Prof. Niewöhner erforscht gegenwärtig, wie Menschen in städtischen Räumen mit psychischen Erkrankungen, Wassermangel oder neuen Ernährungsformen leben und welche sozialen Ungleichheiten dabei entstehen — durch ethnografische Feldforschung, die Alltagserfahrungen, materielle Bedingungen und institutionelle Praktiken zusammendenkt. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen entwickelt er Methoden, um Nutzer:innen und betroffene Gemeinschaften von Anfang an in Technologie- und Infrastruktur-Projekte einzubeziehen, etwa bei der Gestaltung von Pflegetechnologien oder nachhaltigen Wassersystemen. Seine Arbeiten verbinden Theater, Museen und Wissenschaft, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen wie Wasserversorgung oder Ernährungssicherheit öffentlich verhandelbar zu machen. Branchen wie Gesundheitswesen, Wasserwirtschaft, Stadtentwicklung und Lebensmittelindustrie profitieren von seinem Ansatz, Technologien und Politiken an reale Lebenswelten anzupassen.
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Prof. Dr. Jörg Niewöhner
HU-FIS-Profil ↗Im Zentrum des Projektes steht eine detaillierte ethnographische Beobachtung von medizinischen Klassifikationspraxen, um deren Wirkung auf das Verständnis von Krankheit in medizinischen Einrichtungen sowie auf das Krankheitserleben von Betroffenen zu verfolgen. Ziel ist, durch eine genaue Analyse der alltäglichen Praxen medizinische Klassifikationen auf neue Weise kritisch thematisieren zu können. Gerade die umstrittene Klassifikation „chronisch psychisch krank“ bedarf aus mehreren Gründen einer solchen ethnografischen Analyse: Bei der Klassifikation handelt es sich trotz ihrer häufigen Verwendung um keine medizinisch eindeutig definierte Diagnosekategorie, sondern um eine unscharfe Klassifizierung, die erst in einem Geflecht aus klinischen, wissenschaftlichen, sozialrechtlichen, ökonomischen und politischen Praxen sowie PatientInnenalltagen ihre Brisanz erfährt. Hierbei ist die vage Klassifikation „chronisch psychisch krank“ an machen Schnittstellen mit ganz konkreten Konsequenzen verbunden, nicht zuletzt dort, wo sie PatientInnen Zugang zu medizinischen, sozialtherapeutischen und finanziellen Ressourcen eröffnet. Ferner beeinflusst sie als Zuschreibung wesentlich das Krankheitsverständnis von MedizinerInnen, Pflegenden, PatientInnen und Angehörigen und wirkt sich somit nachhaltig auf Behandlungspfade und die Einschätzung von Therapiemöglichkeiten aus. Die Herstellung von Chronizität in der Psychiatrie wird daher als Prozess untersucht. Dabei wird insbesondere die Stabilisierung dieser Klassifikation in alltäglichen Praxen innerhalb und außerhalb der Institution beleuchtet. Mit dem Blick auf Praxen, d.h. der Art und Weise wie Menschen, Wissen und Materialitäten in Beziehung gesetzt und hervorgebracht werden, folgt das Projekt praxisorientierten Ansätzen der neueren empirisch-ethnographischen Wissenschaftsforschung. Das empirische Arbeitsprogramm fokusiert auf drei für die Fragestellung zentrale Bereiche: (A) medizinisches Versorgungsystem und Forschung; (B) komplementäre Versorgungseinrichtungen; (C) privater Alltag der Betroffenen außerhalb der Institutionen. Damit leistet das Projekt auch einen Beitrag für die Analyse der Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Lebenswelt und bringt die Perspektive der Sozialanthropologie in den Diskurs der Psychiatrie ein.
The European Research Area is targeting efforts in research and innovation on the current challenges faced by society. These challenges are complex, multidimensional and require the engagement of different actors alongside researchers, particularly relating to integrated and sustainable urban development. In an effort to bridge the gap between the scientific community and society, SEiSMiC (Societal Engagement in Science, Mutual learning in Cities) aims to create a structured dialogue and mutual learning with citizens and urban actors by setting up National Networks (and expanding on existing networks where possible) in 10 countries across Europe. These networks will specifically include urban stakeholders from civil society, business, NGOs, youth, media, musea but also from research and policy). On the European level, an Advisory Group (with EU-wide urban stakeholder organisations) and an Observer Group (with JPI Urban Europe and European Parliament representatives) will also be established. The objectives of SEiSMiC as Mobilisation and Mutual Learning Action Plan are threefold. Firstly it aims to mobilise a wide range of urban stakeholders at the local level with a view to, secondly, feed the experiences and challenges of social innovation at local level into the European urban research agenda and to enhance the social dimension of the strategic research agenda of JPI Urban Europe. Thirdly, it will diffuse the initiatives, projects and results of JPI Urban Europe (and other European programmes) to all urban actors at local, regional, national and European level. It is expected that by means of this multi-level, multi-actor, integrated and inclusive approach, research activities can be increased, new concepts and solutions will be more targeted and accepted, social innovation with the social context is strengthened, and commonalities and differences in European needs, awareness and solutions in the urban field can be identified.
Das vorgesehene regionale Netzwerk in Berlin-Brandenburg liefert einen substanziellen Beitrag zur Weiterentwicklung interdisziplinärer Forschungs- und Handlungsansätze in der Bewegungsrehabilitation mit dem Schwerpunkt Mensch-Technik-Interaktion. Auf Grund der zunehmenden Leistungsfähigkeit technischer Systeme und neuer therapeutischer Behandlungsansätze, gekennzeichnet durch aktive technische Unterstützung, neue Sensorikkonzepte und innovative Rückmelde-/Motivationskonzepte, können motorische Einschränkungen zukünftig deutlich besser ausgeglichen werden. Diese Optimierungspotenziale betreffen direkt die unmittelbare, enge Interaktion zwischen Mensch und Technik. Bei der interdisziplinären und domänenübergreifenden Gestaltung technischer Systeme für die Bewegungsrehabilitation sind deshalb bereits in frühen Entwicklungsphasen Nutzerperspektive und Alltagstauglichkeit in hohem Maße zu berücksichtigen.