Dr. Caglar erforscht die Herausforderungen für liberale Demokratien und die Infragestellung liberaler Grundprinzipien in der Gegenwart. Sie untersucht, wie autoritäre Staaten und nichtstaatliche Akteure liberale Werte angreifen und wie innerhalb liberaler Gesellschaften selbst Spannungen entstehen. Ihre Arbeit zielt darauf ab, die institutionellen und ideologischen Mechanismen zu verstehen, die Gesellschaften auf Basis individueller Selbstbestimmung organisieren — und wo diese unter Druck geraten. Für Organisationen der öffentlichen Hand und zivilgesellschaftliche Akteure bietet diese Forschung Orientierung für die Verteidigung und Weiterentwicklung demokratischer Institutionen unter Druck.
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Dr. rer. pol. Gülay Caglar
HU-FIS-Profil ↗Geschlechterforscherinnen aus verschiedenen Disziplinen haben in ihren Forschungsarbeiten gezeigt, dass Politikentscheidungen, sei es im Bereich der Wirtschaft-, Sozial- oder Umweltpolitik, nicht geschlechtsneutral sind. Lag der Fokus lange Jahre auf der Erforschung der geschlechtsspezifischen Auswirkungen von Politikmaßnahmen, gilt es nun, die Gründe für diese Auswirkungen näher zu erforschen. Unter Bezugnahme auf kognitive und interpretative Ansätze der Politikfeldforschung, die die Rolle von normativen Wissensbeständen und Deutungen in Politikprozessen in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken, geht das Symposium der Frage nach, welche Rolle dem normativen Wissen über die Geschlechter sowie die Geschlechterverhältnisse - dem Geschlechterwissen - bei der Ausgestaltung von Politikmaßnahmen zukommt. Diese Frage wird sowohl mit etablierten WissenschaftlerInnen als auch mit NachwuchswissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen für die Politikbereiche Wirtschaft, Umwelt, Migration und Soziales eingehend diskutiert. Ziele des Symposiums sind a) die theoretischen Ansätze und Perspektiven aus verschiedenen Disziplinen und Theorietraditionen zum Thema Geschlechterwissen miteinander ins Gespräch zu bringen, b) anhand konkreter Fallbeispiele die Erklärungsreichweite dieser Ansätze zu ergründen und c) mit WissenschaftlerInnen, die in der Politikberatung tätig sind und sich somit an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik befinden, die geschlechterpolitischen Implikationen verschiedenen Geschlechterwissens in den vier Politikfeldern zu reflektieren.
Das liberale Skript, verstanden als Ideen und institutionelle Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips individueller Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Innerhalb liberaler Gesellschaften stellen populistische Bewegungen und Parteien die vorherrschende Interpretation liberaler Ideen in Frage. Das liberale Skript sieht sich nicht zum ersten Mal weitreichenden Herausforderungen gegenüber. Es hat sich durch die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern innerhalb und außerhalb liberaler Gesellschaften entwickelt. Die gegenwärtigen Herausforderungen überraschen im historischen Vergleich aber insofern, als sie trotz abnehmender Anzahl zwischenstaatlicher Kriege, anhaltender Wachstumsraten und dem Rückgang absoluter Armut in vielen Ländern des globalen Südens, moderater Arbeitslosenzahlen in den meisten Volkswirtschaften des globalen Nordens sowie einer allgemeinen Verbesserung des Human Development Index auftreten. Der Exzellenzcluster SCRIPTS betrachtet die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das liberale Skript aus einer historischen, globalen und vergleichenden Perspektive mit dem Ziel, Antworten auf drei Fragenkomplexe zu geben: (1) In welchem Maße hinterfragen Herausforderer des liberalen Skripts seinen Kern? Welche Alternativen gibt es zum liberalen Gesellschaftsmodell, und welche normative Wirkungskraft entfalten sie? Wie verhalten sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu früheren Anfechtungen?(2) Welche Ursachen haben diese Auseinandersetzungen? Unter welchen Bedingungen verliert oder gewinnt das liberale Skript an normativer Wirkungskraft, wann steigt die Bedeutung alternativer Skripte? Haben sich die Ursachen für die Herausforderungen des liberalen Skripts über die Zeit verändert?(3) Welche Auswirkungen haben die Auseinandersetzungen um das liberale Skript? Handelt es sich bei den Herausforderungen um temporäre Erscheinungen oder langfristige Entwicklungen, die zum Relevanzverlust des liberalen Skripts führen? Welche Folgen haben die Auseinandersetzungen für Politik, Gesellschaft und Individuen sowie für die globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert?Um diese Fragen zu beantworten, integriert SCRIPTS Sozialwissenschaften und Regionalstudien mit ihren westlichen und nicht-westlichen Perspektiven, ihren quantitativen und qualitativen Methoden sowie generalisierenden Konzepten und lokalen Wissensbeständen. Das Konzept der doppelten Reflexivität verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Unser Ziel ist verallgemeinerungsfähiges Wissen, das sich dennoch der Relativität der Wissensproduktion bewusst ist. Dieser Ansatz verbindet unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge auf konstruktive Weise. Er erlaubt dem Cluster, neue Antworten und Einsichten auf einige der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu finden.
Politics & Gender · DOI
As a strategy to promote gender equality, gender mainstreaming has received considerable attention worldwide. The language of gender mainstreaming has been quickly adopted (True and Mintrom 2001), which is why, in the beginning, many hopes were pinned on this strategy. Scholars have shown that gender mainstreaming has triggered organizational and procedural changes within state bureaucracies, non-governmental organizations, and international organizations. Gender equality units have been established, new policy tools have been introduced, and new procedures have been created. But feminist scholars also have shown that, all these changes notwithstanding, gender mainstreaming has not proven to be successful in achieving gender equality (cf. True and Parisi 2013). More than 15 years after the adoption of the Beijing Platform for Action, there are serious problems in translating the commitment into action. This is, as many scholars argue, not only a result of institutional and political resistance to substantially changing gender relations, but also a matter of conceptual clarity (Daly 2005; Lombardo and Meier 2006; Meier and Celis 2011; Subrahmanian 2004).
There is a burgeoning body of research on African indigenous vegetables (AIVs), analyzing their nutritive value and their contribution to overcoming hidden hunger and food insecurity in Kenya. Scholars emphasize the importance of increasing the consumption of micronutrient-rich AIVs. However, as some studies show, AIV consumption in, for instance, Kenya is rather low. The starting point of this article is the argument that local food practices and meal cultures need to be taken into account in order to identify facilitating and hindering factors for AIV consumption in Kenya. Referring to Polanyi’s concept of “social embeddedness” and Teherani-Kronner’s concept of “meal cultures” this article argues that consumption habits are inextricably linked to food practices and gendered social arrangements at local level. Thus, this article reviews the theoretical literature on the role of food practices and meal cultures and demonstrates the interrelationship between these practices, AIV consumption and food security.
Das liberale Skript, verstanden als Ideen und institutionelle Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips individueller Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Innerhalb liberaler Gesellschaften stellen populistische Bewegungen und Parteien die vorherrschende Interpretation liberaler Ideen in Frage. Das liberale Skript sieht sich nicht zum ersten Mal weitreichenden Herausforderungen gegenüber. Es hat sich durch die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern innerhalb und außerhalb liberaler Gesellschaften entwickelt. Die gegenwärtigen Herausforderungen überraschen im historischen Vergleich aber insofern, als sie trotz abnehmender Anzahl zwischenstaatlicher Kriege, anhaltender Wachstumsraten und dem Rückgang absoluter Armut in vielen Ländern des globalen Südens, moderater Arbeitslosenzahlen in den meisten Volkswirtschaften des globalen Nordens sowie einer allgemeinen Verbesserung des Human Development Index auftreten. Der Exzellenzcluster SCRIPTS betrachtet die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das liberale Skript aus einer historischen, globalen und vergleichenden Perspektive mit dem Ziel, Antworten auf drei Fragenkomplexe zu geben: (1) In welchem Maße hinterfragen Herausforderer des liberalen Skripts seinen Kern? Welche Alternativen gibt es zum liberalen Gesellschaftsmodell, und welche normative Wirkungskraft entfalten sie? Wie verhalten sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu früheren Anfechtungen?(2) Welche Ursachen haben diese Auseinandersetzungen? Unter welchen Bedingungen verliert oder gewinnt das liberale Skript an normativer Wirkungskraft, wann steigt die Bedeutung alternativer Skripte? Haben sich die Ursachen für die Herausforderungen des liberalen Skripts über die Zeit verändert?(3) Welche Auswirkungen haben die Auseinandersetzungen um das liberale Skript? Handelt es sich bei den Herausforderungen um temporäre Erscheinungen oder langfristige Entwicklungen, die zum Relevanzverlust des liberalen Skripts führen? Welche Folgen haben die Auseinandersetzungen für Politik, Gesellschaft und Individuen sowie für die globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert?Um diese Fragen zu beantworten, integriert SCRIPTS Sozialwissenschaften und Regionalstudien mit ihren westlichen und nicht-westlichen Perspektiven, ihren quantitativen und qualitativen Methoden sowie generalisierenden Konzepten und lokalen Wissensbeständen. Das Konzept der doppelten Reflexivität verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Unser Ziel ist verallgemeinerungsfähiges Wissen, das sich dennoch der Relativität der Wissensproduktion bewusst ist. Dieser Ansatz verbindet unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge auf konstruktive Weise. Er erlaubt dem Cluster, neue Antworten und Einsichten auf einige der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu finden.
DOAJ (DOAJ: Directory of Open Access Journals) · DOI
Jörg Nowak führt die Erkenntnisse der marxistischen und feministischen Staatstheorie zusammen und entwickelt ein analytisches Begriffsinstrumentarium, womit sich die geschlechterpolitische Ausrichtung der Familienpolitik zwischen 2002 und 2007 analysieren lässt. Er vertritt die These, dass die hegemoniale Einbindung des liberalen Feminismus in die staatliche Politik ein klassenselektives Ernährerregime hervorgebracht hat. Das Buch ist trotz einer eher kursorischen Diskussion der Familienpolitik zu empfehlen.