Prof. Dr. sc. oec. Karin Lohr
HU-FIS-Profil ↗<p>Trotz umfänglicher Sozial- und Armutsberichterstattung auf der Bundes- und Landesebene in Berlin und Brandenburg fällt auf, dass eine der bedeutsamsten Grundlagen nämlich eine solide und umfassende Einkommensanalyse nicht existiert. Einkommensstatistiken werden zwar in fast allen sozialen Berichten der offiziellen Verwaltungen als wesentliches sozialdifferenzierendes Merkmal mit angeführt, aber es gibt keine zusammenhängende und hinreichend differenzierte Analyse über diese so wichtigen harten Sozialdaten für Berlin und Brandenburg. In der Regel wird ausgehend von einem Durchschnittseinkommen lediglich die prozentualen Abweichungen von diesem statistischen Wert angegeben. Die unterschiedlichen Verteilungsstrukturen von Einkommen absolut für sozialdifferenzierte Gruppen fehlen.</p> <p>Die Einkommensentwicklung wird zwar von den offiziellen Statistiken als Zeitreihe veröffentlicht, aber es gibt keine Einschätzungen darüber, wie diese Entwicklung zu beurteilen ist. Wie viele Personen derzeit mit nicht existenzsichernden Einkünften auskommen müssen ist auch nur sehr ungenau bekannt.</p> <p>Auf der Grundlage offizieller Datenbestände (insbesondere Mikrozensus für Berlin und Brandenburg in Verbindung mit anderen offiziellen Sozialstatistiken) soll mittels einer Sekundäranalyse eine solche differenzierte Einkommensanalyse erstellt werden. Sie bildet die Basis für die Bearbeitung wichtiger sozialpolitischer Fragestellungen. Im Ergebnis der Arbeit soll auf erkennbare sozialpolitisch relevante Problemlagen hingewiesen werden.</p> <p>Die mit der Armuts- und Reichtumsdiskussion in der Bundesrepublik angestoßene Debatte relationaler Einkommensgerechtigkeit ist ein wichtiger Bestandteil von Einkommensanalysen und muß als ein Fortschritt angesehen werden. Fragen nach der Relation der Einkommen zwischen Männern und Frauen, zwischen Arbeitenden und Nichtarbeitenden, zwischen jungen Familien, -vollständigen und alleinerziehenden- und Senioren sind für die Bewertung sozialpolitischer Entscheidungen bedeutsam und sollen anhand der Daten strukturell und in ihrem zeitlichen Verlauf für die Region bearbeitet werden. Sie haben vor einer sich zuspitzenden Konkurrenz um Arbeit und Einkommen und einer Verschärfung von Verteilungs- und Umverteilungsprozessen in der Gesellschaft deutlich an Bedeutung gewonnen.</p> <p>Eine entscheidende Frage in Bezug auf Einkommen - unabhängig ob als Erwerbs- oder Transfereinkommen besteht jedoch darin, ob diese individuellen Einkommen/ Haushaltseinkommen ihre eigentliche Funktion, die der Existenzsicherung noch gerecht werden.</p> <p>Es muss angenommen werden, dass es für eine wachsende Gruppe von Personen in Berlin und Brandenburg keineswegs nur noch um relative Einkommensarmut im Vergleich zu anderen in einem sonst aber reichen und sozial sicheren Land geht, sondern, dass die Gruppe der Einkommensarmen steigt, bei denen es um die Gefährdung ihrer existentiellen Lebensbedingungen geht, also um Fragen absoluter Armut.</p> <p>Es soll daher auch um die tatsächlichen realen Einkommenssituationen einzelner sozialer Gruppen in der Region gehen. Also um die Frage: inwieweit die gegenwärtigen Einkommens- und Lebensbedingungen für die Berliner und Brandenburger Bevölkerung noch hinreichend existenzsichernd sind und es zukünftig bleiben werden. Dabei ist zu prüfen, ob, warum und welche sozialen Gruppen der Bevölkerung tatsächlich oder potentiell gefährdet sind und unter einer verantwortungsbewußten Sozialpolitik einer gezielteren Unterstützung bedürfen.Auf der Basis einer detaillierten Einkommensanalyse sollen aktuelle sozialpolitische Fragestellungen für Berlin und Brandenburg näher beleuchtet und die Entwicklung in der ausgewählten Region einschätzen werden.Es sollen folgende Schwerpunkte bearbeitet werden:<br>- die Einkommensverhältnisse in Berlin und Brandenburg im Vergleich zum bundesrepublikanischen Durchschnitt;<br>- die Entwicklung der Einkommen zwischen den Geschlechtern;<br>- Einkommensgerechtigkeit zwischen Arbeitenden und Arbeitslosen;<br>- Generationengerechtigkeit: das Verhältnis von Renten zu Erwerbseinkommen;<br>- Annäherung der Einkommensverhältnisse in Ost und West;<br>- Haushaltseinkommen als Grundlage für Existenzsicherung;<br>- Ursachen für die Existenzgefährdung von Haushalten.</p> <p>Das hier geplante Forschungsprojekt schließt mittels einer differenzierten Aufarbeitung von sozialstatistischen Ergebnissen zur Einkommensproblematik eine derzeit vorhandene Erkenntnislücke. Auf der Basis der Analyse sind oben benannte sozialpolitisch relevante Zusammenhänge zu analysieren und den politischen Akteuren in Gewerkschaft und Landesregierung zur Verfügung zu stellen (Politikberatung). Außerdem soll auf dieser Basis die Grundlage für eine weitere wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas gelegt werden.</p>
Im Mittelpunkt des Projektes steht die Analyse von Veränderungen in den Organisationsstrukturen, Arbeits- und Leistungsanforderungen sowie den Beschäftigungsverhältnissen in Bildungsorganisationen. Ziel ist es zu untersuchen, welche Folgen die an Bildungseinrichtungen herangetragenen Reformprozesse für deren organisatorische Verfasstheit haben und inwiefern damit auch Arbeitsprozesse, -inhalte und -bedingungen sowie Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse einem Wandel unterliegen. Untersucht wird, inwiefern auch hier neue Formen der Nutzung von Arbeitskraft (Subjektivierung, Flexibilisierung) und der Organisation von Arbeit (Effizienz- und Wettbewerbsorientierung, Autonomisierung) festzustellen sind. Zu analysieren ist auch, welche möglicherweise differenten Strategien und Konzepte von Organisationen im Bildungssektor in Verhandlung mit der staatlichen Verwaltung und anderen gesellschaftlichen Akteuren entwickelt werden, welche Gestaltungsspielräume sich ergeben, wie Beschäftigte diese in ihrer alltäglichen Arbeitsausführung nutzen sowie welchen Einfluss kollegiale und Interessenvertretungsgremien auf die Gestaltung von Organisationsprogrammen und strukturen haben. Die zentrale These des Forschungsvorhabens lautet, dass der um sich greifende Prozess der Ökonomisierung oder totalen Vermarktung der Gesellschaft (Negt 2003) in Organisationen auf unterschiedliche Weise verarbeitet wird, und dass dies Relevanz für die Konstruktion von Arbeit in und durch Organisationen hat. Vermutet wird, dass die Umdeutung der Rolle des Staates, z.B. der Rückzug aus der direkten Regulierung von Bildungseinrichtungen, zu einer Ausdifferenzierung von Organisationsformen sowie Arbeits- und Beschäftigungsverhältnissen führt. Zum anderen handelt es sich hier um Organisationen professioneller und hochqualifizierter Arbeit, so dass die Akteure über relativ weitreichende Gestaltungsoptionen bezüglich ihrer eigenen Arbeit aber auch deren organisationaler Verfasstheit verfügen. Gegenstand der Untersuchung sollen zentrale Institutionen des Bildungssystems sein: Schulen (Sekundarbereich), Hochschulen und Einrichtungen der beruflichen Weiterbildung. Beabsichtigt ist zum einen, ExpertInnengespräche mit VertreterInnen aus Politik, Verwaltung und Gewerkschaften, die unmittelbar an Reformvorhaben der ausgewählten Fälle beteiligt sind, durchzuführen, um Herausforderungen, dominante Leitbilder und konkrete Aushandlungsprozesse zu untersuchen. Zum anderen sollen in o.g. Organisationen im Bildungsbereich Fallstudien durchgeführt und diese durch die sekundäranalytische Aufarbeitung von vorhandenen Daten ergänzt werden, die Auskunft über die Entwicklung von Bildungsberufen geben, sowie die Aufarbeitung anderer Studien und Berichte zu konkreten Reformprojekten. Als Forschungsmethoden kommen qualitative (Experten-) Interviews, Dokumentenanalysen und Verfahren der statistischen Datenanalyse zum Einsatz.
Die Diskussionsreihe mit dem Namen ROTKÄPPCHENSALON stellt einen Raum dar, in dem zu Themen des Ostens Deutschlands diskutiert wird. Referent_innen aus Wissenschaft und Praxis stellen hier ihre wissenschaftlichen Untersuchungen bzw. Projekte vor, die im Anschluss mit dem Publikum zunächst formal, später eher informell diskutiert werden. Spezifisches Charaktersitikum der Beiträge ist es, bisher typische Zuschreibungen und Themenfokussierungen in Bezug auf Ostdeutschland zu vermeiden, oder diese selbst zum Gegenstand zu machen sowie bisher übersehene oder sich erst neu entwickelnde Fragestellungen aufzugreifen. Damit geht einher, dass die Beiträge oft auch von jüngeren Personen – typischerweise Angehörige der „Wendegeneration“ – stammen. Ziel der Reihe ist es damit nicht nur die Wissensbasis der Bevölkerung in Bezug auf Ostdeutschland-Themen zu erweitern, sondern auch kritische Willensbildungsprozesse und Netzwerkbildung voranzutreiben.Die Diskussionsreihe hat in ähnlicher Form schon im Sommersemester 2012 an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU Berlin) stattgefunden und soll mit einem erweiterteten Ansatz (der vor allem die Zukunft des Ostens und der Ostdeutschlandforschung fokussiert) im Sommersemester 2013 fortgesetzt werden.Die Reihe, die auch in ihrer Fortsetzung wieder an der HU Berlin stattfinden soll, wird von zwei Nachwuchs-Sozialwissenschaftler_innen der HU Berlin organisiert. Als finanzielle Mittel werden Personalkosten, Materialkosten und PR-Kosten in Höhe von insgesamt 9.380,- EUR beantragt.
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