Prof. von Kardorff erforscht die berufliche und soziale Teilhabe von Menschen mit chronischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, insbesondere im Kontext von Rehabilitation und Erwerbstätigkeit. Sein aktueller Fokus liegt auf der Entwicklung von Rehabilitationskonzepten für Menschen mit Seheinschränkungen, der Gestaltung von Nachsorge-Plattformen zur Verstetigung von Rehabilitationserfolgen sowie auf der Analyse von Wegen in die Erwerbsminderungsrente bei psychischen Erkrankungen. Durch partizipative Forschungsmethoden und die Entwicklung von Schulungsmaterialien für Fachkräfte trägt er zur Verbesserung von Beratungs- und Betreuungsangeboten bei. Die Erkenntnisse sind für Rehabilitationsträger, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Einrichtungen der beruflichen Rehabilitation relevant, um Versorgungslücken zu schließen und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.
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Prof. Dr. Ernst von Kardorff
HU-FIS-Profil ↗Mit der Diagnose einer chronischen Krankheit ist für die Betroffenen und ihre Familen nichts mehr so, wie es einmal war. Das Weiterleben mit der Krankheit erfordert komplexe individuelle und familiale Anpassungsprozesse und Reorganisationsleistungen. Ressourcen und Strategien müssen aktualisiert und mit der Nutzung medizinischen Wissens so verknüpft werden, dass die vielfältigen Anforderungen an instrumentelle, emotionale und kognitive Bewältigung eine neu balancierte Lebensführung ermöglichen. Im Projekt wird danach gefragt, welche familial tradierten Vorstellungen und Handlungsmuster im Umgang mit Gesundheit und Krankheit und bei der Krankheitsbewältigung genutzt und wie sie mit dem medizinischen Expertenwissen verknüpft werden ? Wie gelingt es den Familien, ihre Entscheidungs- und Handlungsfreiheit in diesen kritischen Situationen zu erhalten oder zurückgewinnen und zu einer neuen Stabilität ihrer Lebensführung zu gelangen? Das Projekt zielt darauf ab, die bislang wenig bekannten Prozesse, Mechanismen und Rahmenbedingungen familialer Bewältigung chronischer Krankheit/ Behinderung, insbesondere die familiale Neukonstruktion der gemeinsamen Lebensführung, im Rahmen komplexer familienbiografischer Fallstudien an drei ausgewählten Indikationen (Schlaganfall, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung) systematische zu rekonstruieren und in der Tradition hermeneutisch-interpretativer Sozialfoschung zu deuten.
Mit der Diagnose einer chronischen Krankheit ist für die Betroffenen und ihre Familen nichts mehr so, wie es einmal war. Das Weiterleben mit der Krankheit erfordert komplexe individuelle und familiale Anpassungsprozesse und Reorganisationsleistungen. Ressourcen und Strategien müssen aktualisiert und mit der Nutzung medizinischen Wissens so verknüpft werden, dass die vielfältigen Anforderungen an instrumentelle, emotionale und kognitive Bewältigung eine neu balancierte Lebensführung ermöglichen. Im Projekt wird danach gefragt, welche familial tradierten Vorstellungen und Handlungsmuster im Umgang mit Gesundheit und Krankheit und bei der Krankheitsbewältigung genutzt und wie sie mit dem medizinischen Expertenwissen verknüpft werden? Wie gelingt es den Familien, ihre Entscheidungs- und Handlungsfreiheit in diesen kritischen Situationen zu erhalten oder zurückgewinnen und zu einer neuen Stabilität ihrer Lebensführung zu gelangen? Das Projekt zielt darauf ab, die bislang wenig bekannten Prozesse, Mechanismen und Rahmenbedingungen familialer Bewältigung chronischer Krankheit/ Behinderung, insbesondere die familiale Neukonstruktion der gemeinsamen Lebensführung, im Rahmen komplexer familienbiografischer Fallstudien an drei ausgewählten Indikationen (Schlaganfall, Multiple Sklerose, Querschnittslähmung) systematische zu rekonstruieren und in der Tradition hermeneutisch-interpretativer Sozialfoschung zu deuten.
Nordic Journal of Psychiatry · DOI
BACKGROUND: Caregivers of people with mental illnesses often experience a wide range of burdens. Although many studies have confirmed burdens among family caregivers of mentally ill relatives in general, specific knowledge regarding the concrete everyday hassle and existential sorrows from the caregiverś subjective reasoning perspective is lacking. Furthermore, there is little evidence on the possible different effects of affective disorders and schizophrenia on the quality of burden; this is also true with regard to the role of cultural traditions and lay beliefs. AIMS: The aim of this study was to explore the specific burdens experienced by caregivers of patients with schizophrenia and affective disorders. METHODS: A qualitative study was conducted by semi-structured interviews with 45 caregivers of patients with schizophrenia and affective disorders. Data were analysed by qualitative content analysis. RESULTS: Eleven encumbering themes resulted from the interviews including incertitude, unawareness, emotional burden, stigma and blame, financial burden, physical burden, restriction in routine, disruption in routine, dissatisfaction with family, relatives, and acquaintances, troubles with patients' adherence to medication, and problems with health services and governmental support. CONCLUSIONS: Caring for a person with mental illness affects caregivers emotionally, financially, physically, and it elicits some restrictions in their routine (daily hassles). Finally, it causes conflicts in family relationships. Despite some differences regarding perceived burden among caregivers of schizophrenia and affective disorders, a common pattern of burden could be identified. Thus, authorities should provide adequate financial, educational, and psychosocial supports for caregivers of mental illnesses.
Analyse von Entscheidungsheuristiken in der sozialmedizinischen Bearbeitung von Berentungsanträgen:Ermittlung der ärztlichen Entscheidungspraxis im Rentenantragsverfahren (Früberentung wegen Erwerbsunfähigkeit) in actu und nach vollzogener Entscheidung mit dem Ziel, (latente) Muster und Kriterien beim Erkennen und der Nutzung von Ermessensspielräumen zu identifizieren und ggf. professionsspezifische, organisationsbedingte, ethische und sonstige Motive und Gründe für Entscheidungen sowie die einzelnen Entscheidungsschritte benennen zu können. Identifikation der Gründe die zu Widersprüchen gegen die Antragsentscheidungen führen und Lokalisation von systemsspezifischen Verzerrungen (Bias) bei der Antragsbegutachtung vor dem Hintergrund (verfahrens)rechtlicher, medizinisch-fachlicher und rehabilitationsspezifischer (ICF, sozialmedizinische Rehabilitationsprognose) Normierungen.Die Studie ist als qualitative Explorationsstudie angelegt mit folgenden Elementen:(1) Analyse des Entscheidungsprozesses- medical decision-making Ansatz: kognitive Interviews und thinking-aloud Methode- fokussierte Ethnografie: Shadowing-Methode- strukturierte Leitfadeninterviews mit den Gutachter*innen2 Protokollanalyse und nachträgliche Befragung- Einholung externer sozialmedizinischer Expertise- strukturierte Interviews mit den ärztlichen Gutachtern*innen3) Identifikation des Professionsverständnisses der Gutachter*innen- halbstrukturierte Interviews4) Deskription der Rahmenbedingungen, Erwartungen und Zielvorstellungen der Begutachtung aus der Sicht der Organisation-Experteninterviews mit der Leitungsebene des sozialmedizinischen Dienstes der Rentenversicherung- Analyse der Begutachtungsrichtlinien und Manuale- Analyse der internen Fortbildungmaterialien für den sozialmedizinischen Dienst der RV
Springer Reference Psychologie · DOI
VS Verlag für Sozialwissenschaften eBooks · DOI
Erving Goffmans Arbeiten gehören heute unbestritten zum soziologischen Kanon.1 Der 1963 veröffentlichte Essay Stigma. Notes on the management of spoiled identity2 ist mit Wir spielen alle Theater (1959/dt.1969) (1961/dt. 1972) auch zu seinen außerhalb der Soziologie einflussreichsten Arbeiten zählen.3 Auch wenn Stigma vielleicht nicht zu Goffmans bedeutendsten theoretischen Texten gehört, kommt ihm gleichwohl eine methodologische Schlüsselstellung in seinem Forschungsprogramm zur Analyse der Regelgeleitetheit der Reproduktion mikrosozialer Ordnung in der face-to-face Interaktion zu: am Zusammentreffen zwischen „normalen“ und stigmatisierten Personen zeigt Goffman exemplarisch, welche individuellen und gemeinsamen Anstrengungen alle Beteiligten unternehmen müssen, um trotz wahrgenommener Andersartigkeit, Abweichung oder Statutsdifferenz die (Fiktion der) verlässlichen Routinen der mikrosozialen Ordnung zu garantieren und den Gefährdungen der individuellen Respektabilität, der existenziellen Sicherheit gemeinsam zu begegnen sowie die riskanten Übergänge zwischen unterschiedlichen Rahmungen in reflexiv aufeinander bezogenen Handlungslinien erfolgreich zu meistern und zum Gelingen der Interaktion beizutragen.