Prof. Dr. phil. Antje Hornscheidt
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie Kinder aus Regenbogenfamilien* (die Benennung ist ein vorläufiges Ergebnis eines Verständigungsprozesses innerhalb des EU-Projektes und bewegt sich im Spektrum folgende Variationen: Kinder von lesbischen und schwulen Eltern / Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien, Kinder aus lesbisch-schwul-trans* sozialen Bezügen, Kinder aus Queer Families und der damit assoziierten theoretischen ideologischen Implikationen) im schulischen Kontext Formen struktureller, psychischer, physischer Gewalt erleben, die sich direkt oder indirekt auf ihren familiären nicht-heterokonformen Hintergrund beziehen lassen bzw. von den Kindern darauf bezogen identifiziert werden.In drei Ländern, Deutschland, Schweden und Slowenien, mit jeweils unterschiedlichen Bedingungen hinsichtlich der rechtlichen Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebensweisen, werden in einer qualitativ angelegten Studie insgesamt 80 Kinder zwischen 8 und 18 Jahren zu ihrem schulischen Alltag befragt. Zur Sprache kommen soll, ob und wie sie sich in ihrem schulischen Alltag als Kinder aus Regenbogenfamilien und konkret bezogen auf ihre jeweils spezifische familiäre Konstellation - beispielsweise als Tochter zweier schwuler Väter, Pflegesohn einer lesbischen Mutter, Kind eines verpartnerten lesbischen Paares - (selbst) darstellen und verhalten, welche Einstellungen, Verhaltens- und Umgangsweisen sie bei Freund/innen, Peers, Lehrer/innen erleben und welche Bedeutung dabei den Aktivitäten ihrer Eltern in Hinblick auf schulisches Engagement zukommt.Neben den Kindern und Jugendlichen werden auch (deren) Eltern befragt. Dies mit der Absicht, zum einen etwas über deren Perspektive auf das Erleben ihrer Kinder in Bezug auf den schulischen Alltag und damit verbunden, über elterliche Erwartungen, Befürchtungen und Erfahrungen mit Blick auf die Schule zu erfahren, sowie zum anderen um unterschiedliche sexuelle Identitäts-, Gender- und Familienkonzepte aus Erwachsenensicht in die Untersuchung mit einzubeziehen.Die Ergebnisse der Studie bilden die Grundlage für Teil II des Projekts. Gemeinsam mit Expert/innen im Bereich der sogenannten LGBT-Aufklärungs- und Beratungsarbeit und anderer pädagogischen Multiplikator/innen werden unter Berücksichtigung bereits vorhandener Materialien, spezifisch zugeschnittene modular aufgebaute und in einem Manual zusammengestellte Fortbildungskonzepte für die schulische und außerschulische pädagogische Arbeit entwickelt.
Das Projekt untersucht anhand der drei südosteuropäischen Transformationsländer Albanien, Kroatien und Serbien die Zusammenhänge zwischen genderpolitischen und genderlinguistischen Aspekten: Die (im europäischen Vergleich extrem dynamische) De- bzw. Restandardisierung der in diesem Projekt untersuchten Sprachen impliziert die auch sprachpolitisch forcierte und getragene kontinuierliche Konstruktion der eigenen nationalen und im Kontext der EU-Integration sich neu ergebenden transnationalen Identität/en. Das Projekt untersucht aus einer pragmatisch-soziolinguistischen, von neueren Gendertheorien geprägten Perspektive die Konzeptualisierung grammatikalisierter gender(un)spezifizierender nominaler personaler Appellationsformen. Anhand von empirischen Analysen zu Produktion und Perzeption dieser Formen wird die Bedeutung von linguistischen Appellationspraktiken für Diskriminierungsprozesse in parallel angelegten Testreihen systematisch und detailliert untersucht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den drei untersuchten Ländern und ihren Sprachpolitiken herauszustellen. Auf diese Weise können detaillierte Daten zum Zusammenhang von gesellschaftspolitischen Entwicklungen, Sprachpolitiken und Genderkonzeptualisierungen gewonnen werden. Die betrachteten Sprachpraktiken besitzen die derivationellen Möglichkeiten, um symmetrische Appellationsformen zu realisieren. Zu untersuchen ist auch, inwiefern der postkommunistische backlash im Sinne einer Retraditionalisierung von Geschlechterrollen zu einer offenen Ablehnung gendersensitiver Sprachpolitiken führt und welche Konsequenzen dies für die konkreten Sprachrealisierungen hat.
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