Barbara Meisterernst erforscht die Grammatik des frühen Chinesisch, insbesondere wie Modalität (Möglichkeit, Notwendigkeit, Erlaubnis) und Aspekt (zeitliche Struktur von Handlungen) in vorklassischen und frühmittelalterlichen Texten ausgedrückt werden. Sie analysiert systematisch modale Verben und Adverbien in historischen Sprachdaten, um die Entwicklung dieser grammatikalischen Systeme nachzuvollziehen. Ihre Arbeiten ermöglichen ein tieferes Verständnis der chinesischen Sprachgeschichte und tragen zur historischen Linguistik bei; die Methoden sind relevant für Spracharchive, Editionsprojekte und die computergestützte Analyse historischer Texte.
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Barbara Meisterernst
HU-FIS-Profil ↗Ziel der zweiten Projektphase ist es, die bereits vorliegenden und teilweise noch nicht abgeschlossenen Einzeluntersuchungen insbesondere an Hand ausgewählter Texte der frühen buddhistischen Literatur fortzusetzen und zu vertiefen. Hierbei handelt es sich insbesondere um eine Weiterführung der Analyse der Modaladverbien; viele der Adverbien, die deontische oder epistemische Funktion im klassischen und hanzeitlichen Chinesisch haben, weisen diese offensichtlich so in der buddhistischen Literatur nicht mehr auf. Des Weiteren sollen die verschiedenen Realisierungsformen von Ausdrücken der Möglichkeit analysiert werden, die in der ersten Projektphase bisher nur angeschnitten wurden, da zunächst die Ausdrucksformen der Kernlesarten der deontischen und epistemischen Modalität thematisch waren, die in der chinesischen linguistischen Literatur bisher nur wenig Beachtung fanden.
Das 9. International Symposium on Ancient Chinese Grammar vereinigt Wissenschaftler*innen und wissenschaftlichen Nachwuchs aus Ost und West und unterstützt und befördert deren Zusammenarbeit in dem wichtigen Gebiet der klassischen chinesischen Linguistik. In dem anstehenden Symposium wird ein besonderer Fokus auf die Syntax und die Semantik des Chinesischen aus synchroner und diachroner Perspektive gelegt. Das Ziel des Symposiums ist es, neue Wege zur Analyse der Syntax und Semantik, aber auch der Morphologie und historischen Phonologie des Chinesischen aufzeigen. Durch die Konfrontation mit den unterschiedlichen theoretischen Ansätzen, die durch die aktiven Teilnehmer des Symposiums repräsentiert sind, werden neue Erkenntnisse zur synchronen Struktur der verschiedenen vormodernen Sprachstufen des Chinesischen und zu den Mechanismen seiner diachronen Entwicklung erwartet. Dies ist von besonderer Relevanz auch für allgemeinlinguistische Studien, die häufig auf überalterten und ungenauen Prämissen zum klassischen Chinesisch und seiner Entwicklung basieren. Aufgrund der Kombination einer Analyse der Semantik und Syntax unter Mitberücksichtigung der Morphologie des Chinesischen können sprachtypologische Muster in ihrer Universalität und ihrer Besonderheit aufgezeigt werden. Die regelmäßigen Symposien zum klassischen Chinesisch konstituieren einen unschätzbaren Beitrag zur Erforschung der Geschichte des Chinesischen, einer der Sprachen mit der längsten kontinuierlichen schriftlichen Tradition der Welt, aber auch einer Sprache, deren Mechanismen und Regularität bis heute nicht vollständig erforscht sind.
Journal of East Asian Linguistics · DOI
Lingua Sinica · DOI
In this paper, the interplay of modal markers with the lexical aspect of the verb in Han period Chinese is at issue. Abraham and Leiss (Modality-aspect interfaces: Implications and typological solutions, 2008 ) propose a strong and possibly universal relation between the verbal aspect and either the root/deontic or the epistemic reading of a modal verb based on data from the Germanic languages. In this article, this hypothesis will be checked against the data of Late Archaic and Early Middle (Han period) Chinese. It will be proposed that a relation similar to that in the Germanic languages can also be established for Chinese at least for the root modal values, despite the obvious differences between the aspectual and modal system of Chinese and that of the Germanic languages. As in the Germanic languages, root modal verbs in general select verbs/predicates which are compatible with the perfective aspect, i.e. [+TELIC] verbs. Due to the fact that epistemic readings have not developed yet for modal auxiliary verbs, the constraints proposed in Abraham and Leiss for the epistemic reading of modal verbs in combination with imperfective or [−TELIC] verbs cannot be confirmed for LAC and EMC. Epistemic modality is expressed by sentential adverbs which take an entire proposition as their complement. These are less confined in their selectional restrictions than modal auxiliary verbs.
Journal of East Asian Linguistics · DOI