Prof. Wendebourg erforscht die Reformationsgeschichte des 16. Jahrhunderts mit Fokus auf die Verbindungen und Unterschiede zwischen der Reformation im Heiligen Römischen Reich und auf den Britischen Inseln. Sie arbeitet dabei an einer vergleichenden Perspektive, die nationale Reformationsnarrative überwindet und transnationale Verflechtungen sichtbar macht. Für Institutionen, Archive und Museen bietet dieser Ansatz neue Wege, Reformationsbestände und -narrative neu zu kontextualisieren und in internationalen Forschungsverbünden zu erschließen.
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Prof. Dr. Dorothea Wendebourg
HU-FIS-Profil ↗Am 5. Februar 2007 jährte sich zum 300sten Male der Todestag Philipp Jakob Speners. Mit Spener starb eine der wichtigsten und einflußreichsten Personen in der Geschichte des Protestantismus. War er doch der Begründer des Pietismus, der bedeutendsten Erneuerungsbewegung der evangelischen Kirchen, die weit über Deutschland hinaus auch in andere Länder und Kontinente ausstrahlte. Geboren (1635) und aufgewachsen im Elsaß, wirkte Spener zwanzig Jahre als leitender Geistlicher in Frankfurt am Main. In dieser Zeit entstand der Pietismus, dem Spener 1675 mit seinen Pia Desiderata die Programmschrift verfaßte. Anschließend bekleidete er das Amt des Hofpredigers in Dresden, das höchste Amt des deutschen Luthertums, bis er schließlich als Konsistorialrat und Propst an St. Nikolai nach Berlin ging, seiner letzten Station, von der aus er die Verbreitung des Pietismus mit Wort und Tat förderte. Das Symposion bot ein umfassendes Bild von Speners Leben und Werk und seinen vielfältigen Einflüssen auf Kirche, Theologie und Gesellschaft nach dem neuesten Stand der Forschung
Das aus Anlass des 450. Jahrestages des Elizabethan Settlement stattgefundene Symposion hatte das Ziel, die Reformationsgeschichte Deutschlands und Englands in ihrer wechselseitigen Beziehung zu beleuchten. Damit war es die erste wissenschaftliche Veranstaltung zu diesem Thema, die unter Beteiligung angelsächsischer und deutscher Wissenschaftler die Vorgänge im Alten Reich und in England zusammen und mit Blick auf zwischen ihnen bestehende Abhängigkeiten behandelte.Die Gesichtpunkte, unter denen der Gegenstand des Symposions angegangen wurde, sind die Frage nach den Wegen, auf denen Kenntnisse und Einflüsse der Reformation im Reich nach England gelangten, die theologischen und liturgischen Einwirkungen, die hier festzustellen sind, die politische Dimension des reformatorischen Austausches und die Formen der Konsolidierung der Reformation durch den Augsburger Religionsfrieden auf der einen und das Elizabethan Settlement auf der anderen Seite. Den Abschluss bildete ein Blick auf das heutige Verhältnis zwischen dem deutschen Protestantismus und der Kirche von England.
Ecclesiology · DOI
Reformation and Renaissance Review · DOI
ABSTRACTThis article considers how Martin Luther’s attitude to the Jews is related to his theology. Focusing on justification, Christology, Old Testament hermeneutics, ecclesiology, and the two-kingdom notion, the article aims at understanding more precisely the theological motives behind Luther’s attitude to Jews, at finding out whether questionable features of his theology surfaced in this, and at assessing what the price would be of possible changes in the theological view of Judaism for the whole of Lutheran theology.
Ecclesiology · DOI
2009 ist ein reformationsgeschichtliches Jubiläumsjahr in vielfältiger Hinsicht. Zum einen jährt sich zum 500sten Mal der Geburtstag Johannes Calvins, dessen schon in verschiedensten Formen gedacht wird. Zum anderen ist 2009 das 450. Jahr des Elizabethan Settlement, mit dem die englische Reformation abgeschlossen und die Anglikanische Kirche endgültig etabliert wurde, eine Parallele zum Augsburgischen Religionsfrieden in unseren Breiten, dessen 450. Jahrestag vor vier Jahren begangen wurde.Aus diesem Anlass findet an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ein deutsch-angelsächsisches Symposion statt, das die Reformationsgeschichte Deutschlands und Englands in ihrer wechselseitigen Beziehung beleuchtet. Es ist die erste wissenschaftliche Veranstaltung dieser Art; bislang wurden die Vorgänge im Alten Reich und in England jeweils auf separaten Tagungen diesseits und jenseits des Kanals abgehandelt. So blieben die nicht geringen Interdependenzen, wenn man sie überhaupt wahrnahm, ganz am Rande des Bewusstseins. So kamen aber auch die reformationsgeschichtlichen Forschungstraditionen im deutschen und im angelsächsischen Bereich kaum in eine Diskussion miteinander. Das Symposion will eine solche Diskussion eröffnen.Das Thema wird unter verschiedenen Gesichtpunkten angegangen: Es wird den vielfältigen Wegen nachgegangen, auf denen Kenntnisse und Einflüsse der Reformation im Reich nach England gelangten. Dabei finden die persönlichen Beziehungen besondere Beachtung, wie sie verstärkt durch das Exil englischer Evangelischer unter Maria Tudor und deutscher nach dem Interim zustandekamen. Weiter kommen die theologischen und liturgischen Einflüsse zur Sprache, die sich auf literarischem Wege wie durch die persönlichen Kontakte ergaben, zugleich wird aber auch nach der Art der Verarbeitung solcher Einflüsse gefragt, die der Reformation auf beiden Seiten des Kanals ein je unterschiedliches Profil verlieh. Es wird die politische Dimension angesprochen, die insbesondere in den Annäherungen Heinrichs VIII. an den Schmalkaldischen Bund zu greifen ist. Es werden parallele Ereignisse wie die Eheprobleme König Heinrichs VIII. und Landgraf Philipps von Hessen und ihre Lösungen oder die Konsolidierung der Reformation durch den Augsburger Religionsfrieden und das Elizabethan Settlement erörtert. Zum Schluß wird noch ein Sprung in die Gegenwart gewagt und das heutige Verhältnis zwischen dem deutschen Protestantismus und der Kirche von England beleuchtet.