Dr. Stephan Gauch erforscht, wie Indikatoren und Bewertungssysteme in der Wissenschaft auf Forschende und Institutionen zurückwirken — und welche methodischen Konsequenzen sich daraus für die Bibliometrie ergeben. Sein aktueller Fokus liegt auf der Analyse von Forschungsbewertung im internationalen Vergleich: Wie definieren verschiedene Länder und Akteure den gesellschaftlichen Wert von Forschung, und welche unbeabsichtigten Effekte entstehen durch unterschiedliche Evaluationspraktiken? Parallel entwickelt er Konzepte zur Vermittlung bibliometrischer Kompetenzen für neue Zielgruppen wie Forschungsmanagement und Universitätsverwaltungen. Für Organisationen bedeutet das: besseres Verständnis dafür, wie Messinstrumente das Verhalten von Forschenden prägen, und methodisch fundierte Ansätze zur Gestaltung von Evaluationssystemen, die tatsächlich das messen, was sie messen sollen.
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Dr. Stephan Gauch
HU-FIS-Profil ↗Grundlegend steht folgende Frage im Raum: „Wie wirken Indikatoren auf die durch diese Beobachteten und sich selbst Beobachtenden zurück und welche Erfordernisse ergeben sich durch unterschiedliche Formen der Rückwirkung für die Methodenreflektion und Methodenentwicklung in der Bibliometrie?“ Ziel ist es Wirkungsforschung und Methodenreflektion mit einander zu verbinden, um eine neue Form der Reflextionsfähigkeit für die Bibliometrie zu entwickeln. Übergeordnete Ziele der Nachwuchsgruppe sind die Etablierung a) einer theoretisch geleiteten Empirie zur Abschätzung möglicher Rückwirkungen der Anwendung bibliometrischer Indikatoren auf Akteure im Wissenschaftssystem, b) Entwicklung einer theoretischen Grundlage zur Unterstützung der Neu- und Weiterentwicklung bibliometrischer Indikatoren, ebenso wie zur Weiterentwicklung einer Soziologie der Quantifizierung und der (Be-)Wertung, c) Entwicklung kollaborativer Formen der Reflektion zwischen theoretisch geleiteter Wissenschaftsforschung, empirisch orientierter bibliometrischer Forschung und den durch Quantifizierung erfassten Akteuren.
Mit der Öffnung des Kompetenznetzwerks Bibliometrie entstehen sehr unmittelbar neue Bedarfe für die Kompetenzvermittlung zu neuen Netzwerkpartnern, zu zukünftigen potentiellen Teilnehmenden des Netzwerks, sowie im Hinblick auf die Erweiterung des Nutzerkreises hin zu neuen Akteuren wie z.B. Forschungs- und Qualitätsmanagement oder Universitätsverwaltungen. Um einen möglichst großen Nutzen der Öffnung des Kompetenznetzwerks Bibliometrie zu realisieren, ist es notwendig, diese Spaltung durch Maßnahmen der Kompetenzvermittlung zu reduzieren. Das vorliegende Vorhaben verfolgt drei sich wechselseitig verstärkende Zielstellungen. 1. Entwicklung eines Monitoring der bibliometrischen Forschung zur Kondensierung und Vermittlung von Trends und Themen der Bibliometrie für interessierte Kreise und zur Stärkung der Verschränkung aus Forschung und Praxis im Kompetenznetzwerk Bibliometrie. 2. Entwicklung und Prototypische Umsetzung eines Instruments einer empirisch informierten BedarfsKompetenz-Matrix im Bereich Bibliometrie für unterschiedliche Zielgruppen (Bibliotheken, Verwaltung, Entscheidungsträger, Forschungsmanagement, Forscher). 3. Erbringung von vorwettbewerblicher Vorarbeiten zur Entwicklung von Weiterbildungsangeboten für neue Zielgruppen des Kompetenznetzwerks Bibliometrie durch Dritte.
Scientometrics · DOI
Quantitative studies of science have been continuously growing since the end of world war two. The exponential growth in the "golden age of science" (de Solla Price, 1963) was also the beginning of intensified studies about its differentiation, allowing for structures and mechanisms in the evolution of science to be more systematically described. Initially aimed at assisting researchers in finding their ways through an ever-expanding scholarly universe Today the complexity of the social, economic and epistemic structures of the sciences is still growing, while effects of science policy interventions, changes in scholarly publishing, and trends to open scholarship increasingly demand analyses for processes rather than only focussing on the outputs of knowledge production. Against that background, this special issue aims to present research from the funding line "quantitative science studies" in Germany, leaving room to reflect on the current state of quantitative science studies and scientometrics differentiating between explorative, evaluative and reflexive approaches.
Viele Regierungen signalisieren ihr Bekenntnis zum Impact von Forschung, indem sie, in z.T. deutlich unterschiedlichem Ausmaß, in die Evaluation von Forschung investieren. Oft haben diese Initiativen pragmatischen Charakter. Nur wenig Augenmerk wird auf die Konzeptionalisierung von Merkmalen (Marker) wertvoller Forschung oder die Rolle von Forschung in der Gesellschaft gelegt. Dies erzeugt einen dringenden Bedarf nach international vergleichenden Arbeiten mit starker theoretischer und empirischer Fundierung, um die politischen Kontexte, Rückwirkungen und Effekte nationaler Forschungsevaluation rund um die gesamtgesellschaftliche Wirkung von Forschung und ihres Werts zu verstehen. Dieses Vorhaben adressiert diesen Bedarf über einen vergleichenden Multi-methoden-ansatz in mehreren Ländern. Gegenstand sind Initiativen der Forschungsevaluation in Deutschland, Australien, dem Vereinigten Königreich, Polen und Südafrika. Die internationale und interdisziplinäre Gruppe von Forschern verfolgt dabei die folgenden Ziele. Erstens, Herstellung eines umfassenden länder- und disziplinenübergreifenden Überblicks über Konzeptionalisierungen wertvoller Forschung und der damit verbundenen Wissenschaftspoplitiken. Zweitens, die Untersuchung darüber, was als wertvoll erachtet wird und daraus entstehende Spannungsverhältnisse zwischen Ländern. Drittens, Vergleich der Effekte unterschiedlicher Initiativen von Forschungsevaluation zu Wirkung von Forschungshandeln und Status in verschiedenen Ländern. Viertens, die Entwicklung eines konzeptionellen Rahmens wertvoller Forschung zur Stärkung der Wissenschaftspolitik und wissenschaftlicher Praktiken. Fünftens, der Ausbau von Wissen zu Rückwirkungen und Effekten der Bewertung von Forschung für zukünftiges evaluatorisches Handeln.