Dr. Clemens Wustmans erforscht aus theologisch-sozialethischer Perspektive aktuelle Fragen der Gerechtigkeit und des Zusammenlebens in modernen Gesellschaften. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Räume und Beziehungen zwischen Mensch und Tier, das Recht auf urbanen Wohnraum in Ballungsgebieten sowie normative Grundlagen des bedingungslosen Grundeinkommens im Kontext von Digitalisierung und flexibilisierter Arbeit. Für Unternehmen und die öffentliche Hand relevant sind seine Analysen zur ethischen Begründung von Sozialleistungen, zur Gestaltung urbaner Räume und zur Neuordnung von Arbeitsbeziehungen in sich wandelnden Wirtschaftssystemen.
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Dr. Clemens Wustmans
HU-FIS-Profil ↗Aus theologisch-sozialethischer Perspektive wird die Frage nach der Angemessenheit von Wohnraum und seiner Verfügbarkeit in Ballungsgebieten und Metropolen und nach der ethischen Begründbarkeit eines individuellen Rechts auf öffentliche Gewährleistung urbanen Wohnraums untersucht.
Ob abstrakt oder konkret, Beziehungen zwischen Mensch und Tier können stets räumlich gefasst werden. Dies reicht vom Zusammenleben in privaten Wohnräumen über zufällige Begegnungen beim Waldspaziergang bis zum Wunsch nach Tiersegnungsgottesdiensten und gemeinsamer Bestattung von Mensch und Tier. Räume der Mensch-Tier-Beziehung sind vielfältig in die Gesellschaft eingezeichnet und prägen diese zutiefst. Sie sind dabei nicht als statische Gebilde zu verstehen, sondern vielmehr dynamisch veranlagt und von unterschiedlichen Machtasymmetrien durchzogen. Neben evangelisch-, katholisch- und islamisch-theologischen Beiträgen schärfen interdisziplinäre Perspektiven und Orientierungen das Profil des Bandes als Öffentliche Theologie in pluralen, zunehmend kontrovers geführten Gesellschaftsdiskursen.
Zeitschrift für Evangelische Ethik · DOI
Article Dirk Sondermann: Vorrang für die Arbeit. Die Sozial- und Arbeitsethik Günter Brakelmanns. Ihre Entwicklung in Bezug auf das Eigentum, die Mitbestimmung und die Humanisierung der Arbeitswelt in Theorie und Praxis (Schriften des Netzwerks zur Erforschung des Sozialen Protestantismus Bd. 4), Berlin: Lit Verlag 2023, 390 S., ISBN 978-3-643-15264-0, € 39,90. was published on January 31, 2026 in the journal Zeitschrift für Evangelische Ethik (volume 70, issue 1).
Sozialer Fortschritt · DOI
Ein Blick auf die Geschichte der bundesdeutschen Vermögenspolitik zeigt, dass sie gerade in ihren Anfängen maßgeblich von sozialkatholischen und -protestantischen Initiativen beeinflusst wurde. So trugen beide Kirchen, Theologen sowie konfessionell geprägte Ökonomen in den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende dazu bei, dass bundesweit um eine gerechte Eigentumsverteilung debattiert wurde. Unter dem Leitgedanken “Eigentumsbildung in Arbeiterhand“ konnte dabei vor allem die Idee des Investivlohns für Aufsehen sorgen. Seit den 1970er Jahren nahmen kirchliche Vorschläge allerdings einen geringer werdenden Stellenwert in der Vermögenspolitik ein. Trotz des erneuten Aufkeimens der Debatte Anfang der 1990er sind die vermögenspolitischen Stimmen der Kirchen mittlerweile verstummt. Fair Distribution of Wealth – A Muted Discourse of the Churches? A look at the history of Western German asset policy shows that in its beginnings, it was significantly influenced by Catholic and Protestant social initiatives. In the first decades after the end of the Second World War, the Catholic as well as the Protestant church in Germany, theologians and confessionally inclined economists contributed to a nationwide debate over a fair distribution of wealth. Notably, the concept of the ‘investment wage’ that followed the guiding principal of ‘employee-owned capital accumulation’ gained political significance. Since the 1970s, however, church proposals have become less important in asset policy. Despite the resurface of the debate in the early 1990s, church statements regarding asset policy are by now absent. JEL-Klassifizierung: D31, E65, Z12
Konzepte für ein bedingungsloses Grundeinkommen haben angesichts der Dynamisierung der Arbeitsgesellschaft durch digitalen Wandel und Flexibilisierungen von Arbeitsverhältnissen ebenso wie vor dem Hintergrund der CoVid19-Krise und nicht zuletzt forciert durch zivilgesellschaftliche Initiativen auch im deutschsprachigen Raum in öffentlichen Diskursen (wieder) an Aktualität gewonnen. Zudem spielt das BGE eine zunehmend wichtige Rolle in Debatten zur Überwindung von Armut im globalen Süden. Da die praktische Bewährung von Konzepten eines bedingungslosen Grundeinkommens – bis auf wenige Pilotprojekte – faktisch aussteht, vorliegende Entwürfe sich hinsichtlich ihrer normativen Grundierungen und sozialpolitischen Parameter erheblich unterscheiden und sich damit eine disparate Beurteilungslage ergibt, stellt auch die wissenschaftliche Erörterung des Verständnisses der Normativität von BGE-Modellen in ihren sozialpolitischen Kontexten weitgehend ein Desiderat dar. Auch im Kontext christlicher Sozialethik besteht bisher eine Forschungslücke, zumal sich gerade die protestantische Ethik in der Folge der Aufwertung des Berufsbegriffs in der Regel als Impulsgeberin für ein striktes Arbeitsethos verstand und das Verhältnis zu einem BGE besonders umstritten ist. Auch wissenschaftliche Netzwerke, die sich mit dem Grundeinkommen beschäftigen, partizipieren an der politischen Strittigkeit des Grundeinkommens und oszillieren damit zwischen Aktivismus und wissenschaftlicher Reflexion. Das Projekt verfolgt daher eine zweiteilige Forschungsfrage: 1. Welche expliziten wie impliziten normativen Begründungen eines bedingungslosen Grundeinkommens lassen sich aufweisen, in welchen Kontexten und mit welcher Ausprägung? 2. Und: Welche Typologien lassen sich entwickeln, um anhand von Historisierung und Kontextualisierung Debatten um das BGE zu strukturieren und grundlegende Normativitäten vergleichend zu systematisieren? Untersucht werden Modelle und Diskurse hinsichtlich ihrer normativen Grundierungen. Sie sollen unter Einbezug anthropologischer, gerechtigkeitstheoretischer, nachhaltigkeitsorientierter und intersektionaler Gender-Perspektiven systematisiert und ihre Typologien auch in historischer Perspektive kategorisiert werden. Wichtige Materialgrundlage sind dabei auch Online-Diskurse in sozialen Medien, die zunehmend als wichtige öffentliche Plattformen der Diskussion dieser Fragen fungieren. Eine komparative Perspektive, die die Plausibilität im Kontextvergleich prüft, eröffnet sich durch Kooperation mit Partner:innen im globalen Süden. Hier kommen mit Namibia und Südafrika exemplarisch Länder in den Blick, in denen eine intensive Debatte über Grundeinkommens-modelle vorliegt. Im Ergebnis wird die Erarbeitung eines systematisierenden Überblicks über die normativen Grundierungen der Modelle und Typologien des BGE, der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurse in diesem Feld sowie eine kontextsensible normative normative Kriteriologie angestrebt.
Universitätsbibliothek Tübingen · DOI
Gesellschaftskritik, Gegenstand des investigativen Journalismus ebenso wie der Sozialethik als Teil des Wissenschaftsdiskurses, er-reicht Öffentlichkeit(en) auch in verschiedenen Formen satirischer Darstellungen. Der Text spürt als medienethische Kritik der satiri-schen Kritik den Chancen und Grenzen dieser speziellen Darstel-lungsästhetik nach, zieht systematisierende Vergleiche zu anderen Formen von Gesellschaftskritik und fragt ausblickend nach dem ori-ginär theologischen Ertrag des satirisch vorgebrachten kritischen Blicks auf gesellschaftliche Realitäten. Social criticism is subject of investigative journalism as well as of the social ethics, but also given to the public in various forms of satirical contributions. As media-ethical criticism of this satirical criticism, the text traces the opportunities and limits of this particular aesthetics, compares it to other forms of criticism of society, and looks for the originally theological yield of the satirically-presented critical view on social realities.