Prof. Sasse erforscht die Krisen liberaler Demokratien unter Druck — insbesondere wie autoritäre Staaten und nichtstaatliche Akteure liberale Werte angreifen und wie Gesellschaften innerhalb liberaler Ordnungen selbst diese Grundlagen in Frage stellen. Ihr Fokus liegt auf Transformationsprozessen in Osteuropa sowie auf den Verflechtungen von Krieg, Migration und Protestbewegungen als Treiber politischen Wandels. Für Regierungen, internationale Organisationen und zivilgesellschaftliche Akteure liefert sie empirisch fundierte Analysen, um Destabilisierungsmuster zu verstehen und Resilienz liberaler Institutionen zu bewerten. Ihre Arbeit ist relevant für Außenpolitik, Sicherheitspolitik und die strategische Planung von Entwicklungs- und Transformationsprogrammen in Krisenregionen.
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Prof. Dr. Gwendolyn Sasse
HU-FIS-Profil ↗Das liberale Skript, verstanden als Ideen und institutionelle Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips individueller Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Innerhalb liberaler Gesellschaften stellen populistische Bewegungen und Parteien die vorherrschende Interpretation liberaler Ideen in Frage. Das liberale Skript sieht sich nicht zum ersten Mal weitreichenden Herausforderungen gegenüber. Es hat sich durch die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern innerhalb und außerhalb liberaler Gesellschaften entwickelt. Die gegenwärtigen Herausforderungen überraschen im historischen Vergleich aber insofern, als sie trotz abnehmender Anzahl zwischenstaatlicher Kriege, anhaltender Wachstumsraten und dem Rückgang absoluter Armut in vielen Ländern des globalen Südens, moderater Arbeitslosenzahlen in den meisten Volkswirtschaften des globalen Nordens sowie einer allgemeinen Verbesserung des Human Development Index auftreten. Der Exzellenzcluster SCRIPTS betrachtet die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das liberale Skript aus einer historischen, globalen und vergleichenden Perspektive mit dem Ziel, Antworten auf drei Fragenkomplexe zu geben: (1) In welchem Maße hinterfragen Herausforderer des liberalen Skripts seinen Kern? Welche Alternativen gibt es zum liberalen Gesellschaftsmodell, und welche normative Wirkungskraft entfalten sie? Wie verhalten sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu früheren Anfechtungen?(2) Welche Ursachen haben diese Auseinandersetzungen? Unter welchen Bedingungen verliert oder gewinnt das liberale Skript an normativer Wirkungskraft, wann steigt die Bedeutung alternativer Skripte? Haben sich die Ursachen für die Herausforderungen des liberalen Skripts über die Zeit verändert?(3) Welche Auswirkungen haben die Auseinandersetzungen um das liberale Skript? Handelt es sich bei den Herausforderungen um temporäre Erscheinungen oder langfristige Entwicklungen, die zum Relevanzverlust des liberalen Skripts führen? Welche Folgen haben die Auseinandersetzungen für Politik, Gesellschaft und Individuen sowie für die globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert?Um diese Fragen zu beantworten, integriert SCRIPTS Sozialwissenschaften und Regionalstudien mit ihren westlichen und nicht-westlichen Perspektiven, ihren quantitativen und qualitativen Methoden sowie generalisierenden Konzepten und lokalen Wissensbeständen. Das Konzept der doppelten Reflexivität verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Unser Ziel ist verallgemeinerungsfähiges Wissen, das sich dennoch der Relativität der Wissensproduktion bewusst ist. Dieser Ansatz verbindet unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge auf konstruktive Weise. Er erlaubt dem Cluster, neue Antworten und Einsichten auf einige der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu finden.
Geopolitics · DOI
This article reports original survey data collected in both parts of the divided Donbas region of Ukraine on the eve of Russia’s full-scale invasion in February 2022. The research employs a methodological innovation by having the same telephone survey implemented by three different survey agencies: one based in Ukraine, one based in Russia, and one based in the UK. Comparing similarities and differences in results identify key effects induced by the origin of phone calls. The question of preference for final status in Ukraine or Russia was asked in all four samples. Regression model results are very similar for the two samples in the territories of Donbas under Kyiv’s control but there are significant differences between the Ukrainian and Russian survey companies’ results in the non-government controlled areas. The results reflect a situational response due partly to the origin of the phone calls as well as to important demographic differences in the composition of the sub-samples in a very tense environment that had experienced conflict since 2014.
osteuropa · DOI
Wars do not fall from the sky. They have a pre-history. The constellation for a conflict consists of various factors involving domestic politics, foreign policy, and international relations. In the case of Russia’s war on Ukraine, the Putin regime’s radicalization into autocracy and its dissociation from the West combined with Ukraine’s simultaneous democratisation and increasingly Western orientation are the central factors that explain the conflict’s dynamics, made the outbreak of war more likely, and influence the dynamics of warfare as well.
Das liberale Skript, verstanden als Ideen und institutionelle Vorgaben für die Organisation von Gesellschaften auf der Basis des Kernprinzips individueller Selbstbestimmung, steht unter Druck. Einige der größten Herausforderungen für liberale Demokratien gehen von autoritären Staaten sowie nichtstaatlichen Gewaltakteuren aus, die liberale Werte ablehnen. Innerhalb liberaler Gesellschaften stellen populistische Bewegungen und Parteien die vorherrschende Interpretation liberaler Ideen in Frage. Das liberale Skript sieht sich nicht zum ersten Mal weitreichenden Herausforderungen gegenüber. Es hat sich durch die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern innerhalb und außerhalb liberaler Gesellschaften entwickelt. Die gegenwärtigen Herausforderungen überraschen im historischen Vergleich aber insofern, als sie trotz abnehmender Anzahl zwischenstaatlicher Kriege, anhaltender Wachstumsraten und dem Rückgang absoluter Armut in vielen Ländern des globalen Südens, moderater Arbeitslosenzahlen in den meisten Volkswirtschaften des globalen Nordens sowie einer allgemeinen Verbesserung des Human Development Index auftreten. Der Exzellenzcluster SCRIPTS betrachtet die gegenwärtigen Auseinandersetzungen um das liberale Skript aus einer historischen, globalen und vergleichenden Perspektive mit dem Ziel, Antworten auf drei Fragenkomplexe zu geben: (1) In welchem Maße hinterfragen Herausforderer des liberalen Skripts seinen Kern? Welche Alternativen gibt es zum liberalen Gesellschaftsmodell, und welche normative Wirkungskraft entfalten sie? Wie verhalten sich gegenwärtige Auseinandersetzungen zu früheren Anfechtungen?(2) Welche Ursachen haben diese Auseinandersetzungen? Unter welchen Bedingungen verliert oder gewinnt das liberale Skript an normativer Wirkungskraft, wann steigt die Bedeutung alternativer Skripte? Haben sich die Ursachen für die Herausforderungen des liberalen Skripts über die Zeit verändert?(3) Welche Auswirkungen haben die Auseinandersetzungen um das liberale Skript? Handelt es sich bei den Herausforderungen um temporäre Erscheinungen oder langfristige Entwicklungen, die zum Relevanzverlust des liberalen Skripts führen? Welche Folgen haben die Auseinandersetzungen für Politik, Gesellschaft und Individuen sowie für die globalen Herausforderungen im 21. Jahrhundert?Um diese Fragen zu beantworten, integriert SCRIPTS Sozialwissenschaften und Regionalstudien mit ihren westlichen und nicht-westlichen Perspektiven, ihren quantitativen und qualitativen Methoden sowie generalisierenden Konzepten und lokalen Wissensbeständen. Das Konzept der doppelten Reflexivität verbindet diese unterschiedlichen Perspektiven. Unser Ziel ist verallgemeinerungsfähiges Wissen, das sich dennoch der Relativität der Wissensproduktion bewusst ist. Dieser Ansatz verbindet unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge auf konstruktive Weise. Er erlaubt dem Cluster, neue Antworten und Einsichten auf einige der wichtigsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit zu finden.
Gwendolyn Sasse forscht zu Demokratie und Autoritarismus, den Transformationsprozessen in Osteuropa sowie zu den Dynamiken von Krieg, Migration und Protestbewegungen. Sie studierte Geschichte, Slawistik und Politikwissenschaft und wurde an der London School of Economics promoviert. Im Anschluss lehrte sie an der Central European University, an der London School of Economics sowie an der University of Oxford, wo sie 2013 zur Professorin in Comparative Politics im Department of Politics and International Relations und in der School of Interdisciplinary Area Studies berufen wurde. Zudem ist sie Non-Resident Senior Fellow beim Think Tank Carnegie Europe. Seit 2016 ist sie die Wissenschaftliche Direktorin des Zentrums für Osteuropa- und internationale Studien in Berlin. Ab April 2021 verbindet sie diese Tätigkeit mit ihrer Einstein-Professur in der „Vergleichenden Demokratie- und Autoritarismusforschung“ an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Open MIND · DOI
"Der Begriff "Resilienz" prägt die Debatten über den zivilen und militärischen Widerstand der Ukraine." Er spricht die Emotionen der Menschen an und hat eine mobilisierende Wirkung im In- und Ausland. Gleichzeitig können bestimmte Annahmen über Resilienz zu blinden Flecken und ineffektiver Unterstützung führen. Dieser ZOiS Report untersucht die Spannungen zwischen Stabilität und Veränderung – Bewältigung, Anpassung, Transformation –, die der Resilienz eigen sind. Anhand von Erkenntnissen aus den Bereichen Dezentralisierung, Pflege, Trauma und wirtschaftliche Entwicklung wird gezeigt, wie sich Individuen, Gemeinschaften und Institutionen in Kriegszeiten anpassen, während strukturelle und persönliche Herausforderungen bestehen bleiben oder neu entstehen. Der ZOiS Report möchte eine differenziertere, politikrelevante Debatte über verschiedene Pfade der Resilienz anstoßen.