Prof. Wildt erforscht die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts mit Fokus auf Diktaturen und illiberale Regime, insbesondere deren Gesellschaftsstrukturen und Machtverhältnisse. Aktuelle Projekte untersuchen, wie Alltagspraktiken wie Alkoholkonsum unter autoritären Bedingungen politisch gesteuert wurden, sowie die Geschichte von Zwangsarbeit in besetzten Gebieten (Serbien 1941–1946). Für Unternehmen und öffentliche Institutionen relevant sind seine Methoden zur Rekonstruktion von Wirtschafts- und Arbeitssystemen unter extremen politischen Bedingungen sowie zur Aufarbeitung von Unternehmensgeschichte in diktatorischen Kontexten. Seine Arbeiten verbinden Archivforschung mit transnationalen Perspektiven und machen komplexe historische Zusammenhänge für Bildung und Gedächtniskultur zugänglich.
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Prof. Dr. Michael Wildt
HU-FIS-Profil ↗Die Tagung untersucht diese Medialitäten der Gewalt und ihres Wandels in der neueren Geschichte. Damit soll zugleich das innovative Potential der in jüngster Zeit expandierenden Visual History aufgenommen und auf den Gegenstand der Gewalt hin angewandt werden. Gefragt werden soll dabei nach der Formung, die Gewalt durch die Art ihrer Repräsentation erfahren hat, sowie nach den multiplen Wirkungen, die mit der Darstellung von Gewalt einhergingen.
Das Forschungsvorhaben, das im Rahmen des geplanten umfassenden Kulturprojekts des Berliner Senats "Zerstörte Vielfalt. Berlin im Nationalsozialismus" durchgeführt wird, soll folgende Fragen beantworten: Wie haben die Nationalsozialisten die Macht im "roten Berlin" erobert und durchgesetzt? In welchen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gelang es den Nationalsozialisten, politische Schaltpositionen und Deutungsmacht zu erringen? Wo verblieben Nischen? Wie reagierten die Volksgenossen auf die Ausgrenzung großer Teile der Stadtbevölkerung? Wie wirkten sich Krieg, Bombardement und Zwangsarbeit schließlich auf die Stadt aus?
Michael Wildt bietet eine moderne, problemorientierte und auf die neueste Forschung gegründete Geschichte des Nationalsozialismus. Seine kompakte Einführung reicht von der Entstehung der nationalsozialistischen Bewegung aus dem Ersten Weltkrieg und ihrem Aufstieg in der Weimarer Republik über den Machtantritt und ihre Umwandlung der deutschen Gesellschaft bis hin zum Massenmord und Zerfall im Krieg. Grundkurs Neue Geschichte: - knappe, problemorientierte Einführungen in historische Fragestellungen, Epochen und Theorien - ausführliche Hinweise auf weiterführende Literatur - ergänzende Materialien für Studierende und Lehrende im Internet [...] Ganz sicher gilt dies für Wildts Monographie, die eine Art erweitertes Abiturwissen bietet, was keineswegs abwertend zu verstehen ist. Vielmehr entspricht eine solche Darstellung eben jenen Anforderungen, die der Bachelor in der Lehre vermehrt stellt, was immer man davon halten mag. Diese auf so bemerkenswertem Niveau zu befriedigen, wie es Wildt gelingt, ist daher nicht hoch genug einzuschätzen. [...] H-Soz-u-Kult - Felix Krämer - 30/07/2008
Journal of Modern European History · DOI
Journal of Genocide Research
Berlin war im Untersuchungszeitraum einerseits eine jüdische Metropole, in der zeitweilig mehr als 170.000 Juden lebten, andererseits aber auch Schauplatz gewaltsamer Verfolgung. Auf Gewalt und Entrechtung reagierten die jüdischen Berlinerinnen und Berliner mit vielfältigen Strategien zur Selbstbehauptung, die bislang ebenfalls nur am Rande in den Blick der Forschung gekommen sind. Beide Forschungsprojekte sind auf einander bezogen, bilden zwei Perspektiven auf einen gemeinsamen Untersuchungsgegenstand, die ergänzt werden durch eine Untersuchung der zeitgenössischen internationalen Reaktionen auf die Ereignisse in Berlin.Das Forschungsvorhaben versteht sich als gemeinsames Projekt der Humboldt-Universität zu Berlin und der Hebrew University Jerusalem. Inhaltlich wird die Hebrew Universität sich auf die Behauptungsstrategien und die Humboldt-Universität auf die Entrechtung und Verfolgung konzentrieren.Außerdem soll eine von der Hebrew University ausgerichtete internationale Konferenz stattfinden, auf der die Forschungsergebnisse zu Entrechtung, Verfolgung und Selbstbehauptung der Juden in Europa in der Zwischenkriegszeit vergleichend diskutiert werden.Darüber hinaus soll mit der Konferenz die Initiative zur Etablierung einer internationalen Forschergruppe, finanziert mit Mitteln der DFG, gegeben werden.
This article examines the historical reality as well as the discourse on the singularity of the Holocaust in Germany. After an excursus on the Historikerstreit (Historians Dispute) in 1986, which resulted in a specific consensus on the interpretation of the Holocaust, the article describes the development of research since then, which led to a different result, namely to understand the Holocaust as a complex violent event with different groups of perpetrators and victims, which must be placed in the context of a European history of violence. The thesis of the singularity of the Holocaust not only no longer reflects this research development, but also blocks an appropriate culture of remembrance, which should be open and “multidirectional” (Michael Rothberg) without relativizing the specificity of the mass murder of European Jews.