Dr. Moritz Kiderlen erforscht die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen des antiken Griechenlands (ca. 1200–700 v. Chr.) durch archäometrische Analyse von Dreifußkesseln. Er bestimmt mittels naturwissenschaftlicher Verfahren die Herstellungsorte dieser Prestigegüter und die Herkunft des verwendeten Kupfers, um damit Handelsnetze zwischen zentralen Heiligtümern und die Produktionsorganisation in der Antike zu rekonstruieren. Für Museen, Ausgrabungsinstitutionen und Kulturerbe-Organisationen ermöglicht dieser Ansatz eine präzisere Provenienzbestimmung und ein tieferes Verständnis antiker Wirtschaftssysteme.
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Dr. Moritz Kiderlen
HU-FIS-Profil ↗Die bronzenen Dreifußkessel des geometrischen Typs stellten aufgrund ihres hohen materiellen Wertes Votive der obersten Kategorie dar. Eigene Vorarbeiten überprüften ältere Hypothesen und zeigten, dass Funde solcher Dreifüße ein klarer Indikator dafür sind, dass das jeweilige Heiligtum zum Zeitpunkt der Dedikation einen Knotenpunkt innerelitärer Kommunikation bildete. Das Ziel des Projekts besteht darin, mit einer detaillierten Fundortkartierung, die nach Typen und Zeitstellung differenziert, den räumlich zeitlichen Verlauf solcher Zentrumsbildungen zu erfassen sowie die Richtungen der Kommunikationswege und die Zusammensetzungen der jeweiligen elitären Öffentlichkeiten zu verfolgen. Eine notwendige Voraussetzung einer solchen historischen Interpretation ist eine richtige Ansprache der Dreifußfunde hinsichtlich ihrer Zeitstellung und Werkstattzusammenhänge. Dafür muss die Chronotypologie der Bronzedreifüße überarbeitet werden auf der Grundlage stratifizierter Funde vom Kerameikos und aus Lefkandi sowie der Arbeiten von H. Matthäus und B. Janietz. Das Materialkorpus von Olympia bildet den Kernbereich der Untersuchung. Die dortige Serie von über 1000 Fragmenten macht mehr als zwei Drittel aller Dreifußfunde aus und beginnt anders als zumeist angenommen nicht im 9. Jh. v. Chr., sondern bereits im späten 11. oder frühen 10. Jahrhundert. Mit dem DAI und einer von H.-J. Gehrke initiierten interdisziplinären Forschergruppe "Olympia und seine Umwelt" besteht eine enge Kooperation.
Journal of Archaeological Science Reports · DOI
METALLA · DOI
The copper deposits of Faynan and Timna have been exploited in two major economic cycles: a Chalcolithic – Early Bronze Age cycle, and a Late Bronze Age – Early Iron Age cycle. The present study focuses on the Late Bronze Age - Early Iron Age cycle of the two districts and analyses a relatively large sample of smelting remains from their main smelting sites (slag, raw copper, archaeological ores). The analytical results from lead isotope analysis (LIA; n = 145), copper isotope analysis (CIA; n = 49), chemical analysis (n = 52) and microstructural analysis (n = 5) are compared with the current geological and mining archaeological knowledge and confirm earlier results according to which in Faynan only the ore type DLS was smelted in this phase and in Timna almost exclusively the ore type Amir/Avrona. Based on the analytical data, multidimensional models of these two copper types are developed, which presumably come relatively close to the copper types marketed in reality. Our models are intended to serve as a basis for comparison in future provenance studies.
Das Projekt ermittelt mit archäometrischen Methoden sowohl die Herstellungsorte der griechischen Dreifußkessel als auch die Herkunft des dabei verwendeten Kupfers. Mit diesen Grunddaten werden drei Problemfelder bearbeitet: a) die Vernetzung der griechischen zentralen Heiligtümer im Zeitraum zwischen ca. 975 und 700 v. Chr. b) die wirtschaftliche Organisation der Produktion von Prestigegütern im Zeitraum zwischen ca. 975 und 700 v. Chr. c) die Anbindung der frühgriechischen Eliten an ägäische und transmediterrane Handelssysteme im Zeitraum zwischen ca. 1200 und 700 v. Chr. Die geplanten archäometrischen Verfahren wurden in zwei Pilotstudien erprobt. Das Konzept des Projekts beruht auf den Ergebnissen des 2011-2013 von Kiderlen durchgeführten Projekts "Die Fundverteilung von Dreifuß-Dedikationen als Indikator von regionalen und überregionalen Öffentlichkeiten im frühen Griechenland (11. bis 8. Jh. v. Chr.)" (KI 1544/1-1).
Geoarchaeology · DOI
Bronze tripod cauldrons were one of the most prestigious types of objects in Greece during the Early Iron Age (EIA). Because of its character as an exchange object with a value easy to assess, the tripod became an attribute used in the communication of personal status. Consequently, the distribution of archaeologically recovered tripods can be used to identify hotspots of elitist interaction. Fortunately, quite a lot of the extant tripod fragments have a clay core and/or show preserved residues of the casting molds on their surface. In our pilot study with 61 samples from Olympia and five samples from Kalapodi, it is shown that neutron activation analysis (NAA) allows a coherent internal chemical grouping of the clay pastes used in the ancient casting workshops. Furthermore, comparative material from workshop debris and also geological samples allow a geographical localization of many of the chemical groups. In general terms, NAA therefore seems to be an effective method to define production sites of artifacts cast in the lost wax technique. In the case of EIA tripods, sites and travel routes of workshops can be traced as well as travel routes of clients. This provides new hard data for modeling both the political and the economic structures of EIA Greece.