Dr. Ulrike Hamann erforscht derzeit die Bedingungen für sozialen Zusammenhalt und Konflikte in städtischen Quartieren mit hoher Bevölkerungsvielfalt, insbesondere in Großwohnsiedlungen, die durch Zuwanderung von Geflüchteten geprägt sind. Sie untersucht, wie respektvolles Zusammenleben in superdiversen Nachbarschaften funktioniert, welche Faktoren Konflikte auslösen und wie diese zu neuem Verständnis lokaler Gemeinschaft beitragen können. Ihre Forschung adressiert für Städte und die öffentliche Hand zentrale Fragen der Quartiersentwicklung und Integration: Wie lassen sich periphere Großwohnsiedlungen als Einwanderungsquartiere stabilisieren und welche Bleibeperspektiven entstehen für Bewohner*innen mit Migrationshintergrund? Daneben untersucht sie die Handlungsfähigkeit und Perspektiven von Frauen, über die gesellschaftliche Debatten geführt werden, ohne sie selbst zu Wort kommen zu lassen.
🔒 Das System hat 78 mögliche Industrie-Partner gefunden — Firmen, Scores und Begründungen sind nur für eingeloggte Nutzer:innen sichtbar. Anmelden
Dr. Ulrike Hamann
HU-FIS-Profil ↗Welche verschiedenen Positionen zum Verbot der Vollverschleierung bestehen innerhalb der Gruppe der Trägerinnen selbst? Wie wird die Debatte darum von den Niqab tragenden Frauen selbst wahrgenommen, die über sie geführt wird? Was sind die unterschiedlichen Motive, die Vollverschleierung anzulegen und wie empfinden sie die Reaktionen der Öffentlichkeit? Welche Formen der Handlungsmacht erleben sie durch die Verschleierung und wo sehen sie Einschränkungen? Die Beantwortung dieser Fragen soll mithilfe der hier geplanten Studie durch eine möglichst große Zahl an Interviewpartnerinnen auf eine breitere Datenbasis gestellt werden. Durch leitfadengestützte qualitative Interviews werden von einem möglichen Verbot betroffene Frauen befragt, so dass verschiedene Positionen und Haltungen innerhalb der Gruppe herausgearbeitet werden können. Durch diese Vorgehensweise wird nicht die Position einer einzelnen Person als pars pro toto genommen, sondern systematisch die mögliche Vielfalt an Positionen herausgearbeitet.
In dem Forschungsprojekt „Nachbarschaften des Willkommens“ werden die Bedingungen von sozialem Zusammenhalt und Konflikten in Stadtvierteln erkundet: Welche Formen des respektvollen Zusammenlebens gibt es in Stadtvierteln, die von Diversität geprägt sind und unter welchen Gegebenheiten entstehen Konflikte in der Nachbarschaft? Können auch Konflikte ein Weg zu einem neuen Verständnis von lokaler Gemeinschaft und Willkommenskultur sein? Was sind die Ursachen von Konflikten und welche Rolle spielt dabei der sozio-ökonomische Status oder die interkulturelle Kompetenz der Bewohner*innenschaft? Die Fluchtmigration der letzten Jahre hat teilweise zu einer schlagartig zunehmenden Diversität an Migrationsgeschichten, Religionen, Lebensentwürfen und sozio-ökonomischen Voraussetzungen geführt.In dem Forschungsprojekt wollen wir herausfinden, wie diese Diversität von unterschiedlichen Nachbarschaften aufgenommen wird und was dazu führt, dass dies besser oder schlechter funktioniert. Vor diesem Hintergrund steht im Zentrum des Forschungsprojektes „Nachbarschaften des Willkommens“ die Frage nach dem sozialen Zusammenhalt und Praktiken der Konvivialität bei zunehmender Diversität in lokalen Nachbarschaften. Zentral ist dabei, herauszufinden, welche Faktoren den sozialen Zusammenhalt stärken und welche Werte und Normen, Erfahrungen und Aushandlungsprozesse dabei eine Rolle spielen. Hierzu werden vier Nachbarschaften großer deutscher Städte im Vergleich untersucht, die sich entlang der Achsen sozio-ökonomischer und sozio-kultureller Diversität unterscheiden.
Territory Politics Governance · DOI
After the initial moments of political protest have passed, urban protest movements and neighbourhood initiatives often face the challenge of establishing a sustainable organizing structure in their neighbourhoods and of creating long-lasting collaborations, including maintaining relations among various participants and heterogeneous political actors in the city. This paper analyses the political practice of Kotti & Co, an urban neighbourhood initiative that has been active in political struggles pertaining to social housing and displacement and working against racism and neoliberal urban politics in the super-diverse city of Berlin. In the larger context of urban protest movements since 2011, the initiative managed to overcome a series of political challenges and to build a long-lasting organizing practice. The authors identify Kotti & Co as a ‘community of struggle’ that was able to foster a lasting movement through three elements of sustainability. The protest first managed to build bridges across and beyond its members’ differences (class, migration background, sexual orientation) by finding a common set of political demands and social practices as well as by establishing collective place-based subjectivities. These place-based subjectivities have contributed to overcoming conventional identity politics by forming a new kind of political identity through the struggle itself.
Forschungsjournal Soziale Bewegungen · DOI
Zusammenfassung Das Ringen um und die Forderung nach gesellschaftlicher Teilhabe ist Gegenstand sozialer Bewegungen - so auch der Mieter*innenbewegung Berlins. In diesem Aufsatz möchten wir darstellen, warum der urbane Kontext besonders geeignet ist, Forderungen nach Teilhabe zu stellen und welche konkreten Forderungen nach materieller, politischer und kultureller Teilhabe von der Berliner Mieter*innenbewegung artikuliert werden. In einem zweiten Teil begründen wir, warum gerade die postmigrantischen und sozial gemischten Nachbarschaften der soziale Raum sind, in denen Teilhabekonflikte in einer sich diversifizierenden Gesellschaft zu universellen Teilhabeforderungen führen. In diesen Nachbarschaften entsteht in communities of struggle eine postidentitäre politische Kollektivität. Der Artikel basiert auf jahrelanger participant action research als Teil der mietenpolitischen Bewegung Berlins, sowie auf teilnehmender Beobachtung, qualitativen narrativen Interviews, die im Jahr 2013 mit Mitgliedern der Gruppe Kotti & Co stattgefunden haben, und auf Interviews, veröffentlicht in Hamann et al. (2015). Beide Autor*innen sind selbst aktiv in der Mieter*innenbewegung - Ulrike Hamann bei Kotti & Co und Lisa Vollmer bei Stadt von Unten.
Das vom BMBF geförderte Verbundprojekt wird über drei Jahre Großwohnsiedlungen in drei ostdeutschen Städten untersuchen. Hier sind nach einer Phase des Stadtumbaus und Bevölkerungsrückgangs in den letzten Jahren überwiegend Geflüchtete zugezogen, so dass der Anteil der Bewohner*innen mit Migrationshintergrund mitunter 25% beträgt. Im Mittelpunkt stehen dabei eine Abschätzung von Bleibeperspektiven, die Analyse von neuen Ansprüchen an Infrastruktur, Wohnen und Freiflächengestaltung sowie die Öffnung der Stadtgesellschaft für Geflüchtete. Der Forschungsansatz zielt darauf ab, in einem explorativen Vorgehen exemplarisch die wesentlichen Problemlagen für die Weiterentwicklung von Stadtumbauquartieren im Kontext von fluchtbedingter Zuwanderung zu analysieren, ihre wechselseitigen Zusammenhänge zu verstehen und Lösungsoptionen zu erarbeiten. Von Interesse sind dabei vor allem die Interdependenzen von Governancestrukturen, Planungsstrategien und Integrationsperspektiven mit den Chancen für eine nachhaltige Stadtentwicklung. 1.) Kommt es zu einer mittelfristigen Zuwanderung von Migrant*innen in „Stadtumbauviertel“, die diese langfristig zu Einwanderungsquartieren transformiert? Welche Perspektiven bieten sich neu Hinzukommenden in den Quartieren? 3.) Wie kann die Integration von Zugewanderten, im Sinne des Zugangs zu Teilhabemöglichkeiten und sozialen Kontakten, auf Quartiersebene erleichtert werden? Welche Hemmnisse stehen dem entgegen? 4.) Welche Formen der Kooperation und Koordination sind in diesem Prozess zwischen öffentlichen, privaten und zivilgesellschaftlichen Akteuren zu erkennen? Welche Potenziale und Probleme implizieren sie für ein „städtisches Transformationsmanagement“? Hierfür werden in den komparativ angelegten Fallstudien die Stadtteile Mueßer Holz in Schwerin, Sandow in Cottbus und Südliche Neustadt in Halle (Saale) empirisch untersucht. Das Projekt ist ein Verbund unter der Leitung des Leibniz Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS), zwischen Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), der Brandenburgischen Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung (B.B.S.M.) sowie der Landeshauptstadt Schwerin und dem BIM.