Forscher/innen aus Europa und den USA zu einem 2-tägigen Workshop zusammen. Sie stellen die aus ihrer jeweiligen Sicht relevanten Themen und theoretischen Begriffe zusammen und stellen zunächst die Übereinstimmungen, Unterschiede und fehlenden Entsprechungen zwischen den (Sub)Disziplinen fest. In Dyaden und Kleingruppen wird dann weiter ausgelotet, wo weitere Übereinstimmungen und Brücken zwischen den theoretischen Ansätzen hergestellt werden können. Auf diese Weise entsteht ein interdisziplinäres Netzwerk an Themen und Konstrukten, das die Zentralität bestimmter Begriffe und der dahinter stehenden Theorien, die Anschlussmöglichkeiten und Überschneidungsprobleme sowie die Lücken im Wissen der einzelnen Disziplinen sichtbar macht. Dieser Prozess wird unterstützt durch spezielle Software, die die Verbindungen innerhalb und zwischen dem Themen- und dem Konstruktnetzwerk erfassen und visualisieren kann.</p> <p>Mit dem Workshop werden die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des interdisziplinären Austauschs zu den Forschungsgebieten von Interaktion und Kommunikation deutlich verbessert. Das erarbeitete Themen- und Konstruktnetzwerk wird nach dem Workshop als Inhaltsstruktur eines aufzubauenden Wiki zu Interaktion und Kommunikation verwendet, zu dem auf dem Workshop und danach inhaltliche Beiträge in Form von Handbuchartikeln von den Teilnehmer/inne/n eingeworben werden. Ein Wiki kann aufgrund seiner Hypertextstruktur die thematische und theoretisch-begriffliche Vernetzung besser deutlich machen als jedes Buch. Vor allem aber können nun alle, die auf diesem Gebiet forschen, bestehende Beiträge verbessern, auf den neuesten Stand bringen, interdisziplinär ergänzen sowie bestehende Lücken durch weitere Beiträge füllen. Auf diese Weise können in einem selbstorganisierenden Prozess die Erkenntnisse verschiedener Disziplinen zu Interaktion und Kommunikation zusammengeführt und verbunden werden. Ohne die theoretische Diskussion und Erarbeitung eines interdisziplinär plausiblen Themen- und Konstruktnetzwerks durch ausgewiesene Experten auf dem Workshop hätte der Aufbau eines solchen Wiki jedoch wenig Chancen. Das Wiki selbst wurde nicht beantragt.</p> <p>Für diese Idee konnten 26 bestens ausgewiesene Forscher/innen und 7 viel versprechende Postdocs gewonnen werden; die Zustimmung war oft sehr groß.</p>
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