Dr. Fontanelli erforscht Beethovens späte Streichquartette (1824–25) durch genetische Skizzenforschung zum Berliner Nachlass — eine Methode, die die Entstehungsgeschichte von Werken durch Analyse von Entwürfen und Überarbeitungen rekonstruiert. Sein Projekt zielt darauf ab, diese Werke, die lange als unverständlich oder fehlerhaft galten, in ihrer künstlerischen Logik und kulturhistorischen Bedeutung neu zu verstehen. Die Arbeit verbindet musikwissenschaftliche Quellenforschung mit hermeneutischen Verfahren und trägt zur Wissensgeschichte der Musikkomposition sowie zur Deutung von künstlerischen Schaffensprozessen bei. Für Kulturinstitutionen, Archive und Museen bietet diese Forschung Grundlagen für verbesserte Editionsarbeit, Ausstellungskonzepte und die digitale Erschließung von Künstlernachlässen.
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Dr. habil. Francesco Fontanelli
HU-FIS-Profil ↗Das Projekt zielt darauf ab, Ludwig van Beethovens letzte Schaffensperiode durch eine genetische Studie der drei Streichquartette op. 127, 130 und 132, denen er sich 1824–25 vollständig widmete, zu erkunden. Es geht um außerordentliche Werke, die lange Zeit als unverständlich galten, als 'Fehler' eines nun völlig tauben und entfremdeten Komponisten, die aber die Kultur des 20.Jahrhunderts (von Eliot bis Adorno und Thomas Mann) faszinierten. Wenngleich eine umfangreiche Literatur darüber existiert, fehlt es bisher noch an Skizzenforschungen, welche die Rätsel dieser einzigartigen Kreationen entschlüsseln. Deshalb werde ich meine Untersuchung auf den reichen Bestand an Beethoven-Handschriften in der Musikabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin konzentrieren, wo sie dank der Vermittlung durch Alexander von Humboldt 1846 erworben wurden.Das Vorhandensein verschiedener Arten von Materialien (mindestens acht Taschen- und Tischskizzenbücher, lose Blätter usw.) ermöglicht es, die Entstehungsgeschichte des Quartett-Zyklus in seiner Gesamtheit zu verfolgen, von den ersten Entwürfen bis zur Vorbereitung der Partituren.Sobald ich die Chronologie des Schaffensprozesses und die Verbindungen der Berliner Autographen mit anderen zeitgenössischen Quellen rekonstruiert habe, werde ich den musikalischen Inhalt der Skizzen analysieren, um über die Veränderungen in der Schreibpraxis und die Probleme der Kompositionstechnik nachzudenken (insbesondere das Experimentieren mit der Sonatenform, die Konzeption des Themas und der Variationen sowie die Strategien der motivischen Geschlossenheit).Diese Skizzenforschung, die auf der Grundlage moderner digitaler Transkriptionsprogramme durchgeführt werden soll und die 'Dynamik' des Textes samt seiner Schichtungen verdeutlicht, bietet somit die Gelegenheit, die noch offenen Fragen über die Kunst des späten Beethoven aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
IRIS eCampus Telematic University (Università degli Studi eCampus)
In 1913, well before neoclassicism became a historiographical label, Alfredo Casella jotted down in his sketchbook a plan for a ‘Divertimento’, then amended to ‘Concerto (or Serenata) in Italian Style’, for string quartet, winds, guitar and mandolin. On the same page appear orchestral settings of two patriotic poems by D’Annunzio: The Night of Caprera and Ode to Rome. Overshadowed by the atonal experiments of the war years, this long-cherished program only materialized a decade later, as the ‘Return to Order’ convinced Casella that the time was ripe for musical and national revival. This article retraces the lines of continuity between the early ‘modernist turmoil’ and the ‘classicist adjustment’, that coincided with the advent of Fascism. Drawing on unpublished sources from the Casella archive, the discussion explores how the composer negotiated the dialectic between revolution and reaction, European cosmopolitanism and cultural autarchy. To demonstrate the alignment between Casella’s aesthetic-ideological premises and the substance of his musical writing, two string quartet works are considered, both emblematic of his transition toward a ‘clarified style’: the Five Pieces, op. 34 (1920) and the Concerto, op. 40 (1923–24).