Prof. Villwock erforscht, wie taube und hörende Menschen zwei Sprachen gleichzeitig verarbeiten — speziell die Wechselwirkung zwischen Gebärdensprache und Schriftsprache auf neurologischer und verhaltensmäßiger Ebene. Ihr aktueller Fokus liegt auf der Frage, wie der Erwerb einer Gebärdensprache die Verarbeitung von geschriebenen Wörtern beeinflusst, sowie auf der Vereinheitlichung von Laborverfahren über Linguistik, Rehabilitation und Medizin hinweg, um robustere Erkenntnisse über Sprachverarbeitung und Körper-Sprache-Wechselwirkungen zu gewinnen. Für Unternehmen und öffentliche Institutionen relevant sind daraus Erkenntnisse für bessere Sprachförderung, inklusive Bildungsangebote und medizinische Rehabilitationsverfahren bei Sprach- und Hörstörungen.
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Prof. Dr. Agnes Kristina Villwock
HU-FIS-Profil ↗Wir gleichen Laborverfahren aus der Linguistik (Mooshammer, Knoeferle), der Rehabilitation (Villwock) und den medizinischen Wissenschaften (Klostermann) ab. Bei der Untersuchung einer gemeinsamen Forschungsfrage kann durch die Vereinheitlichung der Methoden zusätzlicher Nutzen erzielt werden. Wenn wir zum Beispiel die Auswirkungen des Körpers auf die Sprachverarbeitung bei gesunden Erwachsenen und bei Parkinson-Patienten untersuchen, könnten wir dies an der Charité tun. Aber die Kombination verschiedener Labormethoden und Perspektiven würde Forschungsfragen von breitem Interesse besser beantworten helfen. Zum Beispiel könnten Ansätze, die Hirn-, Verhaltens- und Kontextmessungen umfassen, die Grenzen isolierter psychologischer, neurowissenschaftlicher oder sozialer Perspektiven auf so wichtige linguistische Themen wie das Zusammenspiel zwischen Körperzustand und Sprachverarbeitung überwinden. Darüber hinaus könnten wir durch die Vereinheitlichung der Verfahren (über Labore hinweg, die sich hinsichtlich ihres Know-hows, ihrer Ausbildung und ihres Hintergrunds so stark unterscheiden wie die Medizin-, Rehabilitations- und Sprachwissenschaften) die (genaue) Replikation erleichtern. Im Rahmen des Projekts wird eine erste medizinisch-sozial- und sprachwissenschaftliche Laborkoordination eingerichtet. Der Techniker wird im Rahmen der Aufstockung des Vertrags mit der HU in ereigniskorrelierten Hirnpotenzialen in allen drei Labors und in den Techniken des Phonetik/Phonologie-Labors (z. B. elektromagnetische Artikulographie 'EMA' und RespTrack, ein System zur Messung und Echtzeitüberwachung von Atembewegungen) geschult werden. In diesem Prozess wird der Labortechniker 1-2 einheitliche Paradigmen für zukünftige Experimente aufstellen, gemeinsam mit studentischen Hilfskräften. Diese Koordination ermöglicht es uns, ein gemeinsames Paradigma und gemeinsame Analysen aufzustellen. Die Forschungsgemeinschaft wird hoffentlich auch von homogeneren Laborverfahren und Leitlinien für die Einrichtung enger Kooperationen zwischen den Sprach-, Rehabilitations- und Medizinwissenschaften profitieren.
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Fast alle tauben Gebärdensprachnutzer*innen sind bimodal-bilingual in einer Gebärdensprache und einer Lautsprache, in Bezug auf letztere häufig in ihrer schriftsprachlichen Form. Bisher ist noch nicht geklärt, wie genau sich der Erwerb und die Nutzung einer Gebärdensprache auf die Verarbeitung schriftsprachlicher Wörter auswirkt. Ein besseres Verständnis darüber, wie zwei Sprachen unterschiedlicher Modalitäten während der Entwicklung und im Erwachsenenalter verarbeitet werden, ist Voraussetzung für die Identifikation wichtiger Faktoren im Spracherwerb und in der Entwicklung von Lese- und Schreibkompetenz. In der vorliegenden Studie wird diese Forschungslücke adressiert. Aufbauend auf bestehender Forschung werden wir erstmalig untersuchen, ob taube Deutsch-DGS bilinguale Kinder während des Lesens deutscher Wörter die entsprechenden DGS Gebärden aktivieren. Zu diesem Zweck werden die Hirnströme der Proband*innen mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG) aufgenommen, während ihnen eine experimentelle Aufgabe zur semantischen Bewertung von deutschen Wortpaaren (mit implicit priming) präsentiert wird. Rekrutiert werden verschiedene Gruppen von tauben und hörenden Gebärdensprachnutzer*innen (Kinder und Erwachsene), sowie hörende Kontrollproband*innen ohne Gebärdensprachkenntnis. Um die Auswirkungen von Gebärdensprachverwendung auf die lexikalische Verarbeitung von schriftsprachlichen Wörtern umfassend analysieren zu können, ist eine Untersuchung auf neurowissenschaftlicher Ebene essentiell. Durch die Erhebung und Analyse von behavioralen Daten und den zugrundeliegenden neuronalen Korrelaten bei crossmodaler Ko-Aktivierung von deutscher Schriftsprache und DGS sollen Faktoren identifiziert werden, die für die Stärke und Spezifika von Ko-Aktivierungseffekten entscheidend sind.