Prof. Borgolte leitet den Aufbau des Zentralinstituts für Islamische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und erforscht dabei die Ideengeschichte des Islam in der nachklassischen Periode. Sein Schwerpunkt liegt darauf, die Vielfalt der islamischen Gedanken- und Gesellschaftsgeschichte als Grundlage für die akademische Disziplin der Islamischen Theologie nutzbar zu machen. Damit adressiert er die Lücke zwischen traditioneller Islamwissenschaft und theologischer Ausbildung im deutschsprachigen Raum. Das Institut schafft eine neue Forschungs- und Lehrinfrastruktur für Hochschulen und trägt zur Professionalisierung der Islamischen Theologie als eigenständiges Fachgebiet bei.
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Prof. Dr. phil. Michael Borgolte
HU-FIS-Profil ↗Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im Juli 2005 das Schwerpunktprogramm 1173 „Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter“ für 6 Jahre eingerichtet. Es umfasst für einen ersten Bewilligungszeitraum (2005-2007) 21 Einzelprojekte, die dezentral an 14 deutschen Universitäten betrieben werden. Die Koordination des Schwerpunktprogramms (SPP) liegt bei den Professoren Michael Borgolte (Humboldt-Universität zu Berlin) und Bernd Schneidmüller (Ruprecht-Karls Universität Heidelberg), die auch als Sprecher des SPP fungieren. Außerdem arbeiten an beiden Universitäten zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen als Koordinatorinnen, die jeweils mit einem eigenen Forschungsprojekt am SPP beteiligt sind.Das Ziel des Schwerpunktprogramms liegt in der genaueren Erkenntnis eines pluralistisch aufgefassten europäischen Mittelalters durch beziehungsgeschichtliche und komparative Studien. Zur Analyse dieser komplexen Wechselwirkungen ist das Schwerpunktprogramm interdisziplinär angelegt und ermöglicht die Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus derzeit 12 Einzeldisziplinen: Archäologie, Architekturgeschichte, Byzantinistik, Germanistik, Islamwissenschaften, Judaistik, Kunstgeschichte, Mittelalterliche Geschichte, Osteuropäische Geschichte, Philosophie, Theologie und Turkologie.In drei interdisziplinären Arbeitsforen, in denen die einzelnen Forschungsprojekte methodisch eng miteinander vernetzt werden, sollen verschiedene Aspekte des Themas erarbeitet werden: Wahrnehmungsweisen und Formen gedanklicher Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Realbegegnungen von Menschen und Gruppen verschiedener Kulturkreise und die Frage nach den Ursachen für Ausgleich und Entzweiungen.
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Bei der Betrachtung des europäischen Mittelalters unter dem Aspekt der Globalität treten Verflechtungen hervor, die auf Migrationen, imperialen Expansionen oder Handelsbeziehungen beruhen (J. H. Bentley). Insbesondere der Bewegungsbegriff der Migration ist dabei "wahlverwandt" mit dem Konzept der Transkulturalität, da dieses Kultur nicht mit "Einheit" und "Identität" in Verbindung bringt, sondern als unaufhörlichen Prozeß des Wandels erfassen soll. Migration als transkulturelle Verflechtung zu verstehen, bietet sich beispielsweise an, um die Blockaden bei der internationalen Debatte um die "germanische Völkerwanderung" zu lösen und die einseitige Auffassung von der Spätantike als "Transformation of the Roman World" zu überwinden. Wie am Fall der normannischen Eroberung Englands gezeigt werden kann, lassen sich mit einem Verständnis unterschiedlich ausgeprägter kultureller Vermischungen auch polare Gegensätze in der Urteilsbildung auflösen, die auf generalisierenden und homogenisierenden (M. Chibnall) oder partikularisierenden und essentialisierenden (M. T. Clanchy) Zugriffen beruhen.
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Zusammenfassung Nach der schriftlichen Überlieferung lassen sich Stiftungen bis etwa 3000 v. Chr. zurückverfolgen und in Babylon und Ägypten auffinden. Sie dienten demnach ursprünglich dem Kult, genauer der Ernährung, der Götter sowie der Versorgung der Ahnen für ihr postmortales Dasein. Erst seit der sogenannten Achsenzeit, nach Karl Jaspers um die Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr., ging es bei Stiftungen um den Menschen, und zwar um den Stifter selbst oder bestimmte von ihm im Sinne der Wohltätigkeit Begünstigte. Die monotheistischen Religionen Vorderasiens, die in dieser Hinsicht vielleicht durch den persischen Zoroastrismus beeinflusst wurden, haben den sehr erfolgreichen Typ der Stiftungen für das Seelenheil entfaltet. Dieser trat neben oder an die Stelle der älteren Stiftungen für die Seele, die lediglich die nachtodliche Weiterexistenz fördern sollten, und zielte auf eine gesteigerte, glückselige Existenzform durch die Gnade oder in der Nähe Gottes. Die zweite universalhistorische Zäsur brachte dem Stiftungswesen erst die Moderne, indem sie das religiös begründete Motiv der dauernden Zwecksetzung des Stiftungskapitals aufhob. Die „operativen“ und „Gebrauchsstiftungen“ der Gegenwart, im Wesentlichen eine amerikanische Erfindung, brechen mit einer jahrtausendealten Sinngebung, um der Erfahrung des unaufhaltsamen gesellschaftlichen und kulturellen Wandels gerecht zu werden.
In dem Forschungsprojekt sollen die Säkularisation von Kirchengut beziehungsweise andere Gefahren für den Bestand von Stiftungen von seiten staatlicher Gewalt in den Bereichen der orthodoxen und der westlichen Christenheit vergleichend untersucht werden. Der Reiz der Aufgabe liegt darin, dass der Forschungsstand verschieden ist und beide Seiten durch den Vergleich bessere Einsichten über das jeweilige Verhältnis von Staat und Kirche erwarten dürfen. Für Lateineuropa sollen möglichst alle bekannten Vorgänge von Säkularisation darauf hin untersucht werden, welche Rückwirkungen sich auf die Funktionsfähigkeit von Stiftungen an die Kirche und auf die Neuerrichtung von Stiftungen feststellen lassen. Anzusetzen ist dabei bei einer systematischen Untersuchung herrscherlichen Handelns, insbesondere im Kontext von Kriegen oder anderen außerordentlichen Belastungen der Staaten. Die westeuropäischen Länder und Reiche mit ihren langdauernden Konflikten (England/Frankreich; Expansion des angevinischen Reiches nach Wales und Irland; Reconquista der christlichen Reiche Spaniens nach al-Andalus) dürften sich hier noch eher als Untersuchungsobjekte anbieten als das vergleichsweise friedliche römisch-deutsche Reich. Für Byzanz ist mit John Thomas (San Francisco, USA) der beste Kenner des Stiftungswesens im griechischen Mittelalter gewonnen worden. Thomas soll die These von Peter Charanis (1948) überprüfen, nach der die übermäßige Förderung klösterlicher Stiftungen und die mangelnde Bereitschaft der Äbte, den Reichtum ihrer Häuser dem Staat zur Verfügung zu stellen, zum Fall und Untergang des Reiches geführt hat. In diesem Zusammenhang sind alle Versuche der Kaiser zu studieren, das Steueraufkommen zu erhöhen, neue staatliche Einkunftsmöglichkeiten zu erschließen und den Besitz religiöser Stiftungen zu konfiszieren. Thomas bringt für die geplante Untersuchung durch seine grundlegenden Studien zum byzantinischen Stiftungswesen beste Voraussetzungen mit; er kann auch darauf verweisen, dass seit Charanis neue Quellen zugänglich geworden seien (zum Beispiel vom Mönchsberg Athos).
Das Projekt fragt nach Funktion und Bedeutung sprachlicher Phänomene (Reflexion und Praxis) für Formen kultureller Integration und Desintegration/Partikularisation in Europa und die Konstitution seiner Peripherien. Sein primäres Untersuchungsfeld sind Nordeuropa und der Ostseeraum sowie der Nordwestrand des Mittelmeers unter Bezug auf das grammatische Schrifttum Lateineuropas im Hochmittelalter; vergleichend werden die atlantischen Inseln im Frühmittelalter sowie Syrien herangezogen. Seine Gegenstände sind die theologische Sinngebung sprachlicher Zustände, die linguistische Figurierung von Welterklärung sowie – in einem zweiten Abschnitt – die korrespondierenden sozialen Praktiken, die an wohlgewählten, für die Gesamtheit signifikanten Fällen untersucht werden sollen. Im hier beantragten Zeitraum soll in vergleichender Perspektive ein Teilaspekt dieses zweiten Abschnitts, nämlich die linguistische Konstitution von Herrschaft in plurikulturalen Kontaktzonen, anhand volkssprachlicher Königschroniken des Hochmittelalters behandelt werden.
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