Wolfgang Hock erforscht die Sprachgeschichte baltischer und keltischer Sprachen durch die systematische Analyse historischer Textquellen. Sein aktueller Fokus liegt auf der kritischen Edition und linguistischen Erschließung altlitauischer Kleintexte vom Überlieferungsbeginn bis 1700 sowie auf der Untersuchung, wie sich geschriebene Sprachregister in Lettisch und Litauisch während des Sprachenwechsels vom Lateinischen zur Volkssprache entwickelt haben. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen relevant ist die methodische Expertise in der Digitalisierung und Aufbereitung historischer Textbestände sowie die Entwicklung von Standards für die philologische Erschließung von Sprachquellen. Die Arbeiten tragen zur Dokumentation und Rekonstruktion von Sprachen bei, die für die europäische Sprachgeschichte und Kulturgeschichte von Bedeutung sind.
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Prof. Dr. phil. Wolfgang Hock
HU-FIS-Profil ↗Projektziel ist die Erstellung eines Altlitauischen etymologischen Wörterbuchs, das den Erb- und Lehnwortschatz des Litauischen vom Überlieferungsbeginn bis 1700 dokumentieren und etymologisch analysieren soll. Mit seiner streng philologischen Belegerfassung und -dokumentation sowie der Angabe von Erstbelegen übernimmt es Aspekte eines noch nicht vorhandenen historischen Wörterbuchs für diesen Zeitraum. Hauptziel jedoch ist die etymologische Analyse der Herkunft der altlitauischen Lexik gemäß dem neuesten Forschungsstand der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft. Damit wird eine Lücke geschlossen: ein altlitauisches etymologisches Wörterbuch gibt es nicht, das einzige etymologische Wörterbuch zum Gesamtlitauischen ist veraltet. Die Darstellung soll modernen Anforderungen an ein wissenschaftliches Wörterbuch gerecht werden. Formal bedeutet dies strenge Systematik und einheitliche Gestaltung in Gesamtanlage wie Aufbau der Einzelartikel, inhaltlich etymologische Neuanalyse mit nachprüfbarem Bezug zu den zugrundeliegenden Primärquellen und insbesondere konsequenter Berücksichtigung der in älteren Arbeiten unzureichend und unsystematisch behandelten Semantik. Aus vorläufigen Berechnungen ergibt sich ein Umfang von etwa 4000 Stichwörtern.
Indogermanische Forschungen · DOI
Zusammenfassung In Old Lithuanian texts (16-17 century), there are more than a hundred definite forms of adjectives and participles with unshortened pronominal ending -jie in the masculine nominative plural, e. g. baiſuſghie ‘the dreadful (errors)’ or mirßtąghie ‘the dying’ instead of modern Lithuanian forms like gerieji ‘the good’. Stang (1966: 237) supposed a complementary distribution - “-ji stands after -ie-, -jie in the other cases” - and explained the shortening as dissimilation process. However, dissimilation provides a solution only for -ie-ji, whereas in Stang’s framework -jíe with acute intonation should generally have been shortened in polysyllabic forms. It can be shown that the complementary distribution stated by Stang holds true for Old Lithuanian in general. Dissimilation seems to be the best explanation for *-ie-jie > -ie-ji, but it remains uncertain if this process affected other paradigmatic forms as well. It is proposed that definite forms became grammaticalized after monosyllabic forms with íe and úo underwent circumflexion. Only after subsequent univerbation, dissimilation or Leskien’s Law took place.
Das Gallische ist eine keltische Sprache, die in Folge der Romanisierung und Germanisierung Zentral- und Westeuropas verschwunden ist. Gallisch war im 1. Jahrtausend v. Chr. – bevor sich das Lateinische als lingua franca durchsetzte – die wichtigste Verkehrssprache in Europa und wurde in Frankreich, Südengland, Norditalien, dem gesamten Alpenraum, Süd-, Mittel- und Westdeutschland sowie vom Balkan bis hinunter nach Kleinasien gesprochen. Gallisch ist in einem Zeitraum von rund 1200 Jahren (6. Jahrhundert v. Chr. bis 6. Jh. n. Chr.) überliefert.Die gallische Sprache ist aber trotz des langen Überlieferungszeitraums nicht sehr gut bezeugt. Im Wesentlichen handelt es sich bei den Texten um eher kurze „profane“ Schriftzeugnisse wie etwa Händlerrechnungen, Arbeitsnachweise von Handwerkern, Kalender oder persönliche Widmungen auf Geschenken; dagegen sind nur wenige längere religiöse Texte und Weihinschriften bekannt.Die Tagung widmet sich einer bisher in der Deutung umstrittenen Gruppe von gallischen Inschriften, den sogenannten Bleitafeln. Dabei handelt es sich um Bleifolien, auf die man die Schriftzeichen mit einem Griffel einritzte. Sie werden im Allgemeinen als magische Texte eingestuft. Im Workshop werden einige neue Ideen und Ansätze zu diesen Bleitafeln vorgestellt, die von dieser veralteten Vorstellung abrücken. Es handelt sich teilweise wohl eher um Gerichtsprotokolle, die dann auch ein neues Licht auf die Rolle der Frauen in der gallischen Gesellschaft werfen: Frauen konnten auch „Männerberufe“ ergreifen.