Dr. Sofie Henschel
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt LisE (Literarisch stimulierte Emotionalität) untersucht das emotionale Erleben im Umgang mit Literatur als einem Kernelement schulisch vermittelter kultureller Bildung sowie dessen Bedeutung für das Verstehen literarischer Texte. Emotionales Erleben im Umgang mit literarischen Texten wird zwar als zentrales Element ästhetischer Erfahrung verstanden, unklar ist aber, von welchen Merkmalen das emotionale Erleben in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten abhängt und in welcher Form es das Textverstehen begünstigt. Im Rahmen empirischer Studien wird untersucht, inwieweit sich im schulischen Kontext emotionales Erleben in der Auseinandersetzung mit literarischen Texten sowohl durch Annahmen von Appraisal-Theorien als auch durch das Emotionspotenzial eines Textes erklären lässt. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit das Verstehen literarischer Texte vom Zusammenspiel zwischen emotionalem Erleben und dem Erkennen intendierter Emotionalität abhängt. In diesem Zusammenhang kommt der Empathie als Fähigkeit, sich in die Perspektive und Emotionalität einer literarischen Figur oder in die Stimmungen lyrischer Werke einzufühlen, eine wichtige Schlüsselstellung als vermittelndes Konstrukt zu. Eine genauere Untersuchung der Vermittlungsprozesse zwischen emotionalem Erleben, Empathie und literarischem Textverstehen ist insbesondere aus literaturdidaktischer Sicht von Interesse, weil Empathie im Rahmen unterrichtsdidaktischer Modelle für gelingendes literarisches Textverstehen als zentral angesehen wird. Weitere empirische Studien im Projekt LisE untersuchen daher, inwieweit die Ausbildung von Empathie durch außerschulische Lesepraxis und die Unterrichtskonzeption der Lehrkraft bedingt werden.
Ziel des Projektes ist es, einen impliziten bedeutungsfokussierten Sprachförderansatz, der bereits im additiven Fachunterricht für Kinder mit nicht-deutscher Herkunftssprache erprobt wurde, um Elemente der sprachlichen Bewusstmachung (i.S. von Scaffolding) für einen stärker gesteuerten Erwerb allgemeiner und fachspezifischer (bildungs-) sprachlicher Mittel zu erweitern. Dazu werden exemplarische, curricular valide Sprachfördermaterialien zu ausgewählten Unterrichtsinhalten für den Sachunterricht in der 3. Klasse konzipiert, für deren Anwendung Lehrkräfte durch Fortbildungsmaßnahmen im Laufe eines Schuljahres qualifiziert werden. In der Evaluation des Ansatzes werden unmittelbare Effekte der Fortbildung auf die Entwicklung der professionellen Kompetenz der Lehrkräfte untersucht sowie mittelbare Effekte auf die sprachliche und fachliche Kompetenzentwicklung der Kinder. Alle Aufgaben werden im Verbund von den Arbeitsbereichen Erziehungswissenschaft (Prof. Dr. Petra Stanat, Dr. Sofie Henschel; Teilprojekt A) und Pädagogik der Elementar- und Primarstufe (Prof. Dr. Ilonca Hardy, Teilprojekt B) in einem gemeinsamen Prozess erbracht.
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