Prof. Bultmann erforscht die Strukturen und Konflikte von Machteliten in globaler Perspektive, insbesondere wie sich Elitennetzwerke in verschiedenen Ländern (Kambodscha, Ghana, Argentinien, Spanien) bilden, konkurrieren und Macht ausüben. Er verbindet dabei Friedens- und Konfliktforschung mit soziologischen Theorien (Bourdieu, Mills), um zu verstehen, wie Elitenkonflikte entstehen und gesellschaftliche Stabilität oder Instabilität beeinflussen. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen ist dieses Wissen relevant, um politische Risiken, Governance-Strukturen und Handlungsfähigkeit in Ländern mit fragmentierten oder konkurrierenden Elitennetzwerken besser einzuschätzen. Seine Forschung liefert empirisch fundierte Analysen darüber, wie Machtverhältnisse in verschiedenen Kontexten funktionieren und welche Faktoren Stabilität oder Konflikt fördern.
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Prof. Dr. Daniel Bultmann
HU-FIS-Profil ↗Das Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Übergangsstrategien von Soldaten und Kommandeuren während des Prozesses der Entwaffnung, Demobilisierung und Reintegration (EDR) nicht-staatlicher bewaffneter Gruppen zu analysieren. Es geht um die Frage, welche Strategien Kombattanten anwenden, um sich eine Position in der Nachkriegsgesellschaft zu sichern, und wie sie ihren Status und ihre Ressourcen als Soldat oder Kommandeur auf einen friedensrelevanten Kontext umstellen. Die bisherige Forschung fokussierte dagegen weitestgehend auf der Messung der Effektivität von Friedensmissionen und ihren Anreizsystemen, der Analyse der notwendigen sozial-politischen und wirtschaftlichen Bedingungen einer erfolgreichen Reintegration seitens der aufnehmenden Gesellschaft sowie der Verbesserung des Programmmanagements, ohne jedoch die Übergangsstrategien der verschiedenen sozialen Gruppen im Feld mit einzubeziehen. Kombattanten treten in der Forschung oftmals nur als potenzielle ‚Störfaktoren’ auf, die sich aus weitestgehend unbekannten Motiven heraus der Reintegration und ihren Anreizen widersetzen (sogenannte "Spoiler"). Basierend auf quantitativen Erhebungen sowie qualitativen Interviews mit ehemaligen Kommandeuren und Soldaten soll die Demobilisierung dreier Guerillagruppen im Anschluss an den kambodschanischen Bürgerkrieg (1979-1999) untersucht werden. Eine zentrale Arbeitshypothese der Studie ist, dass sich die verschiedenen militärischen Ränge in den drei Guerillaverbänden aus unterschiedlichen sozialen Gruppen rekrutieren und daher auch unterschiedliche Übergangsstrategien während der Demobilisierung verfolgen. Die Strategien der Kombattanten im Übergang in Felder der Nachkriegsgesellschaft sind also sozial differenziert und darüber hinaus – so eine weiterführende Hypothese – im Habitus der Akteure verankert. Dies würde bedeuten, dass auch während massiver gesellschaftlicher Umbrüche soziale Differenzierungen fortbestehen, zugleich jedoch Übergangsstrategien der sozialen Gruppen erfordern, für die jede Gruppe entsprechend ihrer früheren Position und ihres Habitus unterschiedlich gut gerüstet ist. Das Forschungsprojekt soll hierüber einen soziologischen Ansatz zur Analyse erfolgreicher und gescheiterter Reintegration von Ex-Kombattanten liefern und ein Licht darauf werfen, mittels welcher Strategien und Ressourcen ehemalige Kommandeure und Soldaten versuchen, ihre gesellschaftliche Position in neue soziale Felder zu übertragen.
Discover Artificial Intelligence · DOI
Abstract The memorialization of mass atrocities such as war crimes and genocides facilitates the remembrance of past suffering, honors those who resisted the perpetrators, and helps prevent the distortion of historical facts. Digital technologies have transformed memorialization practices by enabling less top-down and more creative approaches to remember mass atrocities. At the same time, they may also facilitate the spread of denialism and distortion, attempt to justify past crimes and attack the dignity of victims. The emergence of generative forms of artificial intelligence (AI), which produce textual and visual content, has the potential to revolutionize the field of memorialization even further. AI can identify patterns in training data to create new narratives for representing and interpreting mass atrocities—and do so in a fraction of the time it takes for humans. The use of generative AI in this context raises numerous questions: For example, can the paucity of training data on mass atrocities distort how AI interprets some atrocity-related inquiries? How important is the ability to differentiate between human- and AI-made content concerning mass atrocities? Can AI-made content be used to promote false information concerning atrocities? This article addresses these and other questions by examining the opportunities and risks associated with using generative AIs for memorializing mass atrocities. It also discusses recommendations for AIs integration in memorialization practices to steer the use of these technologies toward a more ethical and sustainable direction.
Small Wars and Insurgencies ·
Das geplante Forschungsvorhaben verknüpft Themen der Friedens- und Konfliktforschung mit einer globalen Soziologie der Elite anhand von Beispielen aus Asien (Kambodscha), Afrika (Ghana), Lateinamerika (Argentinien) und (Spanien). Ziel ist es, eine Analyse von „Machteliten“ (nach Charles Wright Mills) als sozialem Feld im Sinne von Pierre Bourdieu durchzuführen. Dabei werden einerseits die Auswirkungen gesellschaftlicher Umbrüche, Konflikte und Gewaltereignisse auf die Struktur des Feldes untersucht. Andererseits fragt das Vorhaben nach verschiedenen sozialen Gruppen im Feld, nach Differenzen in ihrem Habitus sowie nach ihrer sozio-historischen Entstehung. Der Fokus in der Feldanalyse liegt dabei allerdings nicht auf einem rein nationalen Raum. Vielmehr werden die Felder der Macht und die sie affizierenden Prozesse auch als transregionale und globale Konfigurationen analysiert. Die Felder der Macht sind aus verschiedenen Gründen nicht deckungsgleich mit dem nationalen „Container“ (Ulrich Beck). Das Vorhaben befasst sich mit 1) der sozialgeschichtlichen Entstehung von Machteliten, 2) der aktuellen Sozialstruktur der Machtelite, 3) einer Diskursanalyse der Imagination von Macht im Feld der Macht sowie 4) einer Analyse der Habitustypen innerhalb der Elite und ihrer Konfliktaustragungsmuster. Zur Generierung von Daten werden verschiedene Methoden wie historische Studien, soziale Netzwerkanalysen in sozialen Medien, teilnehmende Beobachtungen bei Elitenevents, habitushermeneutische Interviews und von den untersuchten Akteuren produziertes Diskursmaterial verwendet. Die Studie konzentriert sich dabei explizit nicht auf politische, kulturelle oder wirtschaftliche Funktionseliten, sondern auf die Machtelite jedes Landes, die über die Besetzung von Herrschaftspositionen Kontrolle über den Staatsapparat, die Wirtschaft und vorherrschende kulturelle und religiöse Institutionen ausübt.
Current research on civil wars and conflict increasingly turns to the inner structure and functioning of state and non-state armed groups and their impact on aspects such as violent practice, internal cohesion and the dissolution of these groups during the conversion to peace. The first aim of this introduction is to set out the theme of this Special Issue on the social structure of armed groups and previous research within the field. The second aim is to introduce the contributions within the Special Issue, alongside possible trajectories of future research on the ‘meso-foundations’ of civil war and conflict.
Palgrave Macmillan UK eBooks · DOI
Since the fall of the Khmer Rouge regime in 1979, Cambodia has been largely ruled by the incumbent Cambodian People’s Party (CPP). As one of the Asia’s longest-ruling leaders, the Cambodian Premier Hun Sen has long been regarded as the ‘Strongman of Cambodia’—an almost almighty sovereign whose unthreatened rule has been secured by his reputation as a guarantor of peace, order, and prosperity following decades of genocide and civil war. In addition, Sen successfully incorporated political competitors into the party’s patrimonial networks and cronyism. In the national elections of 1998, 2003, and 2008, the CPP gained an increasing number of vote shares and parliamentary seats (41 percent or 64 seats in 1998, 47 percent or 73 seats in 2003, and 58 percent or 90 seats in 2008) despite allegations by the opposition of electoral fraud and irregularities. With no real separation of power among the executive, legislative, and judiciary branches of government, Cambodia has been described as a ‘façade democracy’ (Karbaum 2011) or a ‘hybrid democracy’ (Un 2005).