Prof. Grandits erforscht die Geschichte des sozialistischen Jugoslawiens und des westlichen Balkans im 20. Jahrhundert, mit aktuellem Fokus auf die Verflechtung gesellschaftlicher, politischer und kultureller Dynamiken in dieser Region. Seine Arbeiten untersuchen Schlüsselereignisse wie 1989, ideologische Transformationen und die historiographische Deutung dieser Prozesse durch lokale und transnationale Perspektiven. Für Institutionen und Behörden relevant ist sein Expertise in der Aufarbeitung komplexer historischer Narrationen und deren Rolle in gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten im post-jugoslawischen Raum — besonders für Bildungsdialoge, Gedächtniskultur und die Verständigung über geteilte europäische Geschichte. Er entwickelt dabei Ansätze der Global Intellectual History, die Ideenzirkulation und Verflechtungsprozesse über Grenzen hinweg analysiert.
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Prof. Dr. Hannes Grandits
HU-FIS-Profil ↗Dieses Forschungsprojekt untersucht aktuelle Nationsbildungsprozesse im südöstlichen Europa nach 1945 aus einer historischen und anthropologischen Perspektive. Dabei werden vier Fallbeispiele vergleichend betrachtet: die bosniakische (bosnische), makedonische, moldawische und montenegrinische Nationsbildungen bzw. diesbezüglichen Versuche. Der Fokus der interdisziplinären Analyse liegt einerseits auf kollektiven Selbstzuschreibungen einfacher Menschen während der realsozialistischen Jahrzehnte nach 1945 bzw. in der Zeit nach dem Ende der sozialistischen Ära. Unter welchen Bedingungen waren und sind Menschen bereit, neue nationale Identitätspolitik zu akzeptieren, was machen sie daraus und wie gingen und gehen sie mit alternativen Identitätsangeboten um? Andererseits werden die Inhalte der jeweiligen nationalen Identitäten erkundet, um zu erörtern, ob sie bei etablierten kulturellen Praktiken anknüpfen und wo die kulturellen Grenzen der Nation gezogen wurden.
Ziel des Kompetenznetzwerkes "Phantomgrenzen in Ostmitteleuropa" ist es, nicht mehr existente Grenzen,die dennoch den ostmitteleuropäischen Raum strukturieren, zu untersuchen. Der Schwerpunkt des Teilprojektes untersucht zwei Hauptfragestellungen: Wann und warum werden vergessene Grenzlinien vergegenwärtigt und in welcher Form geschieht dies? Die Analyse ist mit dem Diskurs der "invisible frontiers" konfrontiert, der einen Erklärungsansatz der Ursachen der Kriege in Jugoslawien darstellt. In dem Projekt geht es einerseits um die Freilegung von Phantomgrenzen im klar umrissenen Kontext gesellschaftlichen, alltäglichen Handelns von Individuen und Gruppen; andererseits handelt es sich dabei notwendigerweise auch um eine Dekonstruktion des Diskurses der "invisible frontiers". Der Forschungsgegenstand "Stadt und Phantomgrenzen in Südosteuropa" soll es ermöglichen, gerade die Multi-Dimensionalität von Grenzen zu thematisieren. Das bedeutet, auch andere Formen der Delimitierung kultureller und sozialer Art mit einzubeziehen und Grenzen zugleich als Kontakt- und Kommunikationsräume zu betrachten.
HAL (Le Centre pour la Communication Scientifique Directe)
International audience
2011 jährte sich zum zwanzigsten Mal der Beginn des Krieges um ethnisch homogene Territorien in Jugoslawien. Es handelte sich dabei um den ersten Krieg in Europa, der fast fünfzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ausbrach. Nicht nur in den unmittelbaren Reaktionen, die von Entsetzen, Ratlosigkeit bis hin zu Indifferenz und Verdrängung reichten, berührten die Kriege in Kroatien, Bosnien und Kosovo die europäische Öffentlichkeit. Sie riefen Diskussionen über ihre politische, soziale und kulturelle "Verortbarkeit" hervor und warfen auch Fragen einer direkten "europäischen" politischen Verantwortung (und auch militärischen Involvierung) auf. In dieser Veranstaltung soll - zwanzig Jahre nach Beginn der Kriege - dieser Blick umgekehrt und gefragt werden: Wie wirkte eigentlich der Jugoslawien-Krieg auf die französiche und bundesrepublikanische Öffentlichkeit? Hat sich durch die Erfahrung dieses Krieges etwa auch wissenschaftliche Theoriebildung verändert?