Prof. Dr. Helmut Gründl
HU-FIS-Profil ↗Die Zahlungsbereitschaft von Versicherungsnehmern und in der Konsequenz die Prämieneinnahmen und der Gewinn von Versicherungsunternehmen hängen, so zeigen theoretische Modelle und einige wenige empirische Untersuchungen, nicht zuletzt von der Risikopolitik des Versicherers ab. Es erscheint daher naheliegend, die Versicherungsnehmer-Reaktionen in einem normativen Entscheidungsmodell einer optimalen Unternehmenspolitik mit einzubeziehen. In der wissenschaftlichen Literatur gibt es jedoch nur wenige Ansätze, die diesen Zusammenhang berücksichtigen. Ziel des vorliegenden Projekts ist es daher, anhand verschiedener Experimente die Abhängigkeit der Zahlungsbereitschaft der Versicherungsnehmer vom Umfang des zu versichernden Risikos und der Höhe des Ausfallrisikos ihrer Leistungsansprüche zu untersuchen. Dabei sollen auch die Wirkungsinterdependenzen zwischen Schadenrisiko und Insolvenzrisiko sowohl bei bekannter Wahrscheinlichkeitsverteilung als auch bei nicht exakt bekannter Wahrscheinlichkeitsverteilung herausgearbeitet werden.
Lebensversicherungsunternehmen als wichtige Träger der Altersvorsorge stehen vor dem Problem, dass sie einerseits Verträge mit jahrzehntelangen Laufzeiten - versehen mit mannigfaltigen Garantien - anbieten, andererseits aber in ihren Kalkulationsgrundlagen von heute bekannten bzw. künftig zu erwartenden Sachverhalten ausgehen müssen. Dies betrifft Annahmen über die künftige Sterblichkeit, das künftige Verhalten von Versicherungsnehmern, aber auch Gegebenheiten des Kapitalmarkts. Das Ziel des einzurichtenden Forschungsprojekts ist es, auf empirisch fundierter Basis Risikomanagement-Strategien für Lebensversicherungsunternehmen zu entwickeln, um das Risiko einer unerwarteten Änderung der Sterblichkeitsannahmen, also das demographische Risiko, zu beherrschen. Zu dieser Thematik gibt es am Dr. Wolfgang Schieren-Lehrstuhl für Versicherungs- und Risikomanagement umfangreiche Vorarbeiten und eine im Journal of Risk and Insurance aktzeptierte Veröffentlichung. Das Postbank-Finance-Award Preisgeld soll dazu verwendet werden, Daten für die empirische Fundierung der theoretischen Ergebnisse zu erwerben und Einladungen an Kollegen, die an ähnlichen Themen arbeiten, zu einem Forschungsaufenthalt in Berlin zu finanzieren. Außerdem sollen Reisen zu Konferenzen sowie eventuelle einschlägige Forschungsaufenthalte von Lehrstuhlangehörigen im Ausland finanziert werden.
Als demografisches Risiko bezeichnet die Literatur die Gefahr, dass sich künftige Sterblichkeitsgesetzmäßigkeiten anders als prognostiziert entwickeln. Trotz der offensichtlichen hohen Relevanz für die Lebensversicherungsbranche hat das demografische Risiko in der Forschung bisher wenig Beachtung gefunden. Das vorliegende Projekt will auf Basis empirischer Daten die optimale Mischung unterschiedlicher Instrumente des Managements demografischer Risiken in einem Modell der wertorientierten Steuerung eines Lebensversicherungsunternehmens bestimmen. Als Instrumente kommen hierbei die Eigenkapitalausstattung, die Kapitalanlagestruktur, die Produktpolitik z.B. über die Möglichkeit eines "natürlichen Hedging" zwischen Lebens- und Rentenversicherung, die Rückversicherung sowie neue Möglichkeiten der Verbriefung demografischer Risiken über "Insurance Linked Securities" in Frage. Die optimale Unternehmenspolitik ist aus Eigentümer- sowie Unternehmensgesamtsicht unter Berücksichtigung der Versicherungsnehmerreaktion auf die Risikolage des Versicherungsunternehmens zu bestimmen. Weiterhin sollen sich in diesem Zusammenhang ergebende Implikationen für die Gestaltung aufsichtsrechtlicher Solvabilitätsregelungen aufgezeigt werden.
Noch keine Publikationen aus OpenAlex zugeordnet.