Dr. Philipp Wasserscheidt erforscht Grenzziehungen, Inklusions- und Exklusionsprozesse sowie kulturelle Multiperspektivität im Balkan und Südosteuropa, insbesondere bezüglich religiöser und ethnischer Diskurse um Muslime und Juden. Seine Arbeiten verbinden wissenschaftliche Analyse mit praktischer Feldforschung durch internationale Studienreisen und Workshops mit Studierenden und NGO-Vertretern aus mehreren Westbalkan-Ländern. Die Ergebnisse werden in Ausstellungen und Seminaren aufbereitet und adressieren damit Fragen von kulturellem Verständnis, Grenzüberschreitung und gesellschaftlicher Inklusion in einer konfliktreichen Region. Für Institutionen der Bildung, Kulturarbeit und Zivilgesellschaft bietet dieser Ansatz Methoden zur Analyse und praktischen Bearbeitung von Diskursen über Zugehörigkeit und Ausgrenzung.
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Dr. Philipp Wasserscheidt
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt besteht aus zwei Teilen. Beide Maßnahmen thematisieren bestehende konfessionelle und nationale/nationalstaatliche Abgrenzungen. Dabei geht es neben der wissenschaftlichen Analyse um die praktische Erfahrung von Aus- und Abgrenzung und mögliche Überschreitungen: a) Deutsch-serbische Studienreise inkl. Seminar und zweier Minikonferenzen „Balkanislam im Kontext“ (HU Berlin: Prof. Dr. Christian Voß, Dr. Philipp Wasserscheidt, U Belgrad: Prof. Dr. Ljiljana Glišović) b) Internationaler Workshop, u.a. mit südosteuropäischen NGOs „Jugoslawien 1918. Divergenzen, Konvergenzen, neue Forschungsansätze“ (HU Berlin: Dr. Nenad Stefanov; Belgrad: Dr. Srđan Radović) Das Projekt ist thematisch und vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe komplementär. Die Verzahnung mehrerer Ebenen des serbisch-deutschen Kontakts von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler_innen soll nachhaltig dazu beitragen, akademisches Wissen für den interregionalen Aussöhnungsprozess zur Verfügung zu stellen und den Dialog mit der Zivilgesellschaft zu suchen. a) Die Studienreise wird als Feldforschung in muslimisch besiedelte Regionen außerhalb Serbiens, nämlich nach Albanien und Makedonien, durchgeführt. Dort wird die Exkursionsgruppe einerseits mit Minderheitenvertretern vor Ort, andererseits mit ansässigen Experten und Studierendengruppen (an den Universitäten Tirana und Skopje) zusammentreffen. Vorbereitet wird dies durch ein gemeinsames deutsch-serbisches virtuelles Seminar. Die Ergebnisse und Eindrücke werden in Folge in einem Online-Reisejournal veröffentlicht und im Rahmen zweier studentischer Konferenzen verbreitet. Mit dem ersten Teilprojekt möchten wir jüngeren Akademikern und Multiplikatoren in Deutschland und Serbien zu einem differenzierteren und kontextualisierten Bild des Islam und der Muslime auf dem Balkan und in Europa zu verhelfen. Darüber hinaus stärkt es die Verzahnung von Forschung und Lehre und die Etablierung moderner und kompetenzorientierter Lehrformate in den Partneruniversitäten. b) Der Workshop fokussiert auf Transfers und Verflechtungen zwischen den einzelnen Regionen Europas in historischer Perspektive. Überregionale Divergenzen und Konvergenzen werden anhand eines die Staaten Südosteuropas genuin verbindenden Themas behandelt: der Gründung des Königreiches Jugoslawiens 1918. Zwei Themenschwerpunkte stehen im Mittelpunkt des Workshops: 1) Vom Verschwinden imperialer Grenzen: Zwischen plurizentrischen Verflechtungen und zentralistischer Herrschaft 2) Von Regionen zu Peripherien. Post-imperiale Konstellationen in einem Vielvölkerstaat.Zentral für den Workshop ist die Förderung und der Austausch wissenschaftlichen Nachwuchses und die Stärkung von citizen science durch die Einbindung von Wissenschaftlern und Akteuren aus Serbien, Deutschland, Kroatien, Slowenien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Makedonien.
Constructions and Frames · DOI
In research on bilingualism it is often assumed that linguistic structures can be shared across languages. The emphasis on generalization and categorization in construction grammar also seems to imply that speakers can develop cross-linguistic representations. This contribution argues that generalizations can occur only on the semantic level. Data from typologically distinct languages shows that generalizations over form are not likely to play a role in language processing. It is further argued that neither syntactical nor grammatical form is needed in order to explain syntactic transfer.
Applied Linguistics Review · DOI
Abstract The use of named languages is still prevalent in current contact linguistics research. In this paper, I argue that this cannot explain many contact situations and types of language knowledge. I propose a usage-based account of language instead which does not take linguistic systems for granted but construes them based on the single linguistic unit. A language is seen as a radially organized network of constructions, which are interlinked through co-use, which employ the same inventory of linguistic forms and which are appropriate in the same socio-pragmatic circumstances.
Das beantragte Projekt möchte zwei Workshops (in Montenegro und in Bosnien-Herzegowina) zum Thema „Diskursive Inklusion und Exklusion von Muslimen und Juden“ mit Studierenden und Wissenschaftlern unterschiedlichen akademischen Alters aus drei Westbalkan-Ländern sowie Vertretern einschlägiger NGOs organisieren, wobei gemeinsame projektthematisch bezogene Exkursionen in lokale Milieus in Bosnien und Montenegro zentraler Bestandteil der Zusammenkünfte sein sollen. Die Workshops werden durch die gemeinsame Erstellung eines thematischen Korpus vorbereitet und deren Ergebnisse durch die Einbindung des Korpus in größere Projekte und die Veröffentlichung der Workshopresultate im Internet zugänglich gemacht. Auf den Workshops sollen Studierende, Doktorandinnen und Wissenschaftlerinnen aus Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina sowie Deutschland ins Gespräch kommen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Postkonflikt-Gesellschaften zu diskutieren. Paradigmatisch wird hierfür das Thema Islam und Judentum und der Umgang mit Minderheiten gesetzt, an dem sich Demokratiedefizite ablesen lassen. Die Thematik ist prototypisch für den Westbalkan, dessen Herauslösung aus dem Osmanischen Reich vergleichsweise spät stattgefunden hat. Trotz der militärischen Gewaltexzesse in den Balkankriegen 1912/13 ist die westbalkanische Demographie bis heute stark von muslimischer Präsenz geprägt. Das Projekt wird aus der Sicht einer transdisziplinären Linguistik hohes gegenwartsdiagnostisches Potenzial entwickeln und durch geschickte Dissemination politische Relevanz im sog. „Berliner Prozess“, d.h. der EU-Integration des Westbalkans, entfalten. Alleinstellungsmerkmal ist die Schwerpunktsetzung auf sprachliche Phänomene: Ausgrenzungen und minority-building beginnen immer mit herabsetzendem Reden über „die Anderen“ (schlimmstenfalls als hate speech), wobei diese Stereotypisierungen immer mit der Überhöhung der eigenen Gruppe korrelieren, die ebenfalls sprachlich verfasst ist. Daher fokussiert das beantragte Projekt die Dialektik von Inklusion und Exklusion anhand von zwei religiösen Minderheiten: einerseits den spanischsprachigen jüdischen Sepharden, die sich seit ihrer Flucht von der iberischen Halbinsel Ende des 15. Jahrhunderts in Balkanmetropolen wie Thessaloniki, Bitola, Sofia, Plovdiv, Belgrad, Sarajevo angesiedelt haben, andererseits Muslimen auf dem Balkan, die autochthon (durch freiwillige oder erzwungene Konversion zum Islam übergetreten) oder im Zusammenhang mit der osmanischen Eroberung Südosteuropas im 14.-15. Jahrhundert zugezogen sind. Beide Gruppen gehörten in osmanischer Zeit eher zur ökonomischen und urbanen Elite, wurden aber mit der Ende des Osmanischen Reichs marginalisiert und erlebten extreme Umbrüche: Während die sephardischen Gemeinden des Balkans größtenteils im Holocaust ermordet werden, verringerte sich die Zahl der Muslime in Südosteuropa vor allem in den 1910er Jahren durch ethnic cleansing (Ermordung, Vertreibungen und Bevölkerungsaustausch) ebenfalls drastisch. Über die relevante thematische Auseinandersetzung hinweg verfolgen die Veranstaltungen das Ziel, Akteure verschiedener Ebenen und aus insgesamt sechs Ländern ins Gespräch zu bringen: Professorinnen und Nachwuchswissenschaftlerinnen; NRO-Vertreterinnen und Hochschulmitarbeiterinnen; Musliminnen, Christinnen und Jüdinnen; Albanerinnen, Serbinnen, Montenegrinerinnen, Bosnjakinnen und Deutsche; Politikwissenschaftlerinnen, Linguistinnen und Kulturwissenschaftlerinnen. Das Projekt spiegelt über die Dialektik von Mehrheit und Minderheit am Beispiel der Diskurse über Islam und Judentum auf dem Balkan die Beziehung zwischen EU-Europa und Südosteuropa wider, die ebenfalls hierarchisch und asymmetrisch ist. Hier kann das Projekt dazu beitragen, die einseitig negative Perzeption des Balkans als Ort der Kleinstaaterei und irrationalen ethnischen Hasses zu relativieren und zu differenzieren. Angesichts der laufenden Flüchtlingsdebatte, die den EU-europäischen Konsens aufzubrechen droht, bietet Südosteuropa infolge der fast fünfhundertjährigen osmanischen Herrschaft historische Erfahrungen, die für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen einzufangen und nutzbar zu machen sind: Vor allem ein kulturelles Gedächtnis, das von hoher Diversität geprägt ist.
Das Projekt besteht vorwiegend aus einer Exkursion mit studentischen und wissenschaftlichen Teilnehmern aus Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Deutschland in den Sandžak (Serbien/Montenegro). Die Teilnehmergruppe ist thematisch komplementär aus Sprach- Geschichts-, KulturwissenschaftlerInnen undEthnologInnen zusammengesetzt. Die Ergebnisse werden in einer Wanderausstellung verarbeitet im Internet zugänglich gemacht. Als Vor- und Nachbereitung der Exkursion werden zwei wissenschaftliche Mitarbeiter an den Universitäten Kragujevac und Sarajevo eingestellt. Die Verzahnung mehrerer Ebenen des übernationalen Kontakts von Studierenden und WissenschaftlerInnen soll nachhaltig dazu beitragen, akademisches Wissen für den interregionalen Aussöhnungsprozess zur Verfügung zu stellen und insbesondere ein differenzierteres Bild des Balkanislam in die breitere akademische Öffentlichkeit zu tragen. Auf der Exkursion sollen Studierende und Wissenschaftlerinnen aus Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina sowie Deutschland mit Informanten und untereinander ins Gespräch kommen, um die Relativität von Eigenidentifizierungen und die Dynamik von Identitätskonstruktionen innerhalb einer sprachlich und national bzw. ethnisch umkämpften Region Sandžak zu diskutieren und selbst zu erfahren.
Ukrainian Linguistics · DOI
The article provides an overview of Construction Grammar. First, a general survey of the basic principles and major strands of the grammatical theory is given. The main assumptions include the recognition that all linguistic knowledge is of the same type as knowledge in general and follows the same principles such as categorization, abstraction and generalization. In the second part, the presentation focuses on two important elements of construction grammar research: the concept of the construction as complex sign and the abandoning of the distinction between lexicon and grammar. Using examples from Ukrainian, the different relationships between constructions of different complexity and schematicity in the so-called constructicon – the common space of both lexical and grammatical knowledge – are described. It is shown, how abstract constructions offer slots for other elements and how these are constrained regarding form and meaning. In addition, the status of constructions as complex signs is assessed from the perspective of semantics and compositionality. It is highlighted that Construction Grammar rejects the assumption of compositionality and rather conceptualizes meaning as determined by the construction itself. At the same time, semantics is understood in an encyclopaedic sense, which renders the description of constructions highly detailed and language-specific.