Lara von Koch erforscht die kognitiven und emotionalen Mechanismen, die zu Rückfällen bei depressiven Störungen führen — speziell wie kognitive Verzerrungen und Impulskontrolle das Wiederauftreten von depressiven Episoden beeinflussen. Ihr Fokus liegt auf der Identifikation von Risikofaktoren bei Personen, die eine depressive Episode überwunden haben, um Rückfallprävention gezielter gestalten zu können. Dies ist für Gesundheitssysteme und Krankenkassen relevant, da Depressionsrückfälle erhebliche Kosten verursachen und die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Durch das Verständnis dieser Mechanismen können präventive Interventionen und therapeutische Ansätze besser auf Hochrisiko-Patienten zugeschnitten werden.
🔒 Das System hat 53 mögliche Industrie-Partner gefunden — Firmen, Scores und Begründungen sind nur für eingeloggte Nutzer:innen sichtbar. Anmelden
Lara von Koch
HU-FIS-Profil ↗Unipolare Depression ist eine verbreitete psychische Erkrankung, die in ihrer häufigsten Ausprägungsform einen chronisch-episodenhaften Verlauf annimmt. Da mindestens 50% der Betroffenen nach einer ersten depressiven Erkrankungsphase weitere Krankheitsepisoden erleiden (Solomon et al., 2000), kommt der Rückfallvermeidung sowohl auf individueller als auch volkswirtschaftlicher Ebene größte Bedeutung zu (Kessler et al., 2009). Zu den robusten Korrelaten depressiven Affekts gehören Veränderungen der automatischen Verarbeitung emotional valenten Stimulusmaterials im Sinne einer Favorisierung negativer Information. Sog. kognitive Biases sind vorwiegend innerhalb der ersten 500 – 1000 ms nach Präsentation visueller Stimuli beobachtbar, und zeigen sich in den Modalitäten Aufmerksamkeit (attentional bias), Interpretationstendenzen (interpretation bias) und Erinnerungsabruf (memory bias) (vgl. Gotlib & Joormann, 2010). Jüngere Arbeiten legen nahe, dass Veränderungen in der automatischen Verarbeitung emotionaler Reize auch bei genesenen Patienten nach Remission einer depressiven Episode fortbestehen (z.B. Gupta & Kar, 2012; Zvielli et al., 2016). In Analogstichproben konnte auf der Ebene prospektiver Befragungen gezeigt werden, dass spätere depressive Symptomatik durch das Ausmaß dieser spezifischen Veränderungen der Reizverarbeitung prädiziert wird (z.B. Beevers & Carver, 2003; Everaert, Jonas et al., 2015). Jedoch sind die vermittelnden kognitiven Mechanismen, die im Erkrankungsverlauf zur (Wieder-)Ausprägung depressiver Symptomatik führen, bisher nicht ausreichend verstanden, und es existieren sehr wenige Arbeiten, die diese Prozesse an größeren Personengruppen mit klinisch auffälliger Symptomatik untersuchen. Diese Forschungslücke soll im skizzierten Projekt bearbeitet werden: Personen, die in der Vergangenheit bereits eine depressive Episode erlebt haben, derzeit aber symptomfrei sind, sollen in einem experimentellen Studiendesign hinsichtlich ihrer fortbestehenden Veränderungen bei der Verarbeitung emotionaler Reize in den Modalitäten Aufmerksamkeit, Interpretationstendenzen und Erinnerungsabruf untersucht werden (Erfassung von Augenbewegungen mittels Eyetracking, Reaktionszeitmessung). Im zweiten Schritt soll die emotionale und physiologische Stressreaktion (Veränderungen der Herzfrequenz, subjektive Ratings) auf eine anstrengende und frustrierende Situation im Labor in Abhängigkeit der zuvor erhobenen Merkmale erfasst werden. Damit soll die Prädiktionshypothese geprüft werden, dass Remittierte, die ausgeprägte Veränderungen in frühen Stadien der Reizverarbeitung aufweisen, situativ stärkere Beeinträchtigung durch auftretende Belastungssituationen erfahren. Dieses Vorhaben ist in die übergeordnete Zielsetzung eingebettet, automatische (d.h. früh in der Reizverarbeitung ablaufende) kognitive Risikofaktoren für depressive Rückfälle durch computergestützte Trainings gezielt zu verändern (sog. Cognitive Bias Modification). Vorteile eines solchen Vorgehens liegen in den erweiterten Zugangswegen für Betroffene zu indizierter Behandlung (ergänzend beispielsweise zum Zugang zu Psychotherapieplätzen), der aktiven Rückfallvorbeugung auf Verhaltensebene (z.B. ergänzend zur pharmakologischen Rückfallprophylaxe), und der Einbindung eines bisher nahezu ungenutzten Wirkfaktors in die antidepressive Therapie.
Journal of Health Psychology · DOI
Past studies examining the effect of chronotype and social jetlag on psychological well-being have been inconsistent so far. Here, we recruited participants from the general population and enquired about their natural sleeping behavior, sleep quality, depressive symptoms, and perceived stress. Partial correlations were computed between sleep variables and indicators of psychological well-being, controlling for age and sex. Less sleep during work days was found a good indicator for impairments in psychological well-being. In exploratory follow-up analyses, the same correlations were calculated within groups of early, intermediate, and late chronotype. We observed that the composition of the sample in terms of chronotype influenced whether associations between sleep variables and psychological well-being could be observed, a finding that is advised to be taken into account in future studies.
Behaviour Research and Therapy · DOI
Cognitive Therapy and Research · DOI
Abstract Background Attentional biases to emotional information are assumed to play a crucial role in the onset and maintenance of depression. Moreover, recent studies show that biases may remain present in previously affected individuals during non-symptomatic stages even after acute depression has fully subsided. For example, in an investigation probing attentional disengagement from facial expressions of happiness, sadness, and disgust, never-depressed individuals showed speeded disengagement from disgusted expressions in comparison to happy faces, but this differential processing pattern was absent in currently euthymic individuals with a history of major depression. Purpose Building on these findings, the present follow-up study aimed to explore the predictive power of that previously described disengagement bias by assessing depressive symptoms in 63 initially euthymic individuals six months after they had participated in a gaze-contingent eye tracking task. Methods Each participants’ mean difference in saccade latency to initiate eye movements away from facial expressions of happiness and disgust was assessed at baseline, and tested for associations with self-reported depressive symptom gains six months later. Results The individual’s difference between these two emotion conditions when performing attentional disengagement (ADΔhappiness-disgust) significantly predicted the occurrence of a reliable increase in depressive symptom severity at six months follow-up. This effect remained significant when controlling for baseline symptom severity and lifetime history of depression. Conversely, dimensional change in depressive symptom severity was not predicted by the ADΔhappiness-disgust score. Conclusions We suggest that an individual difference score reflecting the ability to disengage attention from facial expressions of disgust versus happiness may be particularly useful in identifying individuals prone to experiencing reliable increases in depressive symptoms.