Dr. Matthias Kaup erforscht mittelalterliche Geschichtstheologie, insbesondere die Werke des Anonymus Bambergensis aus dem frühen 13. Jahrhundert. Sein aktueller Fokus liegt auf der überlieferungskritischen Untersuchung, geistesgeschichtlichen Einordnung und kritischen Edition dieser theologischen Traktate sowie der Rekonstruktion ihrer Wirkungsgeschichte und intellektuellen Kontexte. Die Arbeiten erschließen zentrale Quellen zur hochmittelalterlichen Heilsgeschichte und Symboltheologie und sind relevant für Geisteswissenschaftler, Archive und Kulturinstitutionen, die sich mit mittelalterlicher Theologie und Wissensgeschichte befassen.
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Dr. Matthias Kaup
HU-FIS-Profil ↗Die Traktate "De semine scripturarum" und "De principe mundi" des Anonymus Bambergensis vom Anfang des 13. Jahrhunderts sind im Rahmen der geschichtstheologischen Entwicklungen des Hochmittelalters von außerordentlicher Bedeutung: Im Rahmen des deutschen Symbolismus nutzen sie mit der Entsprechung von Jahrhunderten und Buchstaben des lateinischen Alphabets wie mit der Einteilung der Heilsgeschichte nach unterschiedlichem Einsatzgrad von Personen der teuflischen Trinität ganz ungewöhnliche Methoden, um die christliche Heilsgeschichte zu strukturieren und Aussagen über ihre noch ausstehende Zeit bis zum Weltuntergang zu treffen. Seine Ansätze haben dazu geführt, dass der Anonymus Bambergensis nach Joachim von Fiore der meistrezepierte Geschichtstheologe im Hoch- und Spätmittelalter wurde. Bisher stehen seine Traktate der Wissenschaft nur gänzlich unzureichend ("De semine scripturarum") oder gar nicht ("De principe mundi") ediert zur Verfügung. Das Projekt wird eine kritische Edition beider Traktate erstellen, sie dabei geistesgeschichtlich einordnen und durch überlieferungskritische Untersuchungen der verschiedenen Textfassungen die Rezeption des Anonymus Bambergensis zu wesentlichen Teilen aufarbeiten.
Das Ziel des Projekts in seiner letzten Phase ist es, in den noch ausstehenden Aspekten die Aussageabsicht und den intellektuellen Horizont des Anonymus Bambergensis vor dem Bildungshorizont seiner Zeit möglichst in allen wesentlichen Facetten zu rekonstruieren und seine Wirkungsgeschichte, insbesondere das spezifische Erkenntnisinteresse der Redaktoren der einzelnen Fassungen, zu erarbeiten. Die so erworbenen Einsichten sollen in die Edition des Anonymus Bambergensis einfließen, die am Ende des Förderungszeitraums fertiggestellt sein soll. Damit soll ein bereits von der DFG gefördertes Projekt in absehbarer Zeit zu einem erfolgreichen Abschluss in Form einer kommentierten kritischen Edition des Bamberger Anonymus mit Einführung und deutscher Übersetzung der edierten Texte finden.
The Journal of Ecclesiastical History · DOI
Prognostication in the medieval world. A handbook. 2 vols. Edited by Matthias Heiduk, Klaus Herbers and Hans-Christian Lehner. Pp. xiv + 710, xii + 711–1027 incl. 57 colour and black-and-white ills. Berlin–Boston: Walter de Gruyter, 2021. £253.50. 978 3 11 050120 9 - Volume 73 Issue 4
Bei dem Projekt geht es um die überlieferungskritische Untersuchung, geistesgeschichtliche Einordnung und kritische Edition der Werke des Anonymus Bambergensis, des „wohl originellsten und wirkmächtigsten deutschen Beitrags zu den epochalen Neuentwicklungen der hoch- und spätmittelalterlichen Geschichtstheologie“ (A. Patschovsky). Das sind die Traktate De semine scripturarum, das „Schriftsamenbuch“ (60 Seiten DIN-A-Seiten reiner Text, neben Langfassung des Autors sechs Überarbeitungen bekannt), De principe mundi, das „Weltfürstbuch“ (20 DIN-A-4-Seiten Text, eine Fassung), und die Skizze De scala salutaris, die "Heilstreppenskizze" (1 DIN-A-4-Seite Text, eine Handschrift).Bei De semine scripturarum handelt es sich um den einzigartigen Versuch, auf der Grundlage des Alphabets, dessen Buchstaben seit der Gründung Roms je einem Jahrhundert zugeordnet werden, die Wiederkunft Christi und damit das Weltende zu berechnen sowie je nach Charakter jedes Buchstabens eine heilsgeschichtliche Wertung seines Jahrhunderts zu begründen. De principe mundi bietet den ebenfalls einzigartigen Ansatz, die heilsgeschichtlich relevante Rolle Satans seit der Passion Christi v.a. durch allegorische Interpretation der Actus Silvestri und komputistische Spekulationen im Gefolge von De semine scripturarum zu ergründen. Den Schilderungen der Gegenwart des Autors, geprägt vom staufisch-welfischen Thronstreit und der reformorientierten Apokalyptik, kommt dabei zeitkritische Bedeutung zu.Der in 20 Handschriften und sieben Fassungen überlieferte erste Traktat ist bisher überwiegend unerschlossen, der in fünf Handschriften und einer Fassung überlieferte zweite Traktat und die nur in einer Handschrift überlieferte Skizze sind praktisch völlig unbekannt. Das Vorhaben verspricht von der Originalität der Schriften wie von ihrer Bedeutung für die Erforschung geschichtstheologischer Konzepte des Mittelalters hohen wissenschaftlichen Ertrag.