Prof. Tiersch erforscht die politische Kommunikation und Governance-Strukturen der antiken Welt, mit aktuellem Fokus auf die Spätantike und frühe Christenheit (4.–5. Jahrhundert n. Chr.). Sie untersucht, wie politische Akteure — von römischen Senatoren bis zu christlichen Predigern wie Johannes Chrysostomus — durch Sprache, Raumgestaltung und religiöse Diskurse Konsens schufen, Macht legitimierten und sozialen Zusammenhalt verhandelten. Ihre Arbeiten verbinden Textanalyse antiker Quellen mit kulturgeschichtlichen Fragen zu Konflikt, Autorität und städtischen Netzwerken. Für Organisationen und Institutionen der öffentlichen Hand ist ihr Ansatz relevant, um historische Muster von Führungskommunikation, Bürgerbeteiligung und Krisenkommunikation zu verstehen — insbesondere wie Eliten Legitimität aufbauen und wie Institutionen in Umbruchzeiten ihre Autorität bewahren oder verlieren.
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Prof. Dr. Claudia Tiersch
HU-FIS-Profil ↗Sozialen Zusammenhalt (neu)verhandeln - Religion und Gemeinschaft in der Antike (800 v. Chr. - 400 n. Chr.)
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Sozialen Zusammenhalt (neu)verhandeln - Religion und Gemeinschaft in der Antike (800 v. Chr. - 400 n. Chr.)
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Förderer: Fritz Thyssen Stiftung Zeitraum: 02/2012 - 12/2012 Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Tiersch
Förderer: Fritz Thyssen Stiftung Zeitraum: 10/2012 - 09/2013 Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Tiersch
Förderer: DFG Exzellenzinitiative Cluster Zeitraum: 11/2012 - 10/2017 Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Tiersch
Im 4. Jahrhundert n. Chr. etablierte Kaiser Theodosius das sogenannte Palastkaisertum und verbrachte einen großen Teil seiner Regierungszeit in Konstantinopel. Dieser wichtige Umbruch, der eine Tradition begründete, die in Ostrom bis ins 6. Jahrhundert n. Chr. andauern sollte, ist insofern erklärungsbedürftig, als sich die römischen Kaiser ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. vor allem durch ihre Rolle als Verteidiger des Reiches an der Front legitimierten. Die vorliegende Studie analysiert, wie schon seit der Mitte des 4. Jahrhunderts Vorgänger von Theodosius eine Neudefinition des Kaisertums versuchten und auf welche Weise es erst Theodosius gelang, das Palastkaisertum als akzeptierte Form der Kaiserherrschaft zu etablieren.
Klio · DOI
Zusammenfassung Die Untersuchung befaßt sich mit dem Volksversammlungstyp der contiones als entscheidender kommunikativer Schnittstelle zwischen Volk und Senat in der Zeit der römischen Republik. Durch eine Analyse kommunikativer und performativer Mechanismen, aber auch der hier thematisierten Gegenstandsbereiche wird gezeigt, warum es nobilitären Rednern innerhalb der mittleren Republik meist gelang, die Akzeptanz der Bürgerschaft für die von ihnen formulierten politischen Ziele zu gewinnen. Hierbei gelang die Integration der Bürger trotz einer zutiefst hierarchischen Kommunikationsstruktur, denn die aristokratischen Redner vermochten ihre herausgehobenen Geltungsansprüche durch die Verheißung patronalen Leistungsaustauschs an geltende Sozialbeziehungen anzuknüpfen und dadurch für die Zuhörer mit sozialem Sinn zu erfüllen. Allerdings verdeutlichte die wachsende Gewalt innerhalb der contiones der späten Republik die institutionellen Grenzen dieses Versammlungstyps. Dieser war nicht mehr in der Lage, die massiven Interessengegensätze jener Jahrzehnte kommunikativ zu bewältigen. Insofern wird die Krise der späten römischen Republik auch als Störung der Kommunikationsbeziehungen zwischen Ober- und Unterschichten faßbar.
Cambridge University Press eBooks · DOI