Jana Friedrichsen erforscht experimentell, wie Kartelle entstehen, stabilisieren und durch Wettbewerbsmaßnahmen wie Kronzeugenregeln destabilisiert werden können. Ein aktueller Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Entscheidungserschwernissen auf modernen Produktmärkten — etwa durch Zeitdruck, Informationsüberflutung und Interaktionen mit KI-Systemen — um zu verstehen, wie begrenzte Rationalität und Komplexität das Verhalten von Marktteilnehmern beeinflussen. Die Erkenntnisse sind für Wettbewerbsbehörden und Regulatoren relevant, um Kartellverfolgung effektiver zu gestalten und Märkte mit hoher Komplexität besser zu überwachen.
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Jana Friedrichsen
HU-FIS-Profil ↗Die Verfolgung von Kartellen ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von Wettbewerbsbehörden weltweit, weil Kartelle die soziale Wohlfahrt erheblich beeinträchtigen können. In jüngerer Vergangenheit haben einige Wettbewerbsbehörden Kronzeugenregeln eingeführt, die bestehende Kartelle destabilisieren und die Bildung neuer Kartelle verhindern sollen. Eine empirische Auswertung des Erfolgs dieser Maßnahmen ist schwierig, weil die Anzahl funktionierender Kartelle unbeobachtbar ist. Deswegen sind kontrollierte experimentelle Untersuchungen zu diesem Thema notwendig. Bisherige Experimentalstudien haben jedoch das Problem in mehrfacher Hinsicht derart vereinfacht, dass eine Übertragung der Ergebnisse auf reale Kartelle problematisch ist.Das Hauptziel dieses Projektes ist es, die Effektivität einer Kronzeugenregel zu untersuchen, wenn die Wettbewerbsbehörde ebenfalls in Form eines aktiven Spielers in das Experiment einbezogen wird. Dies ist für die externe Validität entscheidend, das die Präsenz einer aktiven Wettbewerbsbehörde es erlaubt, Kommunikation und Kartellbildung voneinander zu trennen. Bisherige Studien werteten es bereits als Kartellbildung, wenn mehrere Firmen miteinander kommunizierten. In der Realität findet Kommunikation über harmlose Themen aber regelmäßig statt. Außerdem kann nach geltendem Recht eine Firma nicht dafür bestraft werden, dass sie sich mit Wettbewerbern über harmlose Themen austauscht, auch wenn dies als vertrauensbildende Maßnahme das Entstehen wettbewerbsbeschränkenden Verhaltens erleichtern kann. Vorherige Studien zur Bedeutung von Kommunikation für die Bildung und Stabilität von Kartellen haben weder die Interaktion mit einer Wettbewerbsbehörde noch eine Kronzeugenregel betrachtet.Das Projekt hat drei weitere Ziele. Erstens, wollen wir untersuchen, wie die Bildung und Stabilität von Kartellen sich verändert, wenn auch Teilgruppen eines Marktes miteinander kommunizieren können, ohne dass alle Firmen im Markt zustimmen und teilnehmen müssen. Zweitens, wollen wir untersuchen, wie sich die Marktergebnisse verändern, wenn der Rädelsführer eines Kartells von der Kronzeugenregel ausgenommen ist. Drittens, wollen wir untersuchen, ob sich die Ergebnisse verändern, wenn wir (entgegen des in der Literatur üblichen Vorgehens) die Konsumentenrente tatsächlich an Teilnehmer in der Rolle von Verbrauchern auszahlen, so dass diese Rente nicht nur virtuell existiert.
Journal of Economic Behavior & Organization · DOI
Journal of Public Economics · DOI
publish.UP (University of Potsdam) · DOI
The experimental literature on antitrust enforcement provides robust evidence that communication plays an important role for the formation and stability of cartels. We extend these studies through a design that distinguishes between innocuous communication and communication about a cartel, sanctioning only the latter. To this aim, we introduce a participant in the role of the competition authority, who is properly incentivized to judge the communication content and price setting behavior of the firms. Using this novel design, we revisit the question whether a leniency rule successfully destabilizes cartels. In contrast to existing experimental studies, we find that a leniency rule does not affect cartelization. We discuss potential explanations for this contrasting result.
Das Teilprojekt untersucht Effekte von begrenzter Information und Entscheidungserschwernissen wie Fristen, kognitiver Belastung und Komplexität. Ein besonderer Schwerpunkt in der dritten Förderperiode liegt auf der Regulierung moderner Produktmärkte. Sie sind oft durch hohen Zeitanspruch, unüberschaubare Mengen an Auswahlmöglichkeiten und Interaktionen mit KI-Agenten gekennzeichnet. Das Team erarbeitet Empfehlungen für politikrelevante Themenbereiche wie 'consumer search', personalisierte Werbung, Datenschutz, und Online-Bewertungen. Methodisch nutzt das Team eine Kombination aus experimentellen und theoretischen Ansätzen.