Prof. Sabrow erforscht die Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts mit Fokus auf Gedächtniskultur und Digitalisierung von historischen Quellen. Aktuell untersucht er, wie Zeitzeugenschaft durch multimediale Formate (Video, digitale Archive) dokumentiert und vermittelt wird — etwa am Beispiel der Wismut-Geschichte. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen relevant: Entwicklung von Strategien zur digitalen Archivierung, Aufbereitung und Vermittlung von Unternehmens- oder Organisationsgeschichte sowie zur Gestaltung von Gedächtnis- und Ausstellungsprojekten. Seine Arbeiten verbinden klassische Geschichtswissenschaft mit digitalen Methoden und zeigen, wie historische Narrative durch neue Medien zugänglich gemacht werden können.
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Prof. Dr. Martin Sabrow
HU-FIS-Profil ↗Gegenstand des Projektes ist die Erstellung einer Pilotstudie zur Geschichte des Historikerverbandes in Deutschland seit seiner Gründung, auf deren Grundlage ein umfangreicheres Gesamtvorhaben zur Verbandsgeschichte projektiert sowie ein umfassender Drittmittelantrag erarbeitet werden soll.
Der Gegenstand des Projektes ist die Geschichte des aus den ersten deutschen Historikertagen hervorgegangenen Verbandes Deutscher Historiker zwischen wilhelminischem Kaiserreich und der Wiedergründung des Verbandes nach 1945. Ausgehend von den vom Verband veranstalteten Historikertagen sollen am Beispiel der Verbandsgeschichte Bedingungen, Möglichkeiten und Probleme von Institutionalisierungen bzw. Institutionen in den historischen Wissenschaften seit der Jahrhundertwende untersucht werden.
Mit der wachsenden Entfernung verändert sich der Blick der Gegenwart auf das vergangene 20. Jahrhundert. Neue Denkweisen, aber auch der Übergang vom Mitleben zum Nachleben verfremdet bislang vertraut Geglaubtes. Immer unwirklicher erscheint uns dabei die Konkurrenz um die Ordnung der Moderne in Gestalt der drei gegeneinander kämpfenden Gesellschaftsentwürfe Liberaldemokratie, Faschismus und Kommunismus, die das 20. Jahrhundert in Europa beherrschte und zur Epoche nie vorher dagewesener Barbarei, aber dann auch erfolgreicher Re-Zivilisierung machte. Von der Macht dieses Ordnungsdenkens zeugt noch aus der transatlantischen Außenperspektive etwa der 1937 Europa bereisende John F. Kennedy, der in seinem Reisetagebuch zu dem Schluss kam, "dass Faschismus das Richtige für Deutschland und Italien ist, Kommunismus für Russland und Demokratie für Amerika und England". Für die Beschreibung der gewaltigen politischen Zäsuren und Konflikte sowie des umfassenden gesellschaftlichen Wandels haben Historiker eine Reihe von populären Zuschreibungen gefunden, wie "Zeitalter der Extreme", "Jahrhundert der Ideologien", "Amerikanisches Jahrhundert" etc. Diese atmen jedoch mehrheitlich die Luft der Zeitgenossenschaft ihrer Autoren. Inzwischen ermöglichen uns aber der erfahrungsgeschichtliche Abstand sowie neue geschichtswissenschaftliche Zugänge erweiterte, auch ungewohnte Perspektiven auf einen Zeitraum zu richten, dessen universalhistorische Deutung alles andere als abgeschlossen ist. Der 100. Jahrestag des Weltkriegsausbruchs 1914, der die "Urkatastrophe" des "kurzen 20. Jahrhunderts" als "Epoche der Extreme" einleitete, bietet einen guten Anlass für einen ersten Versuch, die deutsche und europäische Geschichte des vergangenen Jahrhunderts heuristisch als Epoche zu lesen und zu fragen, inwieweit es sich auch unter Fragestellungen zu erfassen lohnt, die die einhundert Jahre von 1901 bis 2000 umgreifen. Ein solcher Versuch kann sich öffentlicher Aufmerksamkeit sicher sein. Aber er übersteigt die Kompetenz des einzelnen Historikers. Einen Impuls aus der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur aufgreifend, schlage ich daher vor, im Sommersemester 2014 in Zusammenarbeit zwischen Bundesstiftung, ZZF Potsdam und meinem HU-Lehrstuhl eine Berliner Ringvorlesung zum Thema "Das Jahrhundert vermessen" zu veranstalten, die in zweiwöchentlichem Rhythmus mit acht bis neun Vorträgen solche übergreifenden Perspektiven in politik- und gesellschaftsgeschichtlicher Hinsicht entwickelt. Ziel der Vortragsreihe ist es, überblickshaft analytische Schneisen durch das 20. Jahrhunderts zu schlagen und sich dabei an den säkularen Signaturen auszurichten, die die Geschichte des "kurzen" von 1914/17 bis 1989/90 oder des "langen" vom Wilhelminismus bis in die Gegenwart reichenden 20. Jahrhunderts prägten. Universitär geerdet durch die Verbindung mit einem Masterseminar an meinem Lehrstuhl und öffentlichkeitswirksam durch eine Kooperation vorzugsweise mit Deutschlandradio Kultur, könnte auf diese Weise in Umrissen ein Bild entstehen, das das 20. Jahrhundert in der Fokussierung auf die deutsche Geschichte im europäischen Kontext als eine von Kontinuitäten und Zäsuren durchzogene, aber doch unter gemeinsamen Blickwinkeln erfassbare Epoche zu begreifen und nach ihrem Ort im kulturellen Gedächtnis der Gegenwart zu fragen erlaubt.
Totalitarismus und Demokratie · DOI
The article reconsiders the relations between past and present in the era of “Erinnerungskultur”, i. e. remembrance culture. It describes the semantic careers of the terms “Zeitgeschichte” (contemporary history) and “Aufarbeitung” (coming to terms with the past) in the representation of the past in Germany after 1989. By discussing the inherent tension between both attitudes of coping with the past and its historical burdens, the article reflects upon the characteristics of today’s historical discourse: a remarkable alliance between politics and historiography, the dominance of teleological perspectives, and the revival of the belief in the concept of historical lessons (“historia vitae magistra”).