Prof. Mattusch erforscht die Republik Moldau in ihrer historischen, politischen und literarischen Dimension. Sie analysiert, wie Literatur als gesellschaftliches Phänomen funktioniert und welche Rolle sie in der moldauischen Gesellschaft spielt — insbesondere im Kontext von Unabhängigkeit und gesellschaftlichen Transformationen. Ihre Arbeit verbindet Zeitgeschichte, Kulturanalyse und Literaturwissenschaft, um aktuelle Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur dieser Region zu verstehen. Für Organisationen, die sich mit Osteuropa, Kulturpolitik oder Transformationsprozessen befassen, bietet sie fundierte Analysen zur Rolle von Kultur und Literatur in gesellschaftlichen Umbruchphasen.
🔒 Das System hat 29 mögliche Industrie-Partner gefunden — Firmen, Scores und Begründungen sind nur für eingeloggte Nutzer:innen sichtbar. Anmelden
Prof. Dr. phil. Michele Mattusch
HU-FIS-Profil ↗<p>Das Projekt wendet sich dem Spannungsfeld von Grenzziehung und Grenzüberschreitung zu. Es untersucht die kulturkonstitutiven Möglichkeiten dieses Spannungsfeldes am Beispiel der rumänischen Sprache, Literatur und Kultur vor dem Hintergrund des gegenwärtigen politischen Diskurses, der von der Vorstellung eines Anschlusses an Europa geprägt ist.</p> <p>Liminale Phänomene finden sich in der rumänischen Sprache und Kultur auf Schritt und Tritt, handele es sich nun um die kultur- und literaturhistorischen Beziehungen im balkanischen Raum, um die direkten Nachbarschaften oder um die Filiationen der französischen und der deutschen Kultur in den letzten drei Jahrhunderten. Mit der Herausbildung des nationalen Territorialstaats, der Einbindung der geographischen und religiösen Minderheiten und den Emigrationswellen nach 1944 verstärken sie sich in erheblichem Maße.</p> <p>Unser Kolloquium nimmt sich deshalb vor, die rumänische Sprache und Kultur im Zeichen der Überkreuzung und Nachbarschaften neu zu lesen und zu verorten. Es stellt den Konzepten von homogenen Raumphantasien ein heterologisches Konzept gegenüber und sucht nach seinen Beschreibungsmöglichkeiten in der Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft.</p> <p>Die kulturwissenschaftliche Sektion (Kulturelle Transversale) legt ihren Schwerpunkt auf die standort- und kontextgebundene persönliche und institutionelle Mediatisierung, auf die Vermittlung von Kultur und Bildung über Sprach- und Kulturtransfer und sichtet die konkreten Grenzziehungs- und Grenzüberschreitungsprozesse im realen Zusammenleben auf multikulturellen Territorien. Die literaturwissenschaftliche Sektion (Ästhetische Transversale) untersucht dagegen die Reaktionen des ästhetischen Diskurses auf die in ihrem Entstehungskontext gesetzten Rahmen und wendet sich den transnational ausgerichteten Eliten zu. Die sprachwissenschaftliche Sektion (Sprachliche Transversale) beschäftigt sich schließlich mit der Vermittlung von Exterritorialität und Zentrum, die sich in Prozessen der Hybridisierung und der Transnationalisierung der Sprache niederschlägt.</p> <p>Unser Projekt versteht sich damit als ein Beitrag dazu, die Anfälligkeit von Sprachen und Kulturen zur kulturellen Identitätssicherung über homologische Modelle zu reflektieren, die Grenzen der kleinen und heterologischen Kulturen zu vermitteln, ohne jedoch ihren Reichtum und ihre Kraft der Überschreitung zu vernachlässigen.</p>
J.B. Metzler eBooks · DOI
Geschichten erzählt Umberto Eco nicht erst seit seinem ersten Roman, in dem er bekanntlich davon erzählt, wovon man theoretisch nicht sprechen kann. Studenten berichten von seinen mündlichen Einlassungen in den Vorlesungen, er selbst hat sein humoristisches Talent früh entdeckt: »Eccellevo in bozzetti umoristici«, meint er in »Come scrivo« (Eco 2002, 326), vergleicht sich mit P. G. Wodehouse und gibt zu, dass auch seine wissenschaftlichen Arbeiten oft einen ausgesprochen narrativen Charakter besitzen: »facendo di ogni saggio critico una narrazione« (ebd., 329). Bei Eco fließen die Genres und Diskurse ineinander, begegnen sich Wissenschaft und Fiktion, Moralphilosophie und Versatzstücke der Massenkultur.
J.B. Metzler eBooks · DOI
Als sizilianischer Autor dürfte Gesualdo Bufalino für die drei großen Inselmythen l’amore, la roba und la morte geradezu prädestiniert sein. Als Autor mit äußerst spätem Debüt — sein erster Roman, der in der unmittelbaren Nachkriegszeit entstand, wurde erst 1981 veröffentlicht — gehört er dagegen in die Jahre nach 1977, die von Umberto Eco “anni di desiderio, di rabbia e del riflusso” genannt wurden.1 So sind die in barocker Sprachvirtuosität gestalteten Essays, Erzählungen und Romane Bufalinos eng an die postmoderne Reflexions- und Neusichtungsphase der Moderne gebunden, an das, was man in Italien rivisitazione2 oder ricalco nennt, das zitierende pasticheartige Neusichten von Prätexten und ihre ironische Reinterpretation.
Die Tagung Imagination - Evokation - Bild. Reflexionsäthetische Dimensionen der Bild-Text-Beziehungen in der italienischen Literatur findet vom 8.-10. Mai 2008 statt. Sie will die Bild-Text-Forschung voranbringen und den Austausch über dieses aktuelle Thema mit namhaften italienischen Wissenschaftlern intensivieren.Trotz zahlreicher Versuche im Anschluss an den sogenannten iconic turn Anfang der neunziger Jahre - oft unter dem Begriff der Intermedialität gefasst- sind die Prozesse der Imagination/ Evokation und die Rolle narrativer Techniken nicht vollständig geklärt. Die Analyse der Formen und Funktionen der Interferenzen zwischen Bild und Text ist daher nach wie vor ein aktuelles Forschungsthema. Gegenstand unseres Projektes ist die Analyse von Bild-Text-Beziehungen unter besonderer Berücksichtigung der italienischen Literatur der frühen Neuzeit und der Moderne/ Postmoderne, da diese Epochen von einer Kultur des Sehens bestimmt sind.Ausgehend von einer Analogie zwischen ästhetischer Wahrnehmung und literarischer Vorstellungsbildung werden die Prozesse untersucht, die imaginäre Bilder anhand der sprachlichen Möglichkeiten der Evokation, der Imitation und Simulation des Bildhaften im narrativen Text hervorbringen. In den 17 Beiträgen aus Italien und Deutschland, die abschließend in einem Tagungsband publiziert werden, wird aufgezeigt, wie und mit welchen Funktionen visuell-optische Textstrategien als illusions- und imaginationsbildende Prozesse das semiotische Zeichenmaterial in bildhafte Gegenwärtigkeit für den Leser verwandeln. In diesem Sinne schließt das Projekt an die neuesten Forschungen zu literarischen Illusionsbildungsprozessen an und bedient sich der in der Intermedialitätsforschung entfalteten Begriffe, die es zu prüfen gilt. Es nimmt die semiotischen Untersuchungen der Zeichenhaftigkeit auf, erweitert sie jedoch um phänomenologische und kulturhistorische Aspekte. Die in der Rezeptionstheorie und in der Semiotik der 80er und 90er Jahre vorherrschenden Überlegungen zur Wirkungsästhetik des Literarischen werden weiterentwickelt und deren Ausblendung der illusionsbildenden Verfahren überwunden. Auf der Grundlage dieser methodologischen Ausrichtung stehen drei Dimensionen der Bild-Text-Beziehung im Zentrum der Aufmerksamkeit: 1.) Formen visuell-optischer Textstrategien zur Inszenierung imaginärer Räume2.) Figurative Repräsentationen in der Konstellation von Bildern im Text3.) Kopräsenz von Bild und Text in ihren jeweiligen kulturhistorischen Dimensionen Die Literaturwissenschaft besinnt sich damit auf die Möglichkeiten einer Wirkungsästhetik, die die Verschränkung von Wahrnehmungssituation, Vorstellungsbildung und Lebenssituation fokussiert, ohne auf die interpretative und reflexive Dimension ihrer Werke verzichten zu müssen.