Dr. Prof. Mona Motakef erforscht die Auswirkungen chronischer Erkrankungen wie Long COVID auf Familien, Paarbeziehungen und Erwerbstätigkeit — insbesondere unter dem Blickwinkel von Geschlecht, sozialer Absicherung und Anerkennung. Ein Schwerpunkt liegt auf den Folgen für Hauptsorgeleistende (überwiegend Frauen mittleren Alters) und deren Reproduktionsfähigkeit im Kontext von Paar und Familie. Parallel untersucht sie Fragen von Familiengründung und Reproduktion jenseits heteronormativer Strukturen, um soziale, institutionelle und rechtliche Ungleichheiten in einem sich wandelnden Rechtssystem sichtbar zu machen. Für Unternehmen und die öffentliche Hand relevant sind ihre Erkenntnisse zur Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Sorgearbeit, zur Gestaltung von Sozialversicherungssystemen und zur Gleichstellungspolitik.
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Dr. Prof. Mona Motakef
HU-FIS-Profil ↗Fragen der Reproduktion und Familiengründung stehen im Zentrum der (sozial-)politischen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. In Deutschland kam es zu einer zunehmenden rechtlichen Gleichstellung hetero- und homosexueller Lebensformen, doch bestehen soziale, institutionelle und rechtliche Ungleichheiten fort. Neue Reproduktionstechnologien erleichtern zwar mehr Menschen eine Elternschaft, doch Menschen jenseits des heterosexuellen (Ehe-)Paarseins sind hiervon oft ausgenommen, da aufgrund der gesellschaftlichen Hetero- und Paarnormativität abweichende Lebens- und Liebesformen abgewertet oder ausgeschlossen werden. Wir möchten daher die Heterogenität familialer Lebensformen jenseits der heterosexuellen Kleinfamilie - sog. Regenbogen- oder LGBTIQ-Familien - aus einer ungleichheitssoziologischen Perspektive theoretisch und empirisch fokussieren. Unter Familie verstehen wir Menschen, die ein Kind oder mehrere Kinder haben, seien es Einzelne, Paare oder z.B. Doppelpaare. Es sollen drei Fragenkomplexe empirisch untersucht werden: 1. Eine vorgeschaltete Literaturstudie soll rechtliche Regulierungen der Familiengründung bei LGBTIQ-Familien erhellen. Wir fragen, welche (Un-)Gleichheiten in der institutionalisierten Anerkennungsordnung sich für nicht-heterosexuelle und z.T. nicht paarförmige (potentielle) Familien finden lassen. Im Zentrum des Vorhabens steht, auf 1. aufbauend und ergänzt um etwa fünf ExpertInneninterviews, eine explorative, qualitative Untersuchung von ca. 12 nicht-hetero-sexuellen Ein- und Mehrelternfamilien (einschließlich Menschen, die eine solche Familie gründen möchten), die möglichst in gemeinsamen Interviews zu den folgenden, nur analytisch trennbaren, Aspekten befragt werden sollen: 2. Wie werden Kinderwünsche realisiert bzw. nicht realisiert? Also: Wie zeigt sich das konkrete doing reproduction der nicht-heterosexuellen (potentiellen) Ein- und Mehrelternfamilien vor dem Hintergrund der ambivalenten Anerkennungsordnung? 3. Wie zeigt sich das doing family, also wie wird Familie in der Alltagspraxis hergestellt und welche Erfahrungen sozialer Ungleichheit, des Ein- und/oder Ausschlusses machen die Familien hierbei? Diese soziologisch hoch aktuellen und relevanten Fragen sollen aus einer ungleichheits-, anerkennungs- und geschlechtersoziologisch-queertheoretischen Perspektive untersucht werden. Dabei verbinden wir innovativ (oft kulturwissenschaftliche) Forschungsansätze zum Reproduktionshandeln, zu Familie, zur Alltagspraxis von LGBTIQ-Familien sowie die soziologische Ungleichheits-, Geschlechter-, Familien- und Anerkennungsforschung. Theoretische Ziele sind die empirisch fundierte Weiterentwicklung des Familienbegriffes sowie der Konzeptualisierung von Elternschaft vor dem Hintergrund einer ambivalenten Anerkennungsordnung. Damit kann das Vorhaben u.a. die Ungleichheits- und Anerkennungsforschung sowie die Familiensoziologie informieren, wobei soziologisch weitgehend Neuland betreten wird.
Distinktion Journal of Social Theory · DOI
Precarity and precarious work are widely debated concepts, though a lack of clarity remains about its definition, dimensions and application. Recognition appears to be an illuminating concept for a deeper understanding of work and employment in times of precarity and its further effects, but has yet to be considered. The article aims to develop a multifaceted understanding of precarity for empirical research. Hence, precarity of life arrangement is introduced as a heuristic, though it is developed further on the grounds of theories of recognition. The conceptual enlargement of precarity of life arrangement, further developed by theories of recognition, is the outcome of the article. To demonstrate the concept`s potential, of the spectrum of the empirical material of the study, the case of a couple in precarious working and living conditions is presented. Income and employment are important dimensions within the concept but are embedded in the life arrangement and hence intertwined with rights, love, participation, care, health and housing. The enlarged perspective developed in the articles stresses not only how precarity cumulates in life arrangement, but also gives insights into how precarity is mitigated and strengthened within the reciprocal relations of life dimensions and due to recognition (deficits).
Sozialer Sinn · DOI
Zusammenfassung In der Prekarisierungsforschung ist das Interesse an den sozialen Netzwerken und Nahbeziehungen von unsicher Beschäftigten gewachsen, da davon ausgegangen wird, dass die subjektive Wahrnehmung der Erwerbslage besser nachvollziehbar wird. Der Beitrag bearbeitet die Frage, wie prekär beschäftigte Paare ihre Prekarität wahrnehmen und deuten und welche Bedeutung ihre Paarbeziehung dabei erhält. Prekarität wird aber nicht auf Erwerbsarbeit reduziert, sondern im Anschluss an geschlechtersoziologische Arbeiten auf den Lebenszusammenhang erweitert. Datengrundlage bilden drei- bis fünfstündige teilleitfadengestützte, narrative Paarinterviews sowie später folgende Einzelinterviews, die zwischen 2014 und 2016 erhoben wurden. Die Auswertung orientierte sich an den Grundlagen der wissenssoziologischen Hermeneutik. Es werden zwei Fallrekonstruktionen vorgestellt und kontrastiert: erstens das Arrangement eines männlichen Alleinernährers und einer Hausfrau sowie zweitens einer Familienernährerin und eines selbstständigen Partners. Im Ergebnis wird deutlich, wie vergeschlechtlichte Zuschreibungen an Frauen und Männer im Binnenverhältnis der Paare aktualisiert werden, aber auch an Bedeutung verlieren können. Dies wirkt sich wiederum auch darauf aus, ob sich die Paarbeziehung für die Partner*innen als Ressource oder als Belastung darstellt.
Fragen der Reproduktion und Familiengründung stehen im Zentrum der (sozial-)politischen und wissenschaftlichen Aufmerksamkeit. In Deutschland kam es zu einer zunehmenden rechtlichen Gleichstellung hetero- und homosexueller Lebensformen, doch bestehen soziale, institutionelle und rechtliche Ungleichheiten fort. Neue Reproduktionstechnologien erleichtern zwar mehr Menschen eine Elternschaft, doch Menschen jenseits des heterosexuellen (Ehe-)Paarseins sind hiervon oft ausgenommen, da aufgrund der gesellschaftlichen Hetero- und Paarnormativität abweichende Lebens- und Liebesformen abgewertet oder ausgeschlossen werden. Wir möchten daher die Heterogenität familialer Lebensformen jenseits der heterosexuellen Kleinfamilie - sog. Regenbogen- oder LGBTIQ-Familien - aus einer ungleichheitssoziologischen Perspektive theoretisch und empirisch fokussieren. Unter Familie verstehen wir Menschen, die ein Kind oder mehrere Kinder haben, seien es Einzelne, Paare oder z.B. Doppelpaare. Es sollen drei Fragenkomplexe empirisch untersucht werden: 1. Eine vorgeschaltete Literaturstudie soll rechtliche Regulierungen der Familiengründung bei LGBTIQ-Familien erhellen. Wir fragen, welche (Un-)Gleichheiten in der institutionalisierten Anerkennungsordnung sich für nicht-heterosexuelle und z.T. nicht paarförmige (potentielle) Familien finden lassen. Im Zentrum des Vorhabens steht, auf 1. aufbauend und ergänzt um etwa fünf ExpertInneninterviews, eine explorative, qualitative Untersuchung von ca. 12 nicht-heterosexuellen Ein- und Mehrelternfamilien (einschließlich Menschen, die eine solche Familie gründen möchten), die möglichst in gemeinsamen Interviews zu den folgenden, nur analytisch trennbaren, Aspekten befragt werden sollen: 2. Wie werden Kinderwünsche realisiert bzw. nicht realisiert? Also: Wie zeigt sich das konkrete doing reproduction der nicht-heterosexuellen (potentiellen) Ein- und Mehrelternfamilien vor dem Hintergrund der ambivalenten Anerkennungsordnung? 3. Wie zeigt sich das doing family, also wie wird Familie in der Alltagspraxis hergestellt und welche Erfahrungen sozialer Ungleichheit, des Ein- und/ oder Ausschlusses machen die Familien hierbei? Diese soziologisch hoch aktuellen und relevanten Fragen sollen aus einer ungleichheits-, anerkennungs- und geschlechtersoziologisch-queertheoretischen Perspektive untersucht werden. Dabei verbinden wir innovativ (oft kulturwissenschaftliche) Forschungsansätze zum Reproduktionshandeln, zu Familie, zur Alltagspraxis von LGBTIQ-Familien sowie die soziologische Ungleichheits-, Geschlechter-, Familien- und Anerkennungsforschung. Theoretische Ziele sind die empirisch fundierte Weiterentwicklung des Familienbegriffes sowie der Konzeptualisierung von Elternschaft vor dem Hintergrund einer ambivalenten Anerkennungsordnung. Damit kann das Vorhaben u.a. die Ungleichheits- und Anerkennungsforschung sowie die Familiensoziologie informieren, wobei soziologisch weitgehend Neuland betreten wird.